Facebook feiert mit »Facebook Stories« Geschichten – und vor allem sich selbst

Zugegeben, Geschichten kann ich auf Facebook zuhauf lesen. Jeden Tag versorgen mich Freunde, Bekannte und Abonnements mit Dutzenden mehr oder weniger interessanten Mini-Stories. Auch Stories über Facebook gibt es im Netz wie Sand am Meer. Meist sind diese jedoch eher negativ behaftet und handeln beispielsweise vom verpatzen Börsengang oder von der Kritik am Datenschutz. Nun hat es sich allerdings Facebook selbst zur Aufgabe gemacht, den Fokus der Öffentlichkeit endlich einmal auf die erfreulichen und schönen Nachrichten zu lenken.

(Bildquelle: (CC BY-ND 2.0) NCinDC| flickr.com)

Nachdem Twitter bereits Ende letzten Jahres mit „Twitter Stories“ an den Start ging, zieht nun Facebook nach und präsentiert seinerseits die neue Webseite „Facebook Stories“. Nicht nur vom Namen her ähneln sich beide Seiten, auch inhaltlich unterscheiden sich die beiden Dienste kaum voneinander. So handelt es sich bei Facebook Stories ebenfalls um eine Microsite, auf der außergewöhnliche Geschichten von Privatpersonen veröffentlich werden, die ohne das soziale Netzwerk vermutlich so nie passiert wären. Hierzu gibt Facebook jeden Monat ein neues Thema vor, zu welchem die Userschaft aufgerufen wird, eigene Facebook-Geschichten einzusenden. Für den laufenden Monat August lautet die Themenvorgabe „Remembering“ („Ich erinnere mich …“). Passend hierzu zeigt Facebook als illustres Beispiel die Geschichte des 29-jährigen Inders Mayank Sharma, der aufgrund einer Hirnhautentzündung über Nacht sein Gedächtnis verlor. Dank Facebook respektive der Facebook-Funktion „Personen, die du vielleicht kennst“ und zahllosen Rückmeldungen von Freunden und Bekannten konnte er zwar seine Erinnerung nicht wiedererlangen, sein bisheriges Leben aber immerhin weitestgehend rekonstruieren. Klingt leicht pathetisch, soll es auch sein.

Emotionale Geschichten fesseln den User nun mal mehr als schnöde Statusmeldungen. Wenn diese Geschichten noch mit Bildern und Videos unterstützt werden, steigt gleichzeitig auch der Unterhaltungswert. Um den Nutzer zu einer längeren Verweildauer einzuladen, ist es nur logisch, dass Facebook zu den einzelnen Stories auch eigene weiterführende Informationen – in Form von Literatur, Musik oder Podcasts – anbietet. Facebook stellt sich mit „Facebook Stories“ in der Gesamtheit also noch breiter auf. Ein weiterer Versuch des sozialen Netzwerkes, dem von manchen Experten prognostizierten Nutzungsrückgang entgegenzuwirken?

Facebook-Pressesprecher Tucker Bounds beschrieb kürzlich in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC den Grundgedanken von „Facebook Stories“ mit folgenden Worten:

“We wanted to create a place where we could celebrate great stories.”
Auf mich macht „Facebook Stories” jedoch zunächst einmal den Eindruck, als wollten Mark Zuckerberg und Co. sich mit diesem Dienst ein wenig selbst feiern. Mithilfe von emotionalen Nutzergeschichten soll das teilweise lädierte Image des Unternehmens aufpoliert werden. Gleichzeitig könnten die hier veröffentlichten Geschichten dazu dienen, die User stärker an die Marke „Facebook“ zu binden.

Wer nichtsdestotrotz seine ganz persönliche Facebook Story mit der Welt teilen möchte, kann diese über eine eigene Anwendung einreichen. Neben dem reinen Text können auch gleich die zur Geschichte zugehörigen Fotos und Videos hochgeladen werden. Am Ende entscheidet jedoch ausschließlich Facebook darüber, welche Story veröffentlicht wird. Aber ganz egal, wie die Geschichte am Ende aussieht: Eine kleine Portion Pathos sollte darin in jedem Fall enthalten sein.

By | 2015-07-16T13:48:27+00:00 27. August 2012|Categories: Allgemein, Social Media|Tags: |

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