Geplante Änderung des Arzneimittelgesetzes – Mehr Handlungsspielraum für Pharmaunternehmen im Social Web?

Was den Onlineauftritt betrifft, so unterliegt keine andere Branche derart strengen Regularien wie die Pharmabranche: Die Unternehmen müssen ihre Social-Media-Präsenzen nach den EU-Richtlinien und dem deutschen Heilmittelgesetz ausrichten – keine leichte Aufgabe. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet derzeit an einer Novelle des Arzneimittelgesetzes, die etwas Lockerung verschaffen könnte.

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete, steht nicht nur das Arzneimittelgesetz im Zentrum des Vorschlags zur Gesetzesänderung, sondern auch das Apothekengesetz, die Betriebsverordnung für Arzneimittelgroßhandelsbetriebe, das Medizinproduktgesetz und auch das Heilmittelwerbegesetz. Der Vorschlag sieht vor, dass die Arzneimittelhersteller sämtliche behördlich autorisierte Informationen über verschreibungspflichtige Arzneimittel im Internet oder auf Anforderung bereitstellen dürfen – darunter fallen beispielsweise Beipackzettel.

Bereits Anfang Mai hatte der Europäische Gerichtshof ein Urteil zur Veröffentlichung von Packungsbeilagen von Rx-Arzneimittel (verschreibungspflichtige Arzneimittel) im Internet verabschiedet. Demnach dürfen Packungsbeilagen im Internet veröffentlicht werden, solange diese nicht über die Wiedergabe der Verpackung sowie des Beipackzettels hinausgehen, und nur demjenigen zugänglich sind, der sich um sie bemüht. Diese Entscheidung wurde vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e. V. begrüßt. Im Informationszeitalter sei es aus Sicht des Verbands bloßer Formalismus, Patienten, die nach entsprechenden Informationen suchen, auf den Weg einer schriftlichen Anfrage an den pharmazeutischen Unternehmer oder gar auf die EMA-Homepage zu verweisen, schreibt die Deutsche Apotheker Zeitung.

Auch das Werbeverbot für Arzneimittel gegen Schlaflosigkeit und die Beeinflussung der Stimmungslage soll aufgehoben werden. Die Öffentlichkeitswerbung mit Gutachten, Zeugnissen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie Krankengeschichten soll zulässig sein, sofern dies nicht in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise geschieht. Als Grund für die Gesetzesänderung gibt die Regierung eine notwendige Anpassung an die europäische Rechtssprechung an.

Wird die geplante Gesetzesänderung verabschiedet, so vergrößert dies den Handlungsspielraum der Pharmaunternehmen in den Onlinemedien erheblich! Wir halten Sie über weitere Änderungen auf dem Laufenden.

Bildquelle: CC-BY Ze Clou | flickr.com

Weiterführende Links:

Arzneimittelgesetz – 50-jährige Erfolgsgeschichte

AMG-NOVELLE – BMG plant Lockerungen im Heilmittelwerberecht

AMG-NOVELLE – Werbung mit Krankengeschichten (Pdf)

By | 2011-08-22T07:30:24+00:00 22. August 2011|Categories: Allgemein|Tags: , , , , , |

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Ein Kommentar

  1. sabinehaas 31. August 2011 um 16:48 Uhr

    Es wird dennoch schwer bleiben für die Pharmaunternehmen. Aber es kann nicht sein, dass sie das Thema social web für sich komplett ausblenden. Ich glaube, es sind kreative Ideen gefragt, aber dann finden sich auch Wege..

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