Get social! New York City: Stadt der unbegrenzten Social-Media-Möglichkeiten

Wie meine Kollegin Aurelie reiste auch ich kürzlich nach New York. Ich hatte mir schon einige Gedanken darüber gemacht, wie sich mir dort wohl die Social-Media-Welt präsentieren würde – werden die USA doch immer gerne als Vorreiter für Social-Media-Kampagnen genannt. 

Gleich bei der Landung am Flughafen JFK sollten sich meine Vorstellungen auch bewahrheiten, denn unmittelbar nach Erledigung der Einreiseformalitäten hatte ich Augen und Ohren für das Thema offen. Es war aber auch nicht schwer zu übersehen, denn in der großen Empfangshalle haute mir Yahoo direkt ein circa zehn Meter breites und drei Meter hohes Werbebanner um die Ohren. Der Slogan »Ads on Yahoo reach over 400 million mobile users every month« war eine klare Ansage und verfolgte mich später noch vielfach als Werbeplakat in vielen U-Bahnen.

Free WiFi

Noch bevor mein Smartphone wusste, auf welchem Kontinent es sich befindet und in welchen Carrier es sich einloggen sollte, hatte ich mehrere freie oder kostenpflichtige WLAN-Verbindungen zur Auswahl. Das Einloggen funktioniert in ganz New York relativ simpel. Entweder man entscheidet sich für das städtische »Free WiFi NYC« oder man nutzt einfach eines der unzähligen WiFi, die die Straßencafés oder Shops in der Umgebung meist kostenfrei anbieten. Für einige WiFi benötigt man leider eine App, die man dann aber nur im US-iTunes-Store bekommt – was hier den einzigen Wermutstropfen für mich darstellte. Zur Not muss der Foursquare Checkin bis zum nächsten freien WLAN warten, in der Regel bekommt man aber ein sehr schnelles und gut funktionierendes Netz.

It’s all about the #hashtag

Die zweite Feststellung war der selbstverständliche Umgang mit Hashtags. Diese sind überall zu finden, fast auf jedem Plakat oder jeder Anzeige, in vielen TV-Spots oder Radio Ads. Und ganz im Gegensatz zu einigen hiesigen Kampagnen, scheint das auch besser angenommen zu werden. Beispielsweise gibt es gerade eine Kampagne eines Lieferdienstanbieters, der seine Kunden unter dem Hashtag #groceryproblems dazu auffordert, zu schildern, warum ein Einkauf im Laden schwerer ist oder welche Probleme das Einkaufen bereiten kann. Das Ganze wird gut angenommen, und auch auf anderen Netzwerken wie Instagram teilen die Kunden Fotos ihrer großen und kleinen Probleme im Einkaufsalltag. Im Vergleich dazu »krepiert« geradezu die Kampagne eines deutschen Online-Dating-Portals gerade mit nur wenigen Tweets zum Hashtag #kribbeln, der in einem TV- Spot gezeigt wird.

In den USA werden Hashtags zu den unterschiedlichsten Themen genutzt. So bietet ein Möbelgeschäft in SoHo seinen Kunden uneingeschränkten Zugang zum WiFi, welches flächendeckend im ganzen Shop funktioniert. Sobald man unter dem Hashtag, der an der Kasse oder am Fenster des Shops steht, einen Tweet absetzt, gibt es gleich einen Reply, sich an der Theke einen Gratis-Kaffee abzuholen oder in der Lounge zu verweilen.

YouTube everywhere

YouTube startete Anfang Mai eine groß angelegte Kampagne bestehend aus Unmengen von Video-Billboard-Ads, Anzeigen in nahezu jeder U-Bahn-Station, Großflächenplakaten, beklebten Bussen, Anzeigen in der U-Bahn – einfach nicht zu übersehen. Was relativ selten vorkommt ist, dass YouTube sogar eine der 6.200 U-Bahnen komplett von außen mit ihren Anzeigen beklebt hat – über den Kostenapparat möchte man gar nicht nachdenken. Die erste Phase der Kampagne bewirbt gezielt die derzeit stärksten Content-Ersteller wie Beauty Guru Michelle Phan, Fashionista Bethany Mota und die backende Rosanna Pansino. Die Kampagne wurde gezielt sehr stark in New York, Chicago und San Francisco beworben und brachte ihren Protagonisten nach nur vier Wochen einen Zuwachs von gesamt 1,7 Millionen Abonnenten.

Instagram

Instagram ist in den USA sehr beliebt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sehr viele Geschäfte dieses Netzwerk nutzen. So zum Beispiel die Restaurantkette SweetGreen, welche auf natürliche und frische Salate setzt. SweetGreen versucht aber auch, ein Lebensgefühl zu vermitteln, und spricht gerade ein junges Publikum an, welches sich bewusst gesund ernähren möchte. So liegt es nahe, in den Shops auch trendige Events zu veranstalten – nach dem Motto: »Salat, Musik und gute Laune«. Ganz nebenbei macht sich SweetGreen Instagram zunutze, indem man die Kunden per Serviettenaufdruck dazu veranlasst, ihr Essen auf Instagram zu posten, um etwas zu gewinnen. Hat man dies getan, bekommt man auch hier binnen weniger Minuten einen Dank als Reply via Instagram oder Twitter zurück. Auch das Thema Hashtag wird hier wieder aufgegriffen: Unter #ricericebaby werden leckere Gerichte des Hauses gezeigt. Auch andere und sehr viel kleinere Läden, wie zum Beispiel ein kleiner Modeladen oder ein kleines Café, verweisen gerne darauf, ihnen auf Instagram zu folgen. Was man dabei sehr schnell vermittelt bekommt: Die Unternehmensgröße scheint bei der Entscheidung, ob man Social Media macht, keine Rolle zu spielen.

