iPad, iPhone, Apps und mehr …

Wenn ab Mai 2010 das iPad auch in Deutschland erhältlich ist, wird sich hoffentlich zeigen, wer zur Zielgruppe gehört. Bis dahin aber ist es ein Rätselraten: Wird der Absatz ähnlich furios verlaufen wie in den USA? Oder sind die Deutschen zögerlicher und wird sich bewahrheiten, was unsere Blitzstudie Anfang April 2010 gezeigt hat: Dort haben nur 18% der Befragten einer repräsentativen Umfrage ihre Kaufabsicht angezeigt. Wer wird die ersten Testberichte abwarten und wer wird zu denen gehören, die erste Testberichte schreiben? Wer wird dann aufgrund dieser Bewertungen ebenfalls iPad-Nutzer werden, wer wird der neuen Technologie weiterhin die kalte Schulter zeigen? Wer wird über welche Features in Begeisterung ausbrechen, wer sich wieder enttäuscht (und worüber) abwenden?

Es gibt viele spannende Fragen, die sich rund um das iPad stellen lassen.

Das Forschungsinstitut Phaydon behauptet auf Grundlage einer qualitativen Studie an 18 Teilnehmern, dass das iPad vor allem als „Freizeit-Vergnügen“ eingesetzt wird. Die spannende Frage, die sich beim Lesen der Ergebnisse stellt, wird allerdings leider nicht geklärt: Wer ist hier befragt worden? Nimmt die Auswahl der Befragten bereits das Ergebnis vorweg? Musste es – da ja iPhone-Nutzer absichtlich ausgeschlossen waren – nicht so kommen, dass DIESE Befragten das iPad als „lean back“-Medium nutzen (würden)? Und wie wird die Nutzung nach einer Phase der Gewohnheit aussehen?

Schön wäre es, wir könnten in unsere Kristallkugel blicken und konkret und auf den Punkt genau sagen, wer Kernzielgruppe des iPad ist … allerdings ist uns allen besagte Kristallkugel bisher noch gar nicht begegnet, d.h., wir müssen mit unseren Forschungsansätzen weiter arbeiten, um so dem Phänomen wenigstens so nah wie möglich zu kommen.

Insbesondere die (bislang sogenannten) Printmedien dürften ein hohes Interesse daran haben, die passenden Marketingstrategien zu entwickeln, um a) die tatsächliche Kernnutzerschaft anzusprechen und b) zögerliche Randzielgruppen vom Angebot elektronischer Zeitungen/Zeitschriften zu überzeugen.

In diesem Zusammenhang wird man sich auch die Frage stellen, ob wirklich alle Printmedien, egal, ob Wochenzeitschrift oder Tageszeitung, Boulevard-/Hochglanz- oder Nachrichtenmagazin, Fach- oder allgemeine Zeitschriften, Männer- oder Frauenmagazine …. eine Zukunft via iPad haben. Außerdem: Wer ist hier bereit, für die App (anstelle der Printausgabe) zu zahlen? Unter welchen Voraussetzungen würde man (frau) zahlen? Welcher (Mehr-)Wert wird gegenüber den Online-Ausgaben – und der Printversion – erwartet? Was darf eine App und was muss eine App können, um zahlungswillige Leser zu erreichen? Wie dürfen die Preise gestaltet sein? Muss es sofort ein Abo sein? Wo bleiben da die Leser, die nur in speziellen Situationen/Zeiten zu Spiegel, Stern oder auch Brigitte greifen?

Das iPad ist angetreten, um die Lücke zwischen iPhone und dem Notebook zu schließen. Wäre es da nicht mal spannend herauszufinden, wo der potenzielle User diese Lücke sieht? Erlebt er die Lücke überhaupt? Oder hat er eher das Empfinden, dass hier (mal wieder) ein xtes neues Endgerät auf den Markt geworfen wird, was mehr oder weniger das kann – nur eben in neuer Verpackung – was die anderen i…’s auch schon können?

Sind die Vorteile, die bisherige Testberichte als solche bezeichnen, tatsächlich Vorteile? Genannt wird da z.B., dass man sich zukünftig die „Schlepperei schwerer Bücher und unhandlicher Zeitungen“ sparen könne. Aber hängt nicht gerade derjenige, der in seinem Alltag auf Bücher und Zeitungen nicht verzichten kann, auch gerade an der gedruckten Version? Ist es dann für „neue“ Leser (und das könnte natürlich ein Vorteil für das iPad sein – dass sich (wieder) mehr Menschen für das Lesen entscheiden) tatsächlich ein Vorteil, den sie vielleicht aber gar nicht zu schätzen wissen? Ein anderer Vorteil besteht darin, dass man Texte auf dem iPad auch in strahlendem Sonnenschein lesen kann – aber mittlerweile haben auch gut ausgestattete Laptops eine Innenbeleuchtung, die das ermöglicht. Das iPad kann (zumindest zur Zeit) weniger als ein Laptop – wo ist da der Vorteil?

Diesen und anderen Fragen wird sich result in den kommenden Monaten widmen. Als Medienforschungsinstitut sind wir seit 1994 auf dem Markt, zunächst den „klassischen“ Medien verschrieben, können wir mittlerweile auf eine große Erfahrungsbandbreite im Blick auf die neuen Medien verweisen. So haben wir 2006 eine Typologie der Nutzer des Web 2.0 erstellt (Mehr-Methoden-Ansatz: Qualitativ und Quantitativ), im Jahr darauf hat result die Altersgruppe 50+ und ihren Zugang zum Web 2.0 qualitativ untersucht. Aktuell liegt eine Eigenstudie zum Thema Twitter (quantitativ) und eine zu Bekanntheit und Nutzungsbereitschaft des iPad (quantitativ) vor. Zudem haben wir in einer sehr umfangreichen multimethodischen Untersuchung die Akzeptanz verschiedener Radio-Apps erforscht.

By | 2010-04-29T08:50:40+00:00 29. April 2010|Categories: Internet, Mobile, Social Web|Tags: , , |

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