»Gemeinsam sind wir stark!« – das Digitalprojekt #koelnkultur

In Köln gibt es eine Reihe von Kultureinrichtungen. Die meisten von ihnen sind digital unterwegs – oft aber mit beschränktem Budget und wenig Kapazitäten. Jede Einrichtung arbeitet und kämpft allein um Sichtbarkeit und Reichweite im Netz. Dies führte zu der Frage: Kann man gemeinsam möglicherweise mehr erreichen? Das Ergebnis dieser Diskussion ist ein spannendes Pilotprojekt für Köln, bei dem sehr deutlich wird, wie die Mechanismen eines digitalen Netzwerkes funktionieren.

Schnittmengen finden

In einem Workshop haben die Kölner Kultureinrichtungen erarbeitet, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es in ihren digitalen Kommunikationskonzepten gibt. Dabei wurde deutlich, dass die Schnittmengen die Unterschiede bei Weitem übersteigen. Für alle Kultureinrichtungen gilt:
– Zielgruppen breit gestreut, oft steht das Thema Verjüngung im Fokus
– Ziele liegen in der Steigerung der Bekanntheit, der Kulturvermittlung und dem Abbau von Berührungsängsten gegenüber kulturellen Angeboten
– Themen und Inhalte sind stark programmbezogen und unterscheiden sich daher. Es gibt aber ein Feld gemeinsamer potenzieller Themen, die eher allgemein gehalten sind und damit für alle von Interesse.

Somit wurde deutlich, dass eine Zusammenarbeit in der digitalen Kommunikation für die Kultureinrichtungen in jedem Fall möglich ist.

Vernetzung: Nutzen oder Mehrarbeit?

Der nächste Schritt war es nun, die Vor- und Nachteile einer Zusammenarbeit der Kultureinrichtungen zu beleuchten: Macht man sich Konkurrenz? Kann man sich gegenseitig stärken? Ist die Kooperation eine Mehrbelastung, die gerade die kleinen Einrichtungen nicht stemmen können?

Es wurde schnell klar, dass schon der gemeinsame Workshop einen ersten Gewinn darstellt: In der überwiegenden Zahl der Einrichtungen sind nur ein bis zwei Personen mit dem Thema Social Media und Digitaler Dialog beschäftigt. Oft nebenbei und nicht exklusiv. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten, dass die Budgets in der Kultur eher knapp seien und wenige Möglichkeiten für externe Unterstützung oder Weiterbildung bestünden. Vor diesem Hintergrund erleben sie es als großen Mehrwert, sich in ihrer Position mit den Kolleginnen und Kollegen vernetzen zu können und somit einen breiteren fachlichen Austausch zu ermöglichen.

Auch die gemeinsame Unterstützung nach außen wurde als Mehrwert erkannt: Man kann sich gegenseitig liken und teilen, man hat die Möglichkeit, Publika zu verbinden und stärker in den Dialog zu treten. Multiplikatoren und »Fan-Gruppen« bekommen mehr und breiteren Input. Zudem steigert man dadurch das Empfehlungsmarketing. Alles in allem eine klare Win-Win-Situation für alle.

Wie aber nun anfangen?

Bei der Überlegung, in welcher Form die Zusammenarbeit starten kann, um erste Erfahrungen zu sammeln, wurde ein Leitsatz vorangestellt: »Make it simple!« Es war allen Kultureinrichtungen wichtig, mit etwas loszulegen, das einfach und ohne großen Zusatzaufwand umsetzbar ist. Das erklärte Ziel: Sich gemeinsam heranzutasten an das Thema »Vernetzter Dialog« und so in kleinen Schritten erste Erfahrungen zu sammeln.

Am Anfang steht ein gemeinsamer Begriff

Unter dem Hashtag #koelnkultur wurden von den Einrichtungen zunächst vier gemeinsame Aktionen definiert, die die Startphase der Zusammenarbeit bilden. Diese Aktionen werden über das Jahr verteilt und können jeweils nach Abschluss analysiert und ausgewertet werden. Abhängig von den gemachten Erfahrungen wird dann in Phase II die Zusammenarbeit intensiviert oder weiterhin eher »lose« auf kleiner Flamme fortgeführt.

Aktion 1: #VerborgeneOrte

Die erste vernetzte Kampagne, die von den Kultureinrichtungen umgesetzt wurde, ist die Aktion »Verborgene Orte« unter gleichnamigem Hashtag. Und darum ging‘s: Jede Kultureinrichtung verfügt über Räume, Orte, Ecken, die für das Publikum unzugänglich und damit »verborgen« sind. Dort – wie etwa im Depot eines Museums – gibt es oft eben so viel zu entdecken, wie in den öffentlichen Bereichen. Für die Besucher kultureller Einrichtungen ist ein Blick in diese bislang verborgenen Orte sehr spannend, weil dadurch neue Perspektiven eröffnet werden.

In einer mehrtägigen Facebook-Aktion haben die Kultureinrichtungen im »Staffellauf-Prinzip« je einen ihrer bislang verborgenen Orte vorgestellt. Das Ergebnis sieht man ausschnittweise hier:

Die Reaktion auf diese erste Aktion war hervorragend: Die Beiträge wurden überdurchschnittlich oft angezeigt, es gab eine Reihe von Likes und Shares auf Facebook und eine große Resonanz auf Twitter. Der Aufwand für jede teilnehmende Einrichtung war überaus überschaubar, das Ergebnis für fast alle Posts weit über Durchschnitt. Alles in allem ein Erfolg.

Wie geht es weiter?

Derzeit ist die zweite spannende Aktion in Planung, die sich mit dem Thema »Vergessene Gegenstände« befassen wird. Auch hier erwarte ich eine Reihe sehenswerter Einblicke hinter die Kulissen der Kultureinrichtungen. Ich bin gespannt, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern so alles einfällt.

Schon heute steht fest, dass die Aktion #koelnkultur für das Publikum und die teilnehmenden Einrichtungen eine Bereicherung darstellt. Man wechselt durch den neu hinzugewonnenen Dialogansatz die Perspektive und schaut stärker als bisher über den Tellerrand. Der Dialog und Austausch der teilnehmenden Häuser untereinander und das durch die Vernetzung verstärkte Gespräch auf Facebook geben viele neue Anstöße für die eigene Arbeit. Der Gewinn geht dabei weit über die bloße Steigerung von Reichweiten hinaus.

Fazit

Alles in allem ist #koelnkultur ein hervorragendes Beispiel für die richtige Nutzung der digitalen Kanäle. Nicht umsonst ist die Rede vom »Netzwerken«. Viel zu oft verwenden Institutionen das Netz immer noch als »Sendekanal«, auf dem man Botschaften in die Welt schickt. #koelnkultur dagegen nutzt die digitale Kommunikation in seiner Kernfunktion: als Angebot, sich untereinander zu verknüpfen. Die Einrichtungen vernetzen sich durch ihre gemeinsamen Kampagnen aber nicht bloß untereinander, sondern auch mit verschiedenen Nutzergruppen. Dadurch entsteht beinahe automatisch Interaktion – und zwar echte.

 

Bildquellen: SK Stiftung Kultur, Kolumba Kunstmuseum, Kölner Philharmonie, Museum für Angewandte Kunst Köln, Schauspiel Köln

Von | 2017-04-11T19:05:19+00:00 11. April 2017|Kategorien: Kommunikation, Kultur|Tags: , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

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