„Ein ‚Nein’ zur Verzweiflung“

Wie gut kennen Sie eigentlich Ihre Nachbarn? Wissen Sie, wer im Haus neben Ihnen, gegenüber, ein Stockwerk höher wohnt?  Eine Frage, die auch wir uns von Zeit zu Zeit stellen – vor allem dann, wenn wir feststellen, dass es gute Gründe gäbe, sich besser zu kennen. So wie bei fips e.V. einem Verein gleich nebenan, der kranke und behinderte Kinder sowie ihre Familien unterstützt, ob beratend oder aktiv, in der Krankenpflege, der Haushalts- oder Familienhilfe und vor allem als Begleiter sterbender Kinder und ihrer Angehörigen. Für dieses herausragende Engagement, mit dem der Verein seit mehr als 16 Jahren Kölner Familien hilft, wurde er in diesem Jahr von der Bethe-Stiftung als besonders förderungswürdig ausgezeichnet. