Is Facebook boring? – Nicht in Hamburg!

Den Kontakt mit alten Schulfreunden halten, sich mit Gleichgesinnten austauschen, die Unternehmensseite betreuen, Serviceangebote zur Verfügung stellen, Werbung schalten, Chatten und beobachten – die Möglichkeiten im größten sozialen Netzwerk sind vielfältig. Und schließlich war es auch der Name „Facebook“, der am vergangenen Wochenende die 150 Teilnehmer des Facebook-Camps (fbcamp) – dem Barcamp rund um Facebook – nach Hamburg lockte.

Bildquelle (CC BY 2.0) by fbcampDE | flickr.com


Wenn Sie sich jetzt fragen: „Was ist eigentlich ein Barcamp?”, dann kann ich Ihnen diesen Beitrag von Jürgen Ertelt und auch diese t3n-Kolumne empfehlen. Alle anderen können nahtlos weiterlesen.

Thematisch war bei diesem Barcamp für jeden etwas dabei: für den Community-Manager, den Marketingverantwortlichen, den Texter, den Coder und den Entwickler – sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Wer sich über diesen Beitrag hinaus einen Eindruck verschaffen will und erfahren möchte, womit sich die Teilnehmer thematisch beschäftigt haben, hat an dieser Stelle Zugriff auf den Sessionplan der Veranstaltung.

Globale und lokale Fanseiten

In einer der ersten Sessions beschäftigte sich Philipp Roth von AllFacebook.de mit globalen und lokalen Fanseiten auf Facebook. Am Ende stand wieder die beliebte und oft gehörte Antwort: „Man muss abwägen, und es kommt drauf an.“ Während lokale Seiten im Zweifel schneller auf regionale Ereignisse reagieren können und die Betreuung leichter zu organisieren ist, sind globale Fanseiten in der Umsetzung günstiger, können auf ein breites Themenangebot zurückgreifen und werden von den Nutzern eher wahrgenommen. Zudem muss man wissen, dass Unternehmen wie Disney mit den globalen Seiten durchaus die Möglichkeit haben, Inhalte nur für ausgewählte Länder sichtbar zu machen. Tools wie Wildfire, Conversocial und Buddy Media können Community-Managern dabei eine Menge Arbeit abnehmen.

Is Facebook boring? Zurück in die Nische

„Facebook is boring, what’s next?” lautet der Titel einer weiteren unterhaltsamen Session, in der wir uns mit der Frage beschäftigten, in welche Richtung sich das Social Web weiterentwickeln wird. Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass sich viele Nutzer vor allem eines wünschen: eine stärkere Vernetzung der Dienste. Schickt man einen Tweet ab, so möchte man sich als Nutzer keine Gedanken darüber machen, welche Freunde oder Bekannte man mit dieser Nachricht nicht erreicht hat, und über welches andere soziale Netzwerk die Nachricht ebenfalls gestreut werden sollte. Das ist wahrlich nicht ganz einfach. Die einen sind bei Facebook, der andere auf Google+, der nächste nicht auf Xing und wieder ein anderer nicht auf Twitter anzutreffen.

Und noch eine Überlegung sorgte für Diskussionen: Zurzeit sind rund 900 Millionen Menschen auf Facebook unterwegs. Damit hat sich das Unternehmen weit an die Spitze der sozialen Netzwerke gesetzt, und ein Ende dieser Entwicklung ist im Moment nicht abzusehen. Doch was kommt als Nächstes? Viele Sessionteilnehmer waren der Meinung, das Social Web werde sich wieder mehr in die Nische verlagern – weg von einem großen Netzwerk, hin zu vielen kleinen, die jedes für sich in anderen Bereichen eingesetzt würden: Fotos auf Instagram oder Pinterest, Chatten über WhatsApp, Pflege des beruflichen Netzwerkes über Xing, Fernsehen über Social-TV-Apps usw. Eine interessante Annahme, die deutlich mit den Interessen von Marc Zuckerberg kollidieren dürfte, der dabei ist, ein Netzwerk aufzubauen, das den Nutzer durch den kompletten Tag begleitet und alles andere obsolet macht.

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In einer weiteren Session referierten Patrick Schneider, einer von drei Social-Media-Managern des SWR, und Stefanie Assmann, ehemals Vico Research jetzt bei den elbkindern, über den noch sehr jungen Social-TV-Bereich.

Jedem Zuschauer sind die Bauchbinden aus dem Fernsehprogramm bekannt. Doch nur wenigen ist bewusst, dass es kein Kinderspiel ist, die Bauchbinden live mit Tweets zu befüllen. Patrick Schneider stellte in der Session ein Tool vor, das es möglich macht: SoViET. Über ein Backend können Beiträge aus dem Social Web ausgewählt, in Listen einsortiert, auf beispielsweise das iPad des Moderators gespielt und durch Schnittstellen zum Fernsehsignal im Livestream eingeblendet werden. Dieses Tool ist unter anderem beim 1LIVE Kandidatencheck und bei der Rundshow im Einsatz. Mass Relevance ist ein vergleichbares Tool, was derzeit in den USA zum Einsatz kommt.

Im Anschluss stellte Stefanie Assmann die Social-TV-App Couchfunk, die eigens von ProSieben produzierte GNTM App, das Social-TV-Format „Die letzte Spur“ und die Check-in-Apps Miso und GetGlue vor.

Am Ende blieb nur noch eine Frage: Was wünschen sich eigentlich die Zuschauer? Im Rahmen der Diskussion ergab sich folgende Antwort: Die Zuschauer möchten integriert werden und interagieren können. Allerdings sollte die Interaktion mit dem jeweiligen Format auch Einfluss auf die jeweilige Sendung haben – beispielsweise den Handlungsverlauf ändern, die Fragen in einer Talkshow direkt an den Gast gerichtet werden etc. Diese Art der Interaktion, das betonte Patrick Schneider am Ende, sei nur im Livebetrieb möglich.

Eine Frage bleibt am Ende unbeantwortet: Können Social-TV-Formate wie zum Beispiel die ZDF-Krimiserie „Die letzte Spur“ beide Zielgruppen zugleich zufriedenstellen – die Digital Natives durch die Erweiterung auf den Second Screen und ebenso die „klassischen Fernsehzuschauer“? Es ist ein Drahtseilakt.

Ein gelungenes Barcamp


Mein Kompliment geht an die Veranstalter! In diesen zwei Tagen wurde allen Teilnehmern eine Menge geboten: interessante und abwechslungsreiche Vorträge auf hohem Niveau, viel Zeit, um sich mit anderen Barcampern auszutauschen, ein nettes Ambiente und die Aussicht, dass es im nächsten Jahr gewiss wieder ein fbcamp geben wird. Ich komme gerne wieder!

By | 2012-04-30T15:38:50+00:00 30. April 2012|Categories: Social Media, Veranstaltungen|Tags: , , , , , |

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2 Kommentare

  1. […] Hier geht’s zum kompletten Beitrag, den ich im neolog-Blog veröffentlicht habe. […]

  2. […] erinnere mich an eine Session von Patrick Schneider, Social-Media-Manager beim SWR, auf dem Fbcamp in Hamburg, der von seinen Erfahrungen mit dem TV-Format „Die letzte Spur“ schilderte. Ihm sei das […]

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