Jetzt scheint sie endlich da, die Alternative zu Facebook. Mit Google+ gibt es nun ein Angebot, das zumindest auf den ersten Blick sehr attraktiv wirkt und sich nicht von vornherein vor dem Zuckerberg-Riesen verstecken muss. Allerdings muss man sagen: Google hat auch lange genug gebraucht, um etwas Vernünftiges auf den Markt zu bringen.

Noch kann ich in keinster Weise einschätzen, inwiefern das neue Google+ die Menschen auf Facebook tatsächlich zu einem Wechsel bewegt. Die Anordnung der Kontakte über Kreise, das Hinzuziehen von Menschen, die man nicht vorher anfragen muss, die Verknüpfung mit Reader und Mail – dies erscheint mir im beruflichen Umfeld äußerst sinnvoll, aber für rein private Zwecke fast ein wenig zu überorganisiert.

Dennoch: Google+ hat zumindest eine Chance, erfolgreich zu werden. Und wenn die kommen sollte, wird mir Angst und Bange. Würde dies nicht bedeuten, dass Google dann endgültig sämtliche personenrelevanten Daten sammeln kann? Was bleibt dann noch verborgen? Über die Suchanfragen ergibt sich ein Bild über Interessen, Krankheiten, Kaufverhalten etc. Über Google+ wird das gesamte Netzwerk zusätzlich transparent. Der Reader verrät die Informationsquellen und mein Nachrichtenverhalten. Fehlt noch der Ortungsdienst, dann bleibt keine mehr Frage offen. Wenn Google+ so erfolgreich wie Facebook wird, dann liegen diese Daten für einen Großteil der Menschen weltweit irgendwann einem Unternehmen vor. Das ist komplett neu in der Geschichte der Menschheit.

Wissen bedeutet Macht, und die Macht von Google ist dann nicht mehr zu überbieten. Wie stehen wir eigentlich dazu? Wie steht die Politik dazu? Ich kann nur sagen: Wohl ist mir dabei nicht, und ich vermisse sie sehr, die kritische Beleuchtung des Phänomens Google+ bei den Social-Media- und Netzexperten. Warum hört man darüber so wenig? Ist das Resignation? Oder seht Ihr kein Problem? Ich jedenfalls bin irritiert …