Google+: Die neue »Bild«-Zeitung der Netzelite?

Was wurde sie gelobt, die Debattenkultur bei Google+! Dort seien zwar weniger Menschen aktiv, aber diese wenigen Teilnehmer dafür umso diskussionsfreudiger. Man habe Interesse an »echten Informationen« und Diskussionen, lese dort relevantere Inhalte als bei Facebook. Während Facebook eher dem Spaß und der Unterhaltung diene und dort vor allen Dingen »Cat Content« dominiere, sei Google+ das wesentlich »ernsthaftere« Netzwerk und damit eine Alternative. So oder so ähnlich beschrieben die meisten »Fans« des Google-Netzwerkes dessen Vorteile wie zum Beispiel seinerzeit noch Philip Steuer oder auch Jan Tißler. Auch mir erschien diese Argumentation bislang einleuchtend, weil allein schon Aufbau und Struktur von Google+ mich eher zu Sachlichkeit motivierte als zu Unterhaltung und Spaß. 

Dieses Bild hat sich in meinen Augen (zumindest in meiner Timeline) enorm gewandelt. Google+ erlebe ich in Sachen Cat Content inzwischen schlimmer als Facebook. Ähnlich wie bei der Bildzeitung dominieren effekthaschende Fotos und Schlagzeilen, wenn ich das Netzwerk besuche. Es geht um die »Wirkung auf den ersten Blick«: Großflächige Images teasern Nachrichten an, die eigentlich keine sind, witzige Gimmicks bewegen sich, Katzen springen mir in Endlos-Wiederholung entgegen – teilweise ein regelrechtes Grauen.

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(Bildquelle: flickr – (CC BY-SA 2.0) – kierenpitts)
Jetzt kann man mir natürlich entgegnen: »Sabine, Du folgst den falschen Menschen, Institutionen, Firmen. Die Debatten finden woanders schon statt, das bekommst Du nur nicht mit.« Das mag natürlich sein. Allerdings habe ich in meinen »Kreisen“ bewusst den Kontakt zu Informationsanbietern gesucht und gedacht, so würden sich diese dann auch auf Google+ darstellen – also irgendwie anders als auf Facebook.

Dem ist aber nicht mehr so. Wie so häufig scheint die Technik die Inhalte zu bestimmen. Weil es so wunderbar einfach ist, looped GIFs oder großformatige Bilder einzubauen, wird es eben gemacht. Und weil derzeit alle die Macht der Bilder in den Vordergrund stellen, scheint es unerheblich, dass Texte bzw. Inhalte dabei stillschweigend verloren gehen.

Wer es mag, der mag es mögen. Für mich allerdings – die ich Bilder wirklich auch sehr gerne mag – wird Google+ mehr und mehr zu einer Art »Bildzeitung des Internets«. Man wird auf etwas neugierig gemacht, schaut genauer hin bzw. klickt auf den vermeintlich hinterlegten Text und ist furchtbar enttäuscht, weil auf eine vielversprechende Überschrift meist nicht mehr viel an Inhalt folgt.

Fazit

Ich war eigentlich ganz zufrieden damit, dass ich bei Facebook Spaß und bei Google+ zumindest überwiegend eher ernsthaftere Themen finde (von Twitter einmal abgesehen). Ich fände es sehr schade, wenn sich jetzt überall dasselbe fände, nur weil die Reichweiten dann höher sind. Gerade Informationsanbieter (Einzelpersonen wie auch Unternehmen) sollten nicht den Weg einschlagen, den sie bei Radio und Fernsehen immer kritisieren: auf Quote statt auf Qualität zu setzen. Noch zwingt sie im Netz schließlich keiner dazu.

Von | 2015-07-16T10:48:14+00:00 19. Februar 2014|Kategorien: Beratung, Social Media, Social Web|Tags: |

Über den Autor:

Sabine Haas

Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema „Digitaler Wandel/Medienwandel“.

