Jetzt ist sie da, die zweite Welle. Zumindest hier in Köln. Und das heißt, dass unsere Kunden und auch wir wieder stärker zurückkehren müssen ins schon bewährte und bekannte Homeoffice. Die ersten Termine, die ich zum Kaffee oder sonst wie live mit Kunden, Partnern und Bekannten ausgemacht hatte, werden teilweise wieder gecancelt und auf virtuell umgestellt.

Jetzt werden einige sagen: „Und? Wo ist das Problem? Geht doch prima mittels Videokonferenz! Und Kaffee trinken ist ja nun wirklich nicht so wichtig.“ Tja, das sehe ich anders (und wahrscheinlich auch der gute Lars Hahn mit seinem Blog namens „Systematisch Kaffeetrinken“). Homeoffice ist mit Sicherheit ein Segen und funktioniert sehr gut. Es hat sogar – gegenüber dem Alltag im Büro – eine Menge Vorteile. Aber es gibt auch Schattenseiten, die mir das Berufsleben inzwischen sehr schwer machen.

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Als Geschäftsführerin einer Digitalagentur, die sich in erster Linie um Kundenbetreuung und Vertrieb kümmert, erlebe ich vor allem die folgenden Punkte als sehr negativ:

  1. Keine Sekretariate

Wir sind in vielen sehr tradierten Branchen unterwegs. Dort gibt es noch Sekretariate, Vorzimmer und Assistenzen. Diese heute vielerorts aus der Mode gekommenen Einrichtungen schätze ich sehr, denn sie erleichtern alle organisatorischen Themen und sorgen für eine Zuverlässigkeit in der Kommunikation, die Menschen im Management mit ihrem Smartphone allein kaum hinbekommen. Doch jetzt sind diese Manager*innen im Homeoffice und ihre Sekretariate mehr oder weniger ausgeschaltet. Das Ergebnis: E-Mails bleiben oftmals unbeantwortet, Rückmeldungen erfolgen nicht oder verzögert, Terminabsprachen finden keine statt. Mein Eindruck: Entweder bekomme ich auf E-Mails innerhalb der ersten Stunden eine Antwort, oder mein digitales Schreiben rutscht so weit nach unten, dass gar nichts mehr passiert. Das ist anstrengend und teilweise frustrierend.

  1. Kein „Nerv“ für Innovation

Die Corona-Situation und das mit ihr einhergehende Arbeiten im Homeoffice hemmt aus meiner Sicht die Innovation und den Raum für Neues. Das beobachte ich an uns selbst genauso wie an anderen. Wenn Ideen aufkommen, dann werden diese in der Regel mit dem Satz: „Darum kümmern wir uns dann nach Corona“ wieder weggewischt. Das ist verständlich und hat aus meiner Sicht zwei Ursachen: Zum einen „blockiert“ die Sorge um Corona und die damit verbundene Unsicherheit den Blick nach vorne. Der Kopf ist nicht frei, und es ist nicht klar, was die nächsten Monate bringen. Das macht jede innovative Planung schwierig. Zum anderen fehlt im Homeoffice der direkte Austausch mit dem Team ebenso wie die Leerphasen, die man für Neues braucht. Arbeitende im Homeoffice halten sich deutlich stärker am Tagesgeschäft fest und machen danach Feierabend, denn auch die privaten To-dos sind ja ständig präsent. So haben alle das Gefühl, für die „Add-ons“, die nicht unbedingt notwendig sind, keine Zeit zu haben.

  1. Keine kreative Kraft zufälliger Begegnungen

Ein Hauptgrund, der mich zu Live-Veranstaltungen geführt hat, war immer das Generieren neuer Ideen. Nicht der Inhalt eines Kongresses stand im Mittelpunkt, sondern die Inspiration „am Wegesrand“, die sich fast immer ergibt, wenn man auf Dienstreise geht oder Menschen trifft. Eine solche kreative Kraft lässt sich über virtuelle Meetings nicht abbilden. Konferenzen im Netz sind anstrengend und fordernd. Sie entfalten keine Freiräume und schaffen wenig kreative Energie. Da helfen auch die besten Tools und Didaktiken nur bedingt. Zwar kann man Inhalte auch gut in virtuellen Workshops entwickeln und vermitteln. Aber ein „freies Denken“ über die Workshop-Themen hinaus entsteht nur sehr begrenzt. Und damit fehlt ein wesentlicher Aspekt der klassischen „Kaffeeküchen-Gespräche“, die sonst ein Büroleben mitbestimmen.

Ein Hauptgrund, der mich zu Live-Veranstaltungen geführt hat, war immer das Generieren neuer Ideen. Nicht der Inhalt eines Kongresses stand im Mittelpunkt, sondern die Inspiration „am Wegesrand“. Klick um zu Tweeten

Natürlich ist es gut und richtig, dass wir alle wieder verstärkt in Home-Office-Lösungen ausweichen, wenn die Zahlen steigen. Und wir dürfen mehr als dankbar sein, dass wir diese Option haben und nicht – wie viele andere Berufstätige – nur vor Ort arbeiten können. Aber ich finde es ebenso wichtig, bei aller Euphorie der virtuellen Technik gegenüber, auch die möglichen Negativ-Wirkungen im Blick zu halten und nicht zu unterschätzen. Denn wir werden mit dieser Situation noch einige Zeit umgehen müssen. Und eine Lösung für dieses Dilemma fällt mir derzeit (noch) nicht ein …