»Ihnen fehlt die Agentur!«

Kürzlich hatten wir Besuch von einem netten, aufgeschlossenen Kunden, der sich für die Leistungen der neolog consulting interessierte. Seine Anmerkung, nachdem wir unsere Kompetenzen geschildert hatten: »Ihnen fehlt aber doch die Agentur. Die brauchen Sie.« Das fand ich interessant.

Wir sehen unsere Leistungen als eine strategische Beratung, die mit der Arbeit der Agenturen wenig Überschneidung hat. Wir wollen unseren Kunden Konzepte an die Hand geben und sie gezielt coachen, um sie in die Lage zu versetzen, Social Media intern wie extern zielgerichtet und sinnvoll anzuwenden. Die Umsetzung dieser Konzepte kann dann entweder bei den Unternehmen selbst oder durch Agenturen erfolgen.

Tatsächlich hat unser Kunde aber einen relevanten Punkt angesprochen: Hat unsere Zielgruppe überhaupt ein Interesse daran, Beratung und Umsetzung in dieser Weise zu trennen? Erwartet sie nicht vielmehr, dass die Agentur sowohl das Konzept erstellt als auch die Umsetzung betreut? Ist das nicht die Kernleistung einer Agentur?

Ich denke (und hoffe natürlich), es gibt für beide Wege gute Gründe. Möchte man eine gezielte Kampagne fahren, die auf Social-Media-Marketing-Maßnahmen in Kombination mit klassischer Werbung oder PR basiert, dann ist der Gedanke legitim, der Agentur das gesamte Feld von der Konzeption bis zur Umsetzung zu überlassen. Hier macht es wenig Sinn, Dienstleister A die Entwicklung und Dienstleister B die Umsetzung zu übergeben.

Anders ist es, wenn es um die generelle Einführung von Social-Media-Kanälen in einem Unternehmen geht. Mit der Implementierung geht immer auch eine Veränderung in den  Prozessen sowie in der Unternehmenskultur einher. Es muss zunächst der Boden bestellt werden, um Social Media in einem Unternehmen strategisch sinnvoll einsetzen zu können. Und es muss eine Strategie definiert werden, für was und in welchem Kontext Social Media seinen Einsatz finden soll.

Bei dieser Kernaufgabe zu beraten und das Unternehmen auf seinen ersten Meilen zu begleiten, das ist die Kernaufgabe der neolog consulting. Es fällt häufig auf, dass dieser erste Schritt versäumt wurde und Agenturen oder interne PR- und Marketing-Abteilungen loslegen, ohne dass das Unternehmen die Folgen der Aktivitäten sinnvoll auffangen könnte.

Ziel muss es sein, Social-Media-Marketing einen sinnvollen Platz im Unternehmen zu schaffen. Nur dann kann die Arbeit der Agenturen, mit denen wir natürlich eng und vielfältig zusammenarbeiten, überhaupt fruchten.

Bildquelle: CC-BY Franconian | flickr.com

By | 2011-11-15T08:30:05+00:00 15. November 2011|Categories: Social Media|Tags: , , , , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

5 Kommentare

  1. Saschs Stoltenow 15. November 2011 um 8:55 Uhr

    Schönes, illustratives Bild. Zum Text: Abgesehen davon, dass Kommunikation und Medien schon immer gar nichz anders als sozial denkbar sind, halte ich Angebote für zu hinterfragen, die im Kern sagen: “Nein, wir haben noch nie eine Furche gepflügt oder ein Korn geerntet, aber wo Sie etwas Säen sollen, erklären wir Ihnen gerne.” Die Begründung dieses Angebotes muss schon verdammt gut sein. Im Text kommt sie nicht zum Ausdruck.

  2. sabinehaas 15. November 2011 um 9:10 Uhr

    Das ist ein guter Einwand! Woher nehmen wir unser Know-How? Wir nehmen es in erster Linie aus unserem Forschungshintergrund. Durch unsere seit vielen Jahren durchgeführten Mitarbeiter-, Kunden- und Nutzerstudien haben wir ein sehr tiefes Verständnis darüber, wie die psychologischen Wirkmechanismen von Werbung, Marketing, Vertrieb und Social Media sind. Wir schauen aus der Sicht des Anwenders (intern) und des Adressaten (extern) auf Social Media Marketing. Das ist der Fokus, aus dem heraus wir beraten. Übrigens sei erwähnt: Eine kleine Online-Agentur haben wir durchaus auch, die das “Doing” und die Umsetzung für verschiedene Kunden übernimmt. Allerdings ist das nicht der Kern unserer Leistungen. Vielleicht sollten wir diesen Teil dennoch stärker erwähnen… Von wegen “Ernteerfahrung” :)

  3. Sascha Stoltenow 15. November 2011 um 10:09 Uhr

    Ob es damit getan ist, es zu “erwähnen”, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass Kunden in der Regel eine Lösung für eine Aufgabenstellung suchen. Sie wollen kein Bauprojekt kaufen, sondern ein Haus. Daran müssen sie natürlich mitwirken, aber bei der Entscheidung darüber, wen sie mit dem Bau des Hauses beauftragen, achten sie verstärkt darauf, dass der Auftragsnehmer es nicht nur besser weiß, sondern auch besser macht. Der methodische Hintergrund ist damit als Diferenzierungsmerkmal ebenso wichtig wie die Fähigkeit, die Idee zum Leben zu erwecken.

  4. sabinehaas 17. November 2011 um 14:13 Uhr

    Ich finde ds sehr schön, dass man “eine Idee auch zum Leben erwecken” können muss. Das sehe ich auch so. Und das macht – glaube ich – den Kern einer guten Beratung in jedem Bereich aus: Nicht nur drüber zu reden, sondern das Ganze zum Leben zu erwecken. Diese Kompetenz muss man haben, unbedingt! Die Frage ist, – um im Tenor des Blogbeitrages zu bleiben – ob man dafür selbst Agentur sein muss oder “nur” Agenturen steuern können muss. Schlussendlich ist es bei Social Media ja häufig so, dass die Unternehmen inhouse tätig werden wollen. Das finde ich oftmals auch gut und richtig so. Und da ist es dann wichtig, nicht Macher zu sein, sondern in der Lage zu sein, die Macher bei Ihrem Tun zu unterstützen.

  5. Ulla Eiglsperger 17. November 2011 um 14:55 Uhr

    Das sehe ich auch so. Methodische Hintergründe, Fähigkeit zur Umsetzung und darüber hinaus das “Coachen” – im Sinne von unternehmensinterne “richtig-Macher” entwickeln. Letzteres sehe ich als “Königsdisziplin” der Berater. Die Qualität einer Unternehmensberatung beweist sich über diesen gesamten Prozess und begleitet den Kunden strategisch und operativ solange, bis er selber Profi ist, bzw. Profis hat. Um nah an der Fragestellung des Beitrags zu bleiben, fungiert meiner Ansicht nach die Unternehmensberatung als “Architekt” und “Bauleiter”, sie muss (wenn sie selbst auf keine eigenen Handwerker zurückgreifen kann), geeignete externe “Macher” zur Verfügung haben oder finden, um das Gesamtprojekt zum Erfolg zu bringen. Summa summarum muss die Unternehmensberatung nicht “alles-in-Einem” sein, sondern “alles-zum-(nachhaltigen)-Gesamterfolg” bringen.

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