funk – »lohnt« sich das junge Format der Öffentlich-Rechtlichen?

45 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. So viel Geld investieren die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jährlich in das seit 2016 existierende Content-Netzwerk von ARD und ZDF für junge Leute. Tatsächlich existiert »funk« nur im Netz und wird nicht mit eigenen Sendeplätzen ausgestattet. Trotzdem wird dem Angebot wenig Aufmerksamkeit geschenkt – von Nutzern wie Feuilletons. 

Grundsätzlich ist es eine nette (und überfällige) Idee, den Jüngeren unter den Mediennutzenden auch ein wenig vom Kuchen des gigantischen Rundfunkbeitrags in zielgruppengerechten Medienangeboten abzugeben, schließlich liegt das Durchschnittsalter der Zuschauenden von ARD und ZDF bei über 60 Jahren.

Doch wie erfolgreich ist die Umsetzung des neuen, »jungen« Medienangebots? Ich selbst, 25 Jahre jung, hatte bis vor wenigen Tagen noch keine Ahnung, dass das Vorhaben der Öffentlich-Rechtlichen, einen jugendlicheren Sender zu begründen, in »funk« seinen Ausdruck gefunden hat. Dabei liege ich klar in der genannten Zielgruppe des Angebots, das »Menschen zwischen 14 und 29 erreichen« will. Warum aber ist das so? Warum wurden weder ich, noch meine Bekannten, die ich danach fragte, erreicht?

Aber eins nach dem anderen und deshalb erst einmal eine kleine Übersicht über das Angebot. funk hat eine eigene Webseite, die sich optisch und funktional deutlich von den Mediatheken bei ARD und ZDF unterscheidet. Zu finden sind dort ausschließlich Videos, ohne einleitende oder erklärende Texte. Die Seite ist recht schlicht gestaltet, was nicht unbedingt zu seiner Übersichtlichkeit beiträgt. Die gezeigten Genres sind recht vielfältig. Sie reichen von journalistischen Formaten über satirische, bis hin zu fiktionalen Kurzfilmen und Serien verschiedener Art.

Alles, was auf funk zu sehen ist, findet sich auch auf anderen Plattformen, vor allem auf YouTube. Hier liegt auch der größte Kritikpunkt, der immer wieder zu lesen ist (wenn dann mal jemand über funk schreibt): man begebe sich auf diese Weise in die Hände der Onlinegiganten. funk begründet diese Strategie damit, dass man die Menschen dort erreichen möchte, wo sie ohnehin bereits sind. Das ist grundsätzlich in Ordnung, sonst würden sich vermutlich noch weniger Menschen für die Formate von funk interessieren. Zudem ist es unrealistisch, sich als modernes Medienunternehmen von sozialen Netzwerken fernzuhalten.

Was man aus meiner Sicht kritisch sehen kann, ist nicht, dass funk sich sozialer Netzwerke bedient, sondern dass es ausschließlich für diese zu produzieren scheint. Zwar »schwingt immer der öffentlich-rechtliche Auftrag mit«, doch abgesehen von der Auswahl der gezeigten Channels spürt man kaum einen Unterschied zu einem Klickmarathon auf YouTube. Die Künstlerinnen und Künstler sowie Journalistinnen und Journalisten veröffentlichen ihre Videos weiterhin auf ihren Channels (und bewerben diese, wie auf YouTube üblich, am Ende ihrer Videos). Lediglich das funk-Logo blitzt am Schluss einer jeden Folge kurz auf. Was bleibt, ist YouTube – öffentlich finanziert, in YouTube-Optik, im YouTube-Stil und auch in der dort vorherrschenden Sprache.

Sicherlich entspricht dies dem Geschmack vieler junger Menschen. Für einige Formate ist der Stil auch unerlässlich, schließlich sind bekannte YouTuber fester Bestandteil der Popkultur und sollten auch von den Vorteilen der Subventionierung profitieren dürfen (wie es durch die Filmförderungsfonds schon lange praktiziert wird). Dennoch hat die Strategie von funk einen entscheidenden Nachteil: Was man sieht ist nicht funk, sondern vielmehr YouTube – auch wenn man die Inhalte auf funk.net oder in der funk-App schaut.


Fazit

Im Ansatz ist das Vorhaben von ARD und ZDF, ein Content-Netzwerk für die junge Zielgruppe zu schaffen, begrüßenswert. Das relativ kleine Budget erlaubt es, zu experimentieren, ohne dass der »Verschwendung!«-Aufschrei zu groß ausfällt. Auch die Öffnung der redaktionellen Hoheit an die Künstler ist zu begrüßen, und einige der Formate machen (mir) Spaß zu schauen. Verbesserungswürdig ist jedoch vor allem das Selbstbewusstsein der Plattform an sich, das Design der Homepage und die Einbindung von Künstlern außerhalb der YouTube-Blase. Es bleibt daher zu hoffen, dass sich das Experiment auszahlt und den schlechten Ruf der Gebührenfinanzierung verbessern kann. Nur so kann sich funk zu einer eigenen Marke entwickeln, die sich nicht hinter seinen Videoschaffenden zu verstecken braucht – mit einer eigenen, erfolgreichen Plattform und Symbolik.

 

Nachtrag

Nach dem Verfassen dieses Textes erhielten gleich zwei Formate von funk einen Grimme Online Award. Das Experimentieren hat sich insofern bereits ausgezahlt. Neben Glückwünschen kann ich nur meine Hoffnung übermitteln, dass diese verdiente Auszeichnung funk zu dem nötigen Selbstbewusstsein und der Bekanntheit verhilft, die dem Netzwerk noch fehlt, um einen prominenten, festen Platz in der Medienlandschaft behaupten zu können.

Von |2018-09-20T15:19:44+00:0028. Juni 2018|Kategorien: Allgemein|Tags: , , , , , |

Über den Autor:

Nils Bühler
Medienwissenschaftler (B.A.). Studiert derzeit Medienkulturwissenschaft im Master an der Universität zu Köln. Seine Studienschwerpunkte sind Game Studies, Medientheorie und die soziale Wirkung von Medien.

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