Die Plattform elinor setzt sich zum Ziel, »neue Formen der sozialen Absicherung« zu entwickeln und anzubieten. Die Seite gibt über die Funktionsweise ihres derzeitigen Angebots sehr transparent Auskunft: Interessierte können Gruppen gründen oder beitreten, die durch einen gemeinsamen Fonds einen Gegenstand absichern. Die drei auf der Webseite auffindbaren Gruppen haben sich der Sicherung von Fahrrädern, Krankheitsausfällen von Selbstständigen und Tierarztkosten für Hunde verschrieben. Es lassen sich Gruppengröße, die Höhe des Absicherungsbetrags und der Absicherungsvertrag einsehen. Die Gruppen legen fest, wie hoch und in welchem Abstand Beiträge gezahlt werden.

Im Unterschied zu »normalen« Versicherungen sind die Gruppen der Plattform Peer-to-Peer-Absicherungen, die nicht zentral verwaltet werden, sondern eben in Gruppen gemeinschaftlich erstellt, per Abstimmung geregelt und lediglich durch das gemeinsam gesammelte Vermögen abgesichert werden. Es sollen so die oft eher am Gewinn und nicht am Gemeinwohl orientierten Versicherungskonzerne umgangen werden. Rechtssicherheit gibt es keine, Auszahlungen werden auf Anfrage der geschädigten Person von den Mitgliedern zugelassen oder abgelehnt.

Das Konzept ist an sich nicht neu, schließlich gibt es schon lange Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG), die grundlegend das gleiche Prinzip fahren. Das Projekt elinor verbindet jedoch Vernetzungsmöglichkeiten der Digitalisierung mit diesem ursprünglich idealistischen Solidaritätsmodell und ist damit sehr ambitioniert. Es verspricht, Lücken in der Versicherungswelt zu füllen, sowohl was den versicherten Gegenstand betrifft als auch was Frust und gebrochenes Vertrauen in Versicherungskonzerne angeht. Fraglich ist sicherlich, inwiefern sich elinor als Konzept verbreiten kann. Wie viele können das notwendige Vertrauen auf eine rechtlich ungebundene Solidargemeinschaft aufbringen? Bisher glänzt elinor auch dadurch, dass man nur wenig Nachweise führen muss und die Abstimmung über Zusendung von Geldern zeitlich sehr schnell erfolgen muss – hier unterscheidet es sich sicher auch von den großen VVaGs. Kann dieses unbürokratische Konzept halten, wenn die Gruppen eine gewisse Größe überschritten haben?

Egal wie es ausgeht: elinor ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Digitalisierung fern von Kommerz entwickeln kann und wie Zukunftskonzepte durch die Kombination von neuer Technologie mit alten Konzepten entstehen können. Es ist auf jeden Fall zu wünschen, dass Projekte dieser Art unbürokratischer, fortschrittlicher Solidarität kräftigen Aufwind geben.