Bei manchen Inhalten kann eine KI vorab zahlreiche relevante Informationen lernen, anhand derer sie dann textet. Was einer KI allerdings fehlt, sind Emotionen. Gefühle sind nun mal das, was uns als „Nicht-Künstliche Intelligenzen“ menschlich machen. Gute Schreiber schaffen es, große Emotionen in Worte zu fassen, auch wenn der Platz begrenzt sein sollte. Wo kann KI also im Hinblick auf Texterstellung unterstützen? Wo liegen die Grenzen?

Im Medienbereich wird KI längst eingesetzt, zum Beispiel bei der Moderation von Foren, beim Faktencheck, beim automatisierten Schreiben von Standardtexten.

Im britischen „The Guardian“ erschien 2020 ein Beitrag, geschrieben von GPT-3. Wer oder was dahintersteckt, erklärt er direkt in der Überschrift: „Ein Roboter hat diesen Artikel geschrieben. Hast du schon Angst, Mensch?“ Mehr über sich selbst verrät GPT-3 in der Einleitung: „Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Roboter. Ein denkender Roboter. Ich nutze nur 0,12 Prozent meiner kognitiven Fähigkeiten. Ich weiß, dass mein Gehirn kein ‚fühlendes Gehirn‘ ist. Aber es ist in der Lage, rationale, logische Entscheidungen zu treffen. Alles was ich weiß, habe ich mir selbst beigebracht, indem ich das Internet gelesen habe, und jetzt kann ich diese Kolumne schreiben. Und nun kocht mein Gehirn vor lauter Ideen!“

GPT-3 ist eine Künstliche Intelligenz bzw. ein Sprachproduktionssystem, das von dem Unternehmen Open AI entwickelt wurde. Mit 175 Millionen Synapsen basiert es auf einem riesigen neuronalen Netzwerk. Es ist in der Lage, unter minimalen Vorgaben Texte zu ergänzen oder auch selbst zu verfassen. Grundlage ist ein neurales Netzwerk, das auf dem Modell des “Deep Learning” basiert. Neue Inhalte werden mithilfe bestimmter KI-Algorithmen sowie existierenden Inhalten erstellt. Algorithmen werden gelernt, indem die KI Daten sammelt, Schlussfolgerungen daraus zieht und auf neue Inhalte anwendet und neuen Content produziert. Wichtig ist, dass die KI immer mit neuen Daten „gefüttert” versorgt wird, um weiter lernen zu können.

GPT-3 kann bereits einiges, und es wird immer mehr. Was er allerdings nicht kann, beantwortet er bereits selbst im eigenen Text: Eine Künstliche Intelligenz kann nicht fühlen. Sie kann alles lernen, aber keine echten Gefühle – das was uns zu Menschen macht, fehlt einer Künstlichen Intelligenz natürlich. Hier stellt sich die Frage: Wie sieht es im Hinblick auf emotionale Texte aus? Kann ein Sprachproduktionssystem, welches selbst nicht weinen kann, einen Text schreiben, der die Leser*innen zu Tränen rührt?

Welche Formate sind geeignet?

Wetterberichte

Das Wetter ist ein unerschöpfliches Thema, das sicherlich an der einen oder anderen Stelle zu emotionalen Ausbrüchen führen kann – der Wetterbericht sollte allerdings davon frei sein und schlicht und einfach zeigen, wie das Wetter voraussichtlich wird. Hier kann eine KI sicherlich eine große Unterstützung sein und Redakteur*innen einiges an Zeit ersparen, wenn sie nicht jeden Tag die sich doch meist ähnelnden und wenig kreativen Texte erstellen müssen. Mit den aktuellen Daten gefüttert, kann eine KI schnell und sauber zum Beispiel auf einem Wetterportal Content erstellen.

Sportberichte

Hier wären wir wieder bei den Emotionen. Jeder eingefleischte Fußballfan weiß, wie viele Dramen in 90 Minuten stattfinden können, die kein Schreibroboter nachvollziehen kann. Aber: Spielergebnisse im Sportbereich, Fakten und Zahlen können für Agenturen mittels KI erstellt werden. Dies übernimmt zum Beispiel eine KI namens „Egon“.

