In einer etwas provokanten Umfrage hat eprofessional das Ergebnis erhalten, dass ein Drittel der Onliner der Meinung ist, Unternehmen, die nicht auf einer Social Community vertreten sind „leben hinter dem Mond“. Dies halte ich für überspitzt und auch in dieser Pointiertheit nicht für repräsentativ. Tatsächlich antworten an anderer Stelle ebenfalls ein Drittel gleichgültig auf die Frage, ob ein Unternehmen auf den Social Community Sites anwesend sein soll.

Dennoch ist es sicher eine Diskussion wert, welchen Stellenwert Social Communites für Unternehmen in Zukunft haben werden. Gerade Facebook erlebt derzeit einen enormen Hype und es wird von vielen fest daran geglaubt, dass diese Plattform für den Erfolg vieler Unternehmen in Zukunft von großer Relevanz sein wird.

Ich bin da skeptisch. Aus unserer tagtäglichen Marktforschungserfahrung heraus sehen wir immer wieder, dass das „Fan-Potenzial“ von Marken und die Relevanz der Unternehmen im Privaten endlich ist. Auch wenn Marketingexperten und Marktforscher gerne stundenlang mit Probanden über deren Zahnpasta oder auch Fernsehnutzung sprechen möchten, der Nutzer selbst hat in aller Regel nur ein begrenztes Involvement bei diesen Themen – und das erscheint mir recht gesund.

Tritt man mit wirklichen Fans in Kontakt, so sitzt man oft Menschen gegenüber, die sehr spezifisch motiviert sind, die oftmals psychisch schwierige Profile aufweise und nicht als repräsentativ gelten können.

Will ich damit sagen, dass alle „Markenfans“ irre sind? Nein, bewahre!! Das sicher auch nicht. Aber: Auch wenn die Faszination für Produkte und Unternehmen oft hoch sein kann, im Alltag ordnet sich der Stellenwert anderen, wesentlicheren Themen wie Familie, Gesundheit, eigener Erfolg, Freunde etc. unter. Das Unternehmen oder Produkt wird zu dem, was es meist auch ist – zur schönen Nebensache. Wird ein Produkt oder Unternehmen enorm hoch priorisiert, dann ist dies seltsam und wir stoßen auf Einzelfälle, die meist nicht als Repräsentanten der Konsumentenmehrheit gelten können.

Was hat dies alles mit Facebook zu tun? Für mich sehr viel, denn der Stellenwert des Facebook-Netzwerkes ist für viele (junge) Nutzer sicherlich zentral. Dort ist man mit seinen Freunden vernetzt, dort berichtet man über seine relevanten Themen, dort konzentriert man sich auf die Themen, die Spaß machen. Und für mich stellt sich ernsthaft die Frage: Haben Unternehmen dort etwas zu suchen?

Ich provoziere mal mit einem Bild: Ist mir wirklich daran gelegen, dass der Vertreter meines Autoherstellers, meines Telefons, meiner Lieblingsgetränke etc. in meine Nachbarschaft zieht, damit ich ihn jederzeit in meiner Nähe habe? Will ich das? Das war jetzt mindestens so überspitzt wie die eingangs zitierte Frage. Ich geb´s zu.

Es ist sicher praktisch, wenn die Unternehmen, die mich faszinieren, auch auf Facebook sind, wenn die Hersteller, denen ich Fragen stellen möchte, mit einem Click erreichbar sein können. Und ich muss ja nicht deren Fan werden..

Dennoch: Mir macht die Überkommerzialisierung aller vorhandenen Social-Media-Plattformen irgendwie Sorgen. Ich finde, auch im Netz täte an der ein oder anderen Stelle Zurückhaltung gut und Facebook ist für mich erstmal privat. Und sollte es vielleicht auch bleiben…

eprofessional: Ergebnisse der Umfrage zu Facebook als PDF-Download.