Es ist für uns schon verführerisch, das Blog zu nutzen, um hier ausführlich unsere Methode der App-Forschung zu schildern. Leider hört die Konkurrenz mit! Und so begnügen wir uns mit ein paar allgemeinen Gedanken zu diesem hoch spannenden Thema.

Wenn man so die Trends und Tendenzen in der App-Forschung betrachtet, dann zeichnet sich ab, dass dieses Feld ziemlich tief in die Usability-Forschung „rutscht“. Wie bei anderen Software-Produkten werden sehr oft ausschließlich die Fragen nach Bedienbarkeit, Gestaltung, Nutzerführung etc. gestellt. Diese Aspekte sind sicher wichtig, bilden aber nur eine Facette und nicht den zentralen Erfolgsfaktor.

Da die Funktionalität einer App eher schmal ist und die technischen Möglichkeiten begrenzt, ist die leichte Bedienbarkeit in der Regel gut sicherzustellen. Auch das Design der App selbst spielt im Spannungsfeld zwischen Gerät und Content nur eine nachgestellte Rolle.

Wir, die wir aus Sicht der Medien- und Markenforschung auf Apps schauen, interessieren uns vor allem für die Nutzerzielgruppen und ihre Erwartungen im Hinblick auf den Absender.

Kernfragen sind in diesem Zusammenhang:

  • Wie „groß“ ist die Idee der App tatsächlich?
  • Welcher Content kann an funktionale und emotionale Markenkompetenzen anschließen?
  • Was bieten Wettbewerber (aus Sicht der Zielgruppe)?
  • Wie passt dieser Content in den psychologischen Erlebnisraum eines iPhone oder iPad?

Gerade letzteres ist von großer Bedeutung. Was passiert eigentlich, wenn der eher geringwertige Content der Boulevardpresse auf einem hochwertigen Gerät angezeigt wird? Verliert er dann an Kraft? Oder andersherum: Kann das Gerät eine Marke aufwerten, wenn sie sich darauf ins Bild setzt?

Natürlich muss dies alles im Kontext der verschiedenen Nutzungssituationen, die ein mobiles Endgerät ermöglicht, gesehen werden.

Die Forschung zu Apps ist somit in viel stärkerer Weise mehrdimensional als Studien zu anderen Medieninhalten es üblicherweise sind. Und sie geht über klassische Usability-Forschung hinaus.

Allerdings deckt App-Forschung damit in meinen Augen auch ein Defizit auf, was klassische Medien- und Markenforschung immer hatte. Der Kontext, in dem Wahrnehmung und Nutzung stattfinden, wurde in diesen Ansätzen traditionell wenig beleuchtet. Dies war allerdings auch meist nicht möglich, da die Erlebniswelten nur selten so klar umgrenzt sind wie bei Apple .. . :-)