Ein Zelt im Vorgarten der Kunden – eine Bleibe auf Dauer?

Immer wieder liest man den Vergleich, dass eine Facebook-Seite in etwa so sei, als würde man als Unternehmen ein Zelt im Garten seiner Kunden aufschlagen. Ich finde diesen Vergleich sehr, sehr schön, um die Motive und Vorteile ins Bild zu setzen: Man schlägt sein Zelt in der Nähe auf. Der Kunde hat es nicht weit zu „seinem“ Unternehmen. Er kann jederzeit Fragen in den Garten rufen und bekommt mit, was die Jungs und Mädels bei Nutella, Nike oder der Telekom gerade so treiben …

Umgekehrt passt dieser Vergleich aber auch, um die Skepsis vieler „Social-Media-Verweigerer“ nachzuvollziehen. Nicht jeder möchte, dass seine Dienstleister seinen Vorgarten bevölkern. Der eigene Garten ist für alle „tabu“, die nicht zu den echten Freunden gehören. Und als Unternehmen will ich auch nicht, dass meine Kunden mich ständig und jederzeit „anquatschen“ können. Schließlich produziere ich etwas und muss mich darauf konzentrieren.

(Bildquelle: http://www.henningschuerig.de)

Inzwischen stoße ich aber in der Beratung von Kunden neben diesen zwei konträren Positionen oftmals auf einen dritten Aspekt, den alle viel stärker im Zusammenhang mit Social Media diskutieren sollten: Was ist eigentlich langfristig zu erwarten?

Zwar wird immer wieder gesagt, dass der Auftritt eines Unternehmens auf Facebook in der Regel nicht kurzfristig gedacht werden kann und man sich dauerhaft auf diesen Dialog einstellen muss. Aber wie der Dialog dauerhaft aussehen kann und welche Konzepte dafür langfristig wirken können, ist damit nicht beschrieben. Und auch hier hilft das Bild der aufgeschlagenen Zelte: Sie sind eine Übergangsbehausung, sie stehen in der Regel nicht auf Dauer. Das heißt, dort, wo ich zunächst mein Zelt aufschlage, möchte ich später vielleicht einmal bauen, und zwar richtig, Stein auf Stein. Aber was sagt der Kunde, wenn die Unternehmen nicht nur Zelte, sondern Häuser in seinem Garten aufstellen?

Für mich macht dieser Vergleich drei wesentliche Aspekte von Facebook deutlich:

  1. Viele Unternehmensauftritte wurden viel zu schnell und zu lapidar auf Facebook gestartet. Man sieht ihnen ihren Zeltcharakter an, und es wird bei einigen davon Zeit, die Wände zu stabilisieren, um dauerhaft etwas zu erreichen.
  2. Der Aufwand für eine Präsenz im Social Web wird nicht geringer, ganz im Gegenteil, er steigt mit der Zeit sogar linear an. Es wird nicht bei dem Zelt im Garten bleiben können, einiges Weitere wird dazu kommen müssen, um etwas Stabiles auf Dauer zu erschaffen.
  3. Die Architektur, die man dem Kunden in den Garten setzt, muss äußerst intelligent und chic sein, sonst wird er sie dort nicht akzeptieren. Und davon sind derzeitige Angebote oft noch weit entfernt.

Insgesamt halte ich das „Zelt im Garten“ für eine Art Leitlinie in Sachen Facebook. Jeder, der zu diesem Thema berät, sollte dieses Bild im Kopf haben. Denn es hilft, Nutzen zu verstehen, Bedenken ernst zu nehmen und ergebnisoffen zu bleiben. Und: Es schützt somit hoffentlich auch vor Sätzen, die mit „Jedes Unternehmen muss immer“ beginnen.

By | 2011-04-26T09:34:01+00:00 26. April 2011|Categories: Allgemein|Tags: , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

Ein Kommentar

  1. […] ist für Unternehmen ein attraktives Medium. Da sind sich inzwischen viele einig. Man kann dort „im Vorgarten des Kunden“ sichtbar sein, direkt mit Kunden kommunizieren und sein Unternehmen in ein sympathisches Licht […]

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