Kinder und das Internet: Was ab welchem Alter?

Wer Kinder habe, müsse sich früher oder später damit beschäftigen, wie er sie an einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet heranführe, sagt Birgit Guth, Leiterin Medienforschung & Leiterin Qualitätsmanagement SUPER RTL. Was das konkret heißt, hat sie im Folgenden zusammengetragen.

 

Dass das Internet nicht mehr wegzudenken ist aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen ist klar, aber als Eltern hat man eben immer noch die Pflicht, Kindern einige Regeln mit auf den Weg zu geben.

Bereits für Vorschulkinder gibt es ja tolle Webseiten, bei denen die Kleinen den Umgang mit der Maus und Menüführungen üben können. Mit Beginn des Lese- und Schreibalters kommen dann weitere Anwendungsmöglichkeiten des PCs hinzu. Aber auch dann, wenn man meist den Eindruck hat, die Kids von heute könnten schon so viel – die vernetzte und verlinkte Struktur des World Wide Web erschließt sich ihnen doch erst allmählich mit dem Ende der Grundschulzeit. Und noch in diesem Alter haben viele Probleme, per Tastatur eine URL einzugeben oder Computerbegriffe zu verstehen (Was ist ein Highscore? Download? Registrierung?). Aber auch die Älteren brauchen oftmals noch Hilfe, wenn es um spezifische Fragen (Fotos hochladen, Anmeldeprozesse, E-Mail-Verkehr, Urheberrechte etc.) geht.

Aufgabe der Eltern ist es, all die Prozesse, die zu einem sinnvollen Umgang mit dem Netz führen, zu begleiten. Aber das ist gar nicht so einfach, denn es setzt voraus, dass man sich auskennt und aktiv wird. Im Folgenden nun ein paar Tipps. Ich teile sie in Phasen ein, die sich nach dem Alter des Kindes bzw. der Erfahrung mit PC und Netz richten.

Anfänger – wenig Interneterfahrung

Für den Internet-Anfänger sollte man den Zugang zum Netz sinnvoll begrenzen. Jüngere Kinder brauchen nicht das große Netz, sondern können erste Surf-Erfahrungen auch in einem geschlossenen Raum machen (eigenes Benutzerkonto einrichten!). Ein optimaler ist die Suchmaschine www.fragfinn.de, die auf Kinder zugeschnitten ist und neben der Suche in einer begrenzten Website-Menge auch eine Kinderschutzsoftware bietet. fragFINN ist ein gemeinsames Projekt der Bundesregierung mit vielen Unternehmen. Wer über die Telekom surft oder ein neues Microsoft-Produkt als Betriebssystem nutzt, bekommt die fragFINN-Kinderliste mit Jugendschutzsoftware direkt mit angeboten. Inzwischen gibt es auch zwei anerkannte Jugendschutzprogramme (JusProg und das der Telekom), die ganz einfach sind und ebenfalls auf die fragFINN-Liste zugreifen.

Wenn das Kind also über fragFINN und ein Jugendschutz-Programm geschützt ist, gelangt es nur auf Seiten, die für Kinder unbedenklich sind. Somit haben auch Eltern die Sicherheit, dass nichts passieren kann. Aber: Am Anfang sollte man als Eltern auch dabei bzw. mindestens in der Nähe sein, wenn das Kind surft. Denn da ergeben sich ja oft Fragen.

Zeitbegrenzungen: Sinnvoll können bei Kindern auch zeitliche PC-Nutzungsbegrenzungen sein. Meist bietet das Betriebssystem unter dem Punkt »Jugendschutz« die Möglichkeit, sehr genau einzustellen, zu welchen Zeiten der PC laufen darf und wann nicht.

Sensibilisierung: Einfach nur den Computer zu bestimmten Zeiten oder für bestimmte Websites zu sperren, ist zwar vergleichsweise einfach, aber im Grunde geht es darum, dem Kind zu erklären, was im Internet alles passieren kann und dass man als Eltern auch darauf vertrauen muss, dass nichts schiefgeht bzw. dass das Kind immer Rücksprache hält, wenn etwas Auffälliges passiert. Eine Möglichkeit ist, mit den Kindern eine Art Vertrag abzuschließen:

Um (jüngere) Kinder dazu zu bringen, dass sie sich mit den Gefahren des Internets auseinandersetzen, können sie z.B. bei www.toggo.de die »Mission Internet« (unter der Rubrik »Wissen«) durchlaufen und so auf kindgemäße Art über die Themen informiert werden.

Mehr Interneterfahrung – jetzt ins Social Web

Wenn die begrenzte Suche mit Filtersoftware zunehmend lästig wird, und es die Kids allmählich auch ins Social Web drängt, dann sind auch wieder die Eltern gefragt. Filtersysteme lassen sich individuell anpassen. Also ruhig zunächst den Blocker drin lassen, ihn aber für bestimmte Websites öffnen, z.B. SchülerVZ oder Youtube. Spätestens in der vierten Klasse wird es spannend, sich diese Welten anzueignen. In puncto Community sollte man da aber unbedingt zunächst auf SchülerVZ setzen. Dort liegt das Mindestalter bei zehn Jahren, bei Facebook sind es 13 Jahre, bei wer-kennt-wen 14 Jahre. SchülerVZ verfügt auch über sehr gute Voreinstellungen, wenn man sich als Kind anmeldet. Anders als bei Netzwerken für Ältere, sind hier die Privatsphäre-Einstellungen sehr streng und man muss sie bewusst öffnen, wenn man mehr von sich preisgeben will. Auch der Datenschutz wird bei den VZ-lern sehr ernst genommen. Und Tutorials erklären den Nutzern per Video, worum es geht beim Daten- und Jugendschutz.

Viel Interneterfahrung – Surfen was das Zeug hält

Wenn die Kinder dann erfahrener und/oder älter sind, wollen sie eigentlich keine Surf-Beschränkungen mehr. Jetzt muss es das komplette Netz sein, und sie wenden sich auch von den typischen Kinder-Websites ab. Dann tauscht man sich mit Gleichaltrigen darüber aus, wo man sich kostenlos Filme im Netz ansehen kann und wie das mit den Communities geht. Und die Kinder bzw. Jugendlichen fangen auch an, eigene Inhalte ins Netz zu stellen. Wieder ein Punkt, an dem Eltern wachsam sein müssen.

Die Community-Nutzung (Facebook, wer-kennt-wen etc.) sollte genau besprochen werden, und als Eltern muss man das Kind da ranführen. Also am besten selbst etwas Erfahrung sammeln (wenn man einen eigenen Account hat, kann man vielleicht ja auch Mitglied in der Freundesliste des Kindes werden) und dann gemeinsam mit dem Jugendlichen das Profil einrichten und die Einstellungen wählen. Tolle Hinweise dazu gibt es bei www.watchyourweb.de. Und unter www.juuuport.de findet sich ein Portal, auf dem die Jugendlichen sich selbst unterstützen und Tipps geben.

Wenn es dann darum geht, eigene Inhalte ins Netz zu stellen, muss man wissen, was erlaubt ist und was nicht; also warum man zum Beispiel seine Lieblings-CD einem Freund kopieren darf, es aber verboten ist, einen Film mit derselben Musik zu unterlegen und ihn online zu stellen. Oder was es mit Bildrechten auf sich hat und anderen geschützten Inhalten (z. B. Filme, Texte, Grafiken etc.). Infos dazu gibt es auf www.irights.info oder bei www.ksta.de/wir-im-internet.

Und dann muss man auch als Eltern immer die Frage klären, ob es okay ist, dass die Kinder TV-Inhalte übers Internet anschauen. Kino.to ist da ja schon aufgeflogen, aber es gibt genug Nachfolger. Derzeit sieht es wohl so aus, dass das Ansehen der Inhalte nicht illegal ist, aber das Hochladen.

Schließlich wird das Internet von den Jugendlichen nicht nur zum Vergnügen genutzt, sondern dient auch als Werkzeug für die Erledigung von schulischen Themen. Hier muss der User Quellenkritik lernen und einsehen, dass es nicht reicht, einfach nur einen Wikipedia-Artikel zu kopieren.

Zu guter Letzt zieht sich natürlich auch das Thema des klassischen Jugendschutzes durch den Bereich Internet. Wo die TV-Sender großen Aufwand betreiben und problematische Inhalte (z. B. Gruselfilme oder Erotik) nicht vor 22.00 oder 23.00 Uhr zeigen, so gibt es im Netz ja einfach alles rund um die Uhr. Kinder (aber auch Erwachsene) sollten ermutigt werden, Problematisches zu melden. Beschwerdestellen finden sich hier:

www.jugendschutz.net

www.internetbeschwerdestelle.de

Fazit

Wenn man sich die ganze Bandbreite an Themen klar macht, die auf einen zukommen, wenn man seine Kinder ins Internet lässt, dann erscheint einem das kaum zu bewältigen. Aber ich kann alle beruhigen. Das Wichtigste ist, dass man stets ein Ohr und einen Blick für seine Kinder hat, dann bekommt man mit, was sie gerade umtreibt. Als Eltern muss man ansprechbar sein, und das auch den Kids immer klarmachen. So wie man die Kinder fragt, was sie bei einem Freund unternommen haben, wenn sie den ganzen Tag weg waren, so darf man sie auch fragen, was sie im Internet oder am Computer erlebt haben in den letzten zwei Stunden. Denn oft erzählen sie dann von den Erlebnissen im Netz, und es kommen vielleicht Fragen auf, bei denen sie nach Antworten suchen.

Also – nur Mut und viel Spaß beim Surfen!

Weitere hilfreiche Internetseiten zum Themenkomplex:
Allgemeines:

www.dossier-jugendmedienschutz.de

www.surfen-ohne-risiko.net (Website des Familienministeriums)

Eltern-Leitfaden fürs erste Surfen:

www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Netz-fuer-Kinder-Elternteil,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Speziell zum Chatten:

www.chatten-ohne-risiko.net

Zum Thema Mobbing (bietet zudem viele weitere super Tipps!):

www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/index.html

Ein paar hilfreiche Links zu Portalen, in denen es um PC-Spiele geht:

www.spieleratgeber-nrw.de

www.spielbar.de

Filterschutzsoftware:

www.sicher-online-gehen.de

 

Von | 2015-07-16T12:53:22+00:00 26. März 2013|Kategorien: Allgemein, Fernsehen, Forschung, Medienforschung|

Über den Autor:

Alexa Brandt
Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung der Digitalredaktion.

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