8 Kommentare

  1. DieSteph 19. Februar 2014 um 16:09 Uhr

    Hi Sabine,

    zum Teil magst du Recht haben, zum Teil muss ich deinem Fazit ein Stück weit widersprechen. Dass man bei Facebook nun weniger Katzen und sonstige lustigen Bildchen zu sehen bekommt, liegt vielmehr an dem Algorithmus denn an den Nutzern. Die Leute, die auf Facebook Bildchen gepostet haben, machen das sicher immer noch. Du bekommst es nur nicht mehr ganz so häufig zu sehen.
    Zum Punkt G+: Google erfährt vermutlich das gleiche Phänomen wie vor einiger Zeit Facebook. Mehr Menschen, mehr Meinungen und damit natürlich auch mehr Quatsch. Ich empfehle hier, deine Kreise noch spezieller zu filtern, dann klappt es auch mit den News Feed ;)

  2. Christian Geng 19. Februar 2014 um 18:39 Uhr

    Zum Beitrag von Sabine Haas: ich halte den Artikel von Sabine Haas für arrogant, gefährlich und maßlos überheblich. Wie kommt die Autorin dazu, Katzenfotos als Ausdruck einfachen Geistes zu bewerten und sich dabei intellektuell überlegen zu fühlen?

    Viele Grüße

    Christian Geng
    Berlin, 19. Februar 2014

    Berlin, 19. Februar 2014

  3. Gilly 20. Februar 2014 um 9:45 Uhr

    Hi Sabine,

    du folgst den falschen Menschen, Institutionen, Firmen.

    kthybe

    Gilly

  4. Mark 20. Februar 2014 um 10:20 Uhr

    Denselben Personen zu folgen wie auf Facebook und sich dann zu wundern, dass diese dort denselben Inhalt abliefern, scheint mir der falsche Ansatz zu sein.

  5. Sabine Haas 20. Februar 2014 um 10:27 Uhr

    @DieSteph @Gilly Ja, ich gebe Euch Recht: Jeder hat ja einen eigenen Stream und auch der wandelt sich ständig. Mir fällt nur auf, dass die Anbieter, die zuvor auf Google+ eher „infolastig“ waren zu einem großen Teil dazu übergegangen sind, mehr und mehr auf großflächige Bilder, Vimeos oder Bewegtbild-Animationen zu setzen. Dadurch „springt“ einen vieles zwar mehr an, die Anzahl ausführlicherer Beiträge nimmt aber gleichzeitig ab. Und das hat sich in meiner Wahrnehmung schon geändert, trotz gleichbleibender handelnder Personen bzw. Institutionen. Die Unterschiede in der Anmutung von Facebook und Google+ verschwimmen inzwischen sehr. Und interessante Debatten habe ich in jüngster Zeit auf Google+ deutlich seltener wahrgenommen als zu Beginn. Wie gesagt: Ich beziehe mich vor allem auf die Informationsanbieter (z.B Medienhäuser, Fachexperten) in meinem Stream. So jedenfalls stellt sich meine kleine Ecke der Google+-Welt gerade dar..

  6. Sabine Haas 20. Februar 2014 um 10:34 Uhr

    @ChristianBerg Es tut mir sehr leid, wenn der Artikel so gewirkt hat! Das wollte ich aber nun wirklich nicht zum Ausdruck bringen. Erstens habe ich überhaupt nichts gegen unterhaltsame Inhalte (im Gegenteil, ich freue mich darüber und nutze sie gerne), zweitens ziehe von den Inhalten keinerlei Schluss auf intellektuelle Fähigkeiten. Ich wollte vielmehr zum Ausdruck bringen, dass ich bislang ganz froh über die „Arbeitsteilung“ der Nutzer von Facebook und anderen Plattformen war: Bei den einen findet man mehr Unterhaltung, bei den anderen mehr Informationen. Ich würde es bedauern, wenn diese differenzierte Nutzung mehr und mehr verwischt und man die Informationsangebote im Umfeld von Spaß, bunten Bildern und Unterhaltung nicht mehr gut auffinden kann.

  7. Ralph 8. April 2014 um 21:59 Uhr

    Eine spannende Beobachtung. Anscheinend fehlt noch das „richtige Rezept“ für die Aktivitäten auf Google+. Für die sehr oft geforderte gezielte Ansprache auf den einzelnen Social Media-Plattformen scheint die Zeit zu fehlen. Gleichzeitig „schreit einem überall“ entgegen, dass Bilder die höchste Interaktionsrate besitzen. Also wieso soll ich als Unternehmen auf Text setzen und damit freiwillig die Interaktionsrate reduzieren?

    Beste Grüße, Ralph

  8. […] Das eigentliche Social Network ist Google. Nicht Google+. | Stand 7.4.2014 [2] Google+: Die neue »Bild«-Zeitung der Netzelite? | Stand 7.4.2014 [3] Google+ Game Changing Update: Full Image Teasers | Stand […]

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