Bald ist es ein Jahr her, dass die Pandemie angefangen hat. Fast ein Jahr befinden wir uns in einer Ausnahmesituation. Überlegungen darüber, ob der Partner meiner besten Freundin mitkommen darf, wenn wir gemeinsam Abendessen wollen, gehören zu meinem Alltag. Dinge, wie etwa mit mehreren Nachbarn im Flur zu quatschen, fühlen sich etwas „illegal“ an. Und wie steht es um die Welt? Aktuell passieren so viele große, wichtige Dinge, die die Menschheit betreffen, während in meinem Privatleben zeitgleich überhaupt nichts passiert. Doch eine Schulter zum Anlehnen gibt es während dem ganzen Chaos: Das Internet.

Soziale Netzwerke und Social Distancing gehen Hand in Hand

Was würde ich nur ohne die unzähligen digitalen Möglichkeiten während der Pandemie tun? Wahrscheinlich wäre ich sehr gelangweilt. Und einsam. Zu meinem täglichen Social-Media-Repertoire gehören Instagram, WhatsApp und Discord.

Discord habe ich erst seit der Pandemie richtig zu schätzen gelernt. Die Plattform ist hauptsächlich unter Streamer*innen und Gamer*innen bekannt. Aber auch Musiker*innen und weitere Interessensgruppen (wie Studierende) nutzen die praktische App inzwischen. Hier ist hauptsächlich Gruppentelefonie in selbsterstellten Channels möglich. Wenn die Nutzer*innen die Freigabe erteilen, kann ich sehen, was die- oder derjenige gerade spielt und kann sogar bei Spotify „Mithören“ – in Echtzeit. Für Studierende ist Discord ziemlich praktisch. Besonders die Bildschirm-Streaming-Option nutzen wir oft und tauschen auch Dokumente im internen Chat aus. Zusammengefasst hat die App mir ein Jahr gefüllt mit virtuellen Geburtstagsfeiern, durchgepaukten Sonntagen, gemeinsamen Filmabenden, Zocker-Nächten und vielen tiefgründigen Gesprächen ermöglicht.

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WhatsApp und Instagram hingegen lassen in letzter Zeit zu wünschen übrig. WhatsApp hat sich ohnehin mit der geplanten Änderung der AGB und dem Zwangs-Update, das inzwischen für die EU wieder verworfen wurde, unbeliebt gemacht. Außerdem bietet das Kommunizieren per Textnachricht durch das Ausbleiben von Tonlage, Mimik & Co. – gepaart mit der Gereiztheit der Menschen während des Lockdowns – eine perfekte Grundlage für Missverständnisse. Instagram nimmt währenddessen den Spaß an der App immer weiter heraus. Inhalte, die keinem wehtun, werden zensiert. Oft sind es nur gezeichnete Kunstwerke, feministische Memes oder Bilder von Frauen mit Achselhaaren, die scheinbar gegen die Nutzungsrichtlinien verstoßen. Wirklich freizügige Inhalte bleiben hingegen teilweise mehrere Wochen online und somit auch zugänglich für jüngere Nutzer*innen. Dazu kommt noch die aus meiner Sicht unnötige Shop-Funktion, die inzwischen die einst benutzerfreundliche Aktivitätenübersicht ersetzt. Dennoch bin ich dankbar, die beiden Apps zu haben, denn Unterhaltungswert hat Instagram wie eh und je. Man sollte nur ein Auge darauf haben, die Inhalte passend für sich auszuwählen. Positiver Content verschafft auch positive Stimmung. Somit macht es keinen Sinn, Influencern „blind“ zu folgen. Vieles an Content ist realitätsfern und es lohnt sich, das Gezeigte zu hinterfragen.

Wie wäre es vor 100 Jahren gewesen?

Die unangenehme Fantasie darüber, wie es aktuell ohne die sozialen Netzwerke wäre, macht mir ein wenig Angst. Mich selbst schätze ich als „halben“ Digital Native ein. Zwar hatte ich schon im Jugendalter mein erstes Smartphone, kenne aber auch noch das unzerstörbare Nokia 3210 und die alten Röhrencomputer. Mit Handys und PCs hatte ich – zumindest die ersten zehn Lebensjahre – aber nichts zu tun. Jetzt ist beides nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken. Und Social Media gehört, zumindest in meiner Generation, einfach dazu.

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Die Vorteile überwiegen

Durch viele Jahre in der Welt der sozialen Medien, in der ich auch gesehen habe, wie sie sich entwickelt hat, ist mir eines klar geworden: Wir können in diversen Apps stundenlang unsere Zeit verschwenden und an uns selbst zweifeln, weil wir uns mit Menschen vergleichen, die durch Selbstinszenierung eine perfekte Welt darstellen möchten. Wir können aber auch Nähe trotz Entfernung herstellen. Man kann jemanden zum Lachen bringen, ohne physisch anwesend zu sein. Etwas Schönes, was man sieht oder hört, kann man mithilfe von Social Media mit anderen Menschen innerhalb von Sekunden teilen. Kommunizieren ist, trotz Distanz, mit Mimik, Gestik und Tonlage möglich. Die Technik bringt uns zusammen und in Maßen verschaffen uns die Netzwerke und Plattformen viele Dinge, die zu Zeiten früherer Pandemien unvorstellbar gewesen wären. Trotzdem lege ich ab und zu mal einen Social Media-Detox-Tag ein, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. Schließlich gibt es im „echten Leben“ Dinge, welche die Onlinekommunikation niemals ersetzen kann.