Finden und gefunden werden

Wer Städte wie New York besucht, hat es durch Netzwerke wir Tripadvisor oder Foursquare sehr leicht, gutes oder „besonderes“ Essen zu bekommen. Für uns war es zum Beispiel sehr wichtig, Restaurants zu finden, die vegane bzw. vegetarische Gerichte anboten. Eine kurze Suche mit Foursquare – schon hatten wir in der fußläufigen Umgebung mehrere Angebote zur Auswahl. Auf circa 90 Prozent der Restaurants sind auch die Aufkleber der bekannten Netzwerke zu finden, oder aber man wird aufgefordert, die Lokalität bei Zagat oder Yelp zu bewerten. In Museen ist es nicht viel anders. Viele, wie zum Beispiel das MoMA oder das Rockefeller Center, bieten zudem Apps, die die Inhalte der Ausstellungen erklären. Das Rockefeller Center hat zudem eine Augmented-Reality-App, mit der man vom Aussichtspunkt in der 70. Etage die Landmarke New Yorks visuell und mit vielen Informationen erschließen kann. Auch das Fotografieren ist im Gegensatz zu vielen Museen hierzulande in den Hauptausstellungen erlaubt (klar: zu privaten Zwecken und ohne Blitz).

If you can make it here, you can make it everywhere?

Ich habe viele weitere interessante Aspekte von oder Interessantes im Umgang mit Social Media in New York erfahren. Für die Bewohner der Stadt scheinen die sozialen Medien bereits eine Selbstverständlichkeit wie sie hierzulande längst nicht anzutreffen ist. Nahezu jeder hält immer sein Smartphone in der Hand. Vielleicht wenig verwunderlich, wenn sogar schon kleinste Nagelstudios oder einfache Wäschereien ihre Präsenz und ihren Service via Social-Media-Kanäle auf oftmals äußerst kreative Weise bewerben und die ganze Stadt ohnehin übersät ist von Plakaten mit Social-Media-Bezug. Bleibt die Frage, wann oder ob diese Welle dann auch zu uns herüberschwappt.

Meine vielen Eindrücke kann ich in diesem Beitrag leider nicht alle verbloggen, werde aber in meiner Barcamp-Session beim stARTcamp RuhrYork ausführlicher dazu berichten. Die folgenden Bilder sprechen aber sicherlich schon für sich. Viel Spaß beim Durchklicken!

By | 2015-07-16T10:23:44+00:00 12. Juni 2014|Categories: Beratung, Digitaler Wandel, Mobile, Social Media, Web, Social Web & Mobile|Tags: |

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5 Kommentare

  1. Birgit Schultz 13. Juni 2014 um 14:19 Uhr

    Rouven, vielen Dank für diesen Fundus an Best Practice Beispielen! Wird mir gute Argumente argumente liefern, denn oft genug höre ich das Mantra “ja, aber für kleine Unternehmen / unsere Branche / unsere Kunden ist das nichts!”.

  2. peter 16. Juni 2014 um 12:02 Uhr

    Hallo,

    interessanter Beitrag, wie der kleine Mann in NY Social Media anbietet.
    Ich habe mir die Twitter und Facebook Accounts der Anbieter mal angeschaut, sofern man es in deinen Bildern ablesen kann.
    Da scheint mir bei den geringen Followern dann doch das Interesse der Kunden eher gering zu sein.

  3. Kasten Rouven 16. Juni 2014 um 15:46 Uhr

    Lieber Peter, das kann in diesem Falle stimmen, es gibt aber viele Beispiele auch aus Deutschland wie das “Cafe Glück” in Duisburg, das obwohl ein Ein Mann-(Frau)unternehmen, eine starke facebook Community aufweist. Ich wollte aber auch nur verdeutlichen das Social Media für jedes Unternehmen in jeder Größe sinnvoll sein kann. Alleine die Tatsache das wir darüber sprechen zeigt es ja.

  4. Lars Hahn 1. August 2014 um 13:11 Uhr

    If you can make it there…
    Inspirativer Artikel! Das Internet ist in den USA also doch schon Standard. Ernsthaft, ich zweifle, ob sich qua Datenskepsis eine entsprechende Verbreitung in Deutschland realisieren lässt.
    Twitter sei Schwachsinn sagte mir kürzlich noch ein Kunde. Ein anderer will partout im Internet nich zu finden sein. Symptomatisch.

  5. Alexa Brandt
    Alexa Brandt 1. August 2014 um 14:02 Uhr

    Lieber Lars,
    danke für Deinen Input. Ich fürchte, Du hast ein bisschen Recht. Aber die Sache mit der Datensicherheit ist da – glaube ich – nur ein Aspekt. Das Thema “Interkulturelle Differenzen” fällt meiner Ansicht nach viel zu häufig unter den Tisch. Weshalb Konzepte/Hypes aus den USA hierzulande oftmals nicht oder ganz anders greifen. Was die Kreativbranche aber mitnichten davon abhalten sollte, andere/besser passende Konzept zu erarbeiten, statt sich auf dem Misserfolg auszuruhen.

    Dir ein schönes Wochenende,
    Alexa

    Dazu kommt mir jetzt spontan der Artikel meines Kollegen Jan-Peter zum Thema “Emoforschung” in den Kopf (https://www.result.de/digitale-emotionen-neuromarketing-und-social-media/).

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