Ethnografische Interviews und Webforschung: eine verheißungsvolle Verbindung

Derzeit wird viel über „Big Data“ gesprochen − ganz zu Recht, wie ich finde. Denn das Web liefert im Sekundentakt unüberschaubar große Datenmengen, und genauso rasant wachsen auch die Möglichkeiten zur Analyse derselbigen.

(Bildquelle: (CC BY-ND 2.0) °Simo°| flickr.com)

Gerade in Zeiten von Social Media wird das Web zu einem Datenschatz, der seinesgleichen sucht. So ist das Netz zum Beispiel eine wunderbare Quelle hinsichtlich der Nutzungsgewohnheiten und Interessen der User.

Vieles von dem, was aus dem Netz gezogen werden kann, wird künftig enorme Erkenntnisqualität liefern und einen Teil der klassischen Marktforschung ersetzen können. Aber eben nur einen Teil. Es gibt durchaus Fragen, die nur dann sinnvoll sind, wenn man den virtuellen Wahrheiten der User bewusst den Rücken kehrt und seine Aufmerksamkeit wieder den realen Menschen zuwendet. So groß die Datenmenge, die das Web für uns Forscher bereithält, auch sein mag, in vielen Fällen ist sie bereits vorgefiltert und zum Teil äußerst selektiv. Denn: Gerade im Bereich Social Media geben Nutzer vornehmlich nur Daten preis, die in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild von ihnen vermitteln. Wenn Nutzer also in eine virtuell konstruierte Persönlichkeit schlüpfen, stellt sich die Frage: Wie authentisch sind die gewonnenen Daten überhaupt?

Gerade qualitative Methoden wie ethnografische Interviews eignen sich hervorragend, um diese Problematik zu umgehen. Mit ihrer Hilfe haben wir in vergangenen Studien eine Menge gelernt über virtuelle und reale Persönlichkeiten, über Nutzungsmotive und Bewertungen von Plattformen, über Einstellungen und Verhaltensweisen.

Über die gemeinsame Exploration der realen Nutzer und ihre virtuellen Identitäten erfährt man eine Menge über Wirkungsprozesse beider Seiten. Und es wird deutlich, dass es zum Verständnis vieler psychologischer Einsichten unabdingbar ist, den Menschen von seinem Internet-„Ich“ zunächst zu trennen und offline zu befragen, um sein Online-„Ego“ besser verstehen zu können.

Über den Autor:

Sabine Haas

Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema „Digitaler Wandel/Medienwandel“.

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