Interessantes und nicht so Interessantes auf dem DMMK

Letzte Woche war ich auf dem Deutschen Multimediakongress (DMMK) in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin. Los ging es mit einem Workshop zum Thema “Intranet 2.0”.

In fünf Referaten wurde über moderne Kommunikationskonzepte in Unternehmen berichtet und diskutiert. Während viele in Wikis ein Allheilmittel sehen, meinte Peter Schütt von IBM, Wikis seien eigentlich nur für zwei Aufgaben geeignet: zeitlose Information und kollaborativ erstellte Dokumente wie zum Beispiel Ausschreibungsunterlagen. Der Grund sei, dass in Wikis die Einstellzeit nicht sichtbar ist und man daher nicht zwischen alten und neuen Inhalten unterscheiden könnte. Blogs seien für die meisten Anlässe, in denen Wikis verwendet werden, viel sinnvoller – zum Beispiel in der Projektarbeit.

Auch wurde deutlich, dass Software-Produkte wie zum Beispiel Microsoft Open Office (Share Point) oder SAP, meist viel schlechter geeignet sind als freie Open-Source-Lösungen, wie man es aus der privaten Nutzung gewöhnt ist. Überhaupt werden private Nutzungsmuster immer wichtiger, gesprochen wurde vom “digitalen Lifestyle”, den die nachwachsenden Arbeitnehmergenerationen gewohnt sind und diesen auch im Unternehmen leben wollen.

Da kam natürlich aus dem Publikum die Frage, wie denn Agenturen in Zukunft noch Geld verdienen sollen, wenn sich die Unternehmen ihre Kommunikationsservices selber zusammensuchen … Service und Beratung war die einhellige Antwort.

Und einen weiteren Aspekt zum Thema E-Mail habe ich gelernt, “80% der Unternehmensinformationen sind in E-Mails versteckt. Hier müssen neue Wege genutzt werden”, so der Workshopleiter Frank Martin Hein von Bombardier.

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(Die Keynote war so bunt wie sein Mac: David Weinberger)

Am zweiten Tag ging dann nach einer sehr mitreißenden, inhaltlich aber nichts Neues bringenden Keynote von David Weinberger weiter. Seine Präsentation sah aus, als hätte Monty Python sie erstellt. Danach kam Judy Balint von Moli, die nur eine Unternehmenspräsentation gehalten hat. Das war aber legitim, da der Dienst am gleichen Tag in Deutschland gestartet ist. Moli ist ein Communityportal für Einzelpersonen und Unternehmen. Unternehmen können sich hier einer Zielgruppe präsentieren. Für kleinere Unternehmen ist dies in den USA oft wesentlich gewinnbringender als eine Firmenhomepage, die über Suchmaschinen kaum zu finden ist. Allerdings sind dort gerade lediglich 23 Unternehmen und knapp 1500 Personen eingetragen.

In den darauffolgenden Panels gab es zuerst eine Enttäuschung. Viel versprochen hatte ich mir von dem Bewegtbild-Panel “Screens of Live – Bewegtbild produzieren über alle Kanäle”, bekommen haben wir aber nur drei Unternehmenspräsentationen, wobei die von Joel Berger (MySpace) wenigstens interessant war. Als der lustlose Moderator Klaus Eck dann tatsächlich das Coca-Cola-Mentos-Beispiel ansprach, fühlte ich mich ein wenig wie in der Volkshochschule und verließ den Raum – und einige andere auch.

Entschädigt hat dann das Panel “Mobile Internet”. Beeindruckend war, was Christopher Billich von Infinita Japan aus dem Land erzählte. Dort ist man wohl Jahre weiter, SMS gibt’s dort schon lange nicht mehr, stattdessen hat jedes Mobiltelefon seinen eigenen Mailaccount. Eine Verbindung ins Internet ist selbstverständlich. Es gibt eine Fülle von Diensten – das Mobiltelefon ist dort längst ein “Identity Key”, so Billich.

Beendet wurde der Kongress von einer kurzweiligen aber auch wenig informativen Diskussion zum Thema “Wahlentscheidung im Netz” mit Hubertus Heil (SPD), Steffi Lemke (Grüne), dem Wahlexperten Jo Groebel und Jörg Sadrozinski, dem Redaktionsleiter von tagesschau.de. Klar wurde nur, es wird sich nicht viel verändern, weil die politische Kultur in Deutschland viele Web-2.0-Strategien nicht so zulässt, wie etwa in den USA oder in Frankreich. Die Wähler möchten sich nicht so stark vereinnahmen lassen.

Insgesamt war es eine schöne Veranstaltung an einem schönen Ort bei gutem Wetter.

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