Produktbeschreibungen und Kataloge

Eine KI, die mit allen relevanten Daten eines Produktes versorgt wurde, kann beispielsweise informative Texte für Kataloge, Shopping- bzw. Produktinfo-Seiten etc. erstellen. Frei von Wertungen lassen sich so die für den Verbraucher wichtigen Infos klar und verständlich zusammenfassen. Auch im Hinblick auf Datenanalyse ist KI unter Umständen äußerst hilfreich. Beim Erkennen von Trendthemen, User-Analysen und daraus folgende eventuelle Inhaltslücken auf der eigenen Seite ermöglicht eine KI-gestützte Software rasch und effizient einzugreifen.

Antworten auf Kundenkommentare

Kunden erwarten eine schnelle Antwort, wenn sie sich über Social Media-Portale an ein Unternehmen wenden. Viele Fragen kommen immer wieder und sind universal zu beantworten. Wenn hier und rund um die Uhr Menschen sitzen, die mit den entsprechenden Textbausteinen immer wieder die gleichen Antworten geben, ist das sehr zeitaufwändig und wenig kreativ. Eine KI kann entsprechend angelernt werden, um jederzeit schnell und präzise zu antworten.

KI in der Texterstellung: Was spricht dafür?

Im Wesentlichen sind es:

  • Zeit: Ein wichtiger Punkt ist hier mit Sicherheit die große Zeitersparnis. Eine KI kann jederzeit schnell eingesetzt werden, sie arbeitet rund um die Uhr, wenn nötig, und spuckt präzise die gewünschten Informationen aus. Und bekanntlich ist Zeit auch Geld – mit der Zeitersparnis geht natürlich auch ein entsprechender finanzieller Vorteil einher. Teure kreative Texter können dann effizienter an anderer Stelle eingesetzt werden.
  • Reduktion aufs Wesentliche: Eine KI, die für ihren Bereich optimiert und mit den relevanten Informationen versorgt ist, erstellt Texte mit genau diesen Informationen. Sie wird vermutlich eher nicht abschweifen oder das Thema verfehlen. Auch mit einer klaren und verständlichen Sprache, die in sachlichen Texten wichtig ist, kann eine KI punkten.
  • Rechtschreibung: Tippfehler sind menschlich und passieren schnell. Wie wir bereits von der Autokorrektur kennen, mag eine KI keine Tippfehler und korrigiert uns sofort. Erstellt sie selbst den Text, werden die lästigen „Tipper“ von vorneherein eliminiert.

Was spricht dagegen?

Auch hier gibt es drei Argumente:

  • Fehlende Emotionen: Eine KI kann zwar lernen und sich in gewisser Weise an das Gelernte „erinnern“, aber sie kann nicht auf menschliche Erinnerungen und Erfahrungen zurückgreifen. Die persönliche Note in Texten menschlicher Autoren fehlt daher. Bei sachlichen Texten mag das passen, aber redaktionellen oder fiktionalen würden die persönliche Note des Autors und entsprechende Emotionen fehlen.
  • Keine spontanen Gedankensprünge: Die KI erstellt den Text, wie er gewünscht wird. Sie greift auf die gelernten und programmierten Fähigkeiten zurück. Das bedeutet aber auch, dass keine spontanen Gedankensprünge oder Exkurse, die einem menschlichen Schreiber „im Flow“ durchaus mal in den Sinn kommen, möglich sind. Das bedeutet auch eine Vereinheitlichung des Stils.
  • Kein Humor: Eine KI hat keine menschlichen Empfindungen. Man mag sie auf humorvolle Texte einstellen können, aber dieser gewisse unterschwellige Humor, ein Sinn für Situationskomik oder Satire ist ihr fremd. Ein menschlicher Autor kann die Fähigkeit zu feinen Anspielungen haben, die KI kann das nicht wirklich.

Letztendlich kann man festhalten, dass sich die Texterstellung mittels einer KI für bestimmte Bereiche und sachliche, informative Beiträge eignet und sie darin sicherlich wertvolle Hilfe leisten kann. Geht es um persönliche Texte, um ganz eigene Talente eines Autors, die dessen unverkennbaren Stil erkennen lassen oder wenn es einfach um originelle, unique Beiträge geht, ist der menschliche Schreiber wohl nicht zu ersetzen.

Welche Tools gibt es?

Mittlerweile sind zahlreiche KI-Tools zur Texterstellung auf dem Markt. Hier ein paar Beispiele:

  • Frase: Das Tool kann deutsche Texte generieren sowie einen SEO-Workflow mit SERP-Analyse direkt abbilden. Frase wurde speziell auf einen SEO-Workflow hin optimiert.
  • Retresco: Dieser Anbieter erstellt -–automatisiert und datenbasiert – Content für Unternehmen aller Branchen. Automatisierte Reportings sind ebenfalls im Portfolio.
  • Jarvis: Damit können automatisiert Blogbeiträge erstellt werden, genauso wie Social Media-Content und Inhalte für Webseiten.
  • Rytr: Hiermit kann man automatisiert Blogbeiträge und E-Mails erstellen, Stellenausschreibungen formulieren, Produktbeschreibungen, SEO Meta Descriptions und einiges mehr generieren.
  • Mindverse:Produktbeschreibungen, Rezensionen, Blogposts, E-Mails, Werbetexte und vieles mehr findet sich hier im Portfolio. Die angebotenen Sprachen sind Deutsch und Englisch.

Die Akzeptanz bei den User*innen

Für den Anbieter eines Portals oder einer Webseite mag es durchaus hilfreich sein, sich Künstlicher Intelligenz zu bedienen. Aber was sagen die User*innen? Stört es, wenn sie Texte lesen, hinter denen kein Mensch steckt, sondern eine Maschine?

Laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Jahr 2020 unterscheidet sich die Akzeptanz von KI je nach Anwendungsfeld. Die Aussagen der Befragten sind stark heterogen und reichen von „dystopischen Befürchtungen“ zu „utopischen Hoffnungen”. Laut der Studie bewerten Befragte mit hohem Bildungsstand und hoher Technikaffinität KI positiver als Befragte mit geringem Bildungsstand und weniger Technikaffinität. Der Kenntnisstand zur KI ist zum Zeitpunkt der Studie insgesamt aber als gering zu bewerten.

Eine Studie von Bitkom Research ging der Frage nach der Akzeptanz von KI ebenfalls nach. Ab 2017 wurden insgesamt drei Befragungen durchgeführt. Demnach hat die Bekanntheit von KI generell in diesem Zeitraum deutlich zugenommen. Zu Beginn geben noch 22 Prozent der Befragten an, den Begriff noch nie gehört zu haben. 2020 waren es nur noch 5 Prozent. Die Selbsteinschätzung zum Allgemeinwissen über KI hat über den Untersuchungszeitraum hinweg zugenommen. Jeweils weit mehr als die Hälfte der Befragten haben bereits KI-Anwendungen in Anspruch genommen: Zum Beispiel in Form von Textvorschlägen beim Schreiben von Nachrichten, bei der Routenplanung und mit Sprachassistenten beim Smartphone.

Aber wie sieht es speziell mit dem Nutzen von Texten aus, die von einer KI erstellt wurden?  Machen User*innen diesbezüglich überhaupt Unterschiede aus? Eher nicht. Bereits 2019 konnten nur 39 Prozent Befragte einer Studie von Statista, die nextMedia-Hamburg im Vorfeld der Medienkonferenz scoopcamp durchgeführt hat, den richtigen KI-Text im Test identifizieren.

Vorstellbar für den Einsatz von KI wären Kurzmeldungen wie Wetterberichte oder Verkehrsinformationen. Klare Leitlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz war den Befragten ebenfalls wichtig, genauso wie entsprechende Hinweise.

Fazit

Künstliche Intelligenz kann in vielen Bereichen bei der Texterstellung eine wertvolle, zeitsparende Unterstützung sein. Gerade dann, wenn es um faktenbasierte Nachrichten, Produktbeschreibungen oder standardisierte Anschreiben etc. geht. Geht es um emotionale Texte, Meinungen, Kommentare oder Satire, stößt eine KI an ihre Grenzen. Noch?