Google+: Warum sind die kritischen Stimmen so leise?

Jetzt scheint sie endlich da, die Alternative zu Facebook. Mit Google+ gibt es nun ein Angebot, das zumindest auf den ersten Blick sehr attraktiv wirkt und sich nicht von vornherein vor dem Zuckerberg-Riesen verstecken muss. Allerdings muss man sagen: Google hat auch lange genug gebraucht, um etwas Vernünftiges auf den Markt zu bringen.

Noch kann ich in keinster Weise einschätzen, inwiefern das neue Google+ die Menschen auf Facebook tatsächlich zu einem Wechsel bewegt. Die Anordnung der Kontakte über Kreise, das Hinzuziehen von Menschen, die man nicht vorher anfragen muss, die Verknüpfung mit Reader und Mail – dies erscheint mir im beruflichen Umfeld äußerst sinnvoll, aber für rein private Zwecke fast ein wenig zu überorganisiert.

Dennoch: Google+ hat zumindest eine Chance, erfolgreich zu werden. Und wenn die kommen sollte, wird mir Angst und Bange. Würde dies nicht bedeuten, dass Google dann endgültig sämtliche personenrelevanten Daten sammeln kann? Was bleibt dann noch verborgen? Über die Suchanfragen ergibt sich ein Bild über Interessen, Krankheiten, Kaufverhalten etc. Über Google+ wird das gesamte Netzwerk zusätzlich transparent. Der Reader verrät die Informationsquellen und mein Nachrichtenverhalten. Fehlt noch der Ortungsdienst, dann bleibt keine mehr Frage offen. Wenn Google+ so erfolgreich wie Facebook wird, dann liegen diese Daten für einen Großteil der Menschen weltweit irgendwann einem Unternehmen vor. Das ist komplett neu in der Geschichte der Menschheit.

Wissen bedeutet Macht, und die Macht von Google ist dann nicht mehr zu überbieten. Wie stehen wir eigentlich dazu? Wie steht die Politik dazu? Ich kann nur sagen: Wohl ist mir dabei nicht, und ich vermisse sie sehr, die kritische Beleuchtung des Phänomens Google+ bei den Social-Media- und Netzexperten. Warum hört man darüber so wenig? Ist das Resignation? Oder seht Ihr kein Problem? Ich jedenfalls bin irritiert …

By | 2011-07-11T09:14:41+00:00 11. Juli 2011|Categories: Social Media|Tags: , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

3 Kommentare

  1. […] Google+: Warum sind die kritischen Stimmen so leise? […]

  2. sabinehaas 11. Juli 2011 um 19:51 Uhr

    Ein differenziertes Pro und Contra zu Google+ findet sich auch hier:
    http://www.socialnetworkstrategien.de/2011/07/10-grunde-warum-google-facebook-killt/

  3. Alexa Brandt 12. Juli 2011 um 7:51 Uhr

    Und die Mär vom guten Riesen wird von Google selbst ja schön angetrieben. Da ist man Mitbegründer eines Instituts für Internet und Gesellschaft, an das man lediglich monetäre Hilfen fließen lässt”, ernennt sich selbst zum Hüter des Guten („Don’t Be Evil” … be google?) und liegt anders als Facebook im Clinch mit den chinesischen Behörden. Das schafft wohl Vertrauen. In den USA verwundert das wenig. Zumal auch die englische Sprache so angelegt ist – ähnlich dem Phänomen der Civil-Religion-Sprache. Ernsthaft: Uns würden wohl die Haare zu Berge stehen, wenn unsere Angela ständig das Wort „Gott“ in ihre Reden einflechten würde. Starke Worte wie gut, böse, Gott und Teufel – das sind immer noch beindruckende Worte im Land der grenzenlosen Möglichkeiten.

    Und umso mehr verwundert es auch mich, dass dieser von Dir, Sabine, angesprochene Aspekt hierzulande kaum Beachtung findet. Alle stürzen sich in Google+, rufen den „turn“ in Sachen Socialnetworks und Vormachtstellung Facebook aus – und kaum einer fragt nach dem Preis. Und das in unserem ansonsten doch ach so kritischen Deutschland.

    Bei den ersten Berichten von google+-Usern liest man häufig, dass man sich bzw. die Privatspähre umgehend respektiert fühlt. Gefühlt mag das auch so sein, weil ich auswählen darf, weil google+ das, was bei Facebook in der Kritik stand, gleich in seinem neuen Netzwerk hat bleiben lassen – so zum Beispiel die Möglichkiet zur Trennung beruflicher von privaten „Kreisen“. Das ist klug – und schafft Vertrauen. Heißt aber schlussendlich doch noch lange nicht, dass google nicht mit den Daten arbeiten wird. In welchem Umfang das geschieht, bleibt die Frage. Ich sehe es so ähnlich wie dieser Autor: „(…) bei Facebook habe ich wenigstens das Gefühl, dass die nicht so richtig wissen, was sie mit ihrem Datenschatz anfangen wollen (außer Werbung zu verkaufen). Und vielleicht ist Googles “Alles wissen wollen” im Endeffekt nicht so schlimm, wer kann schon in die Zukunft schauen (außer Google)?”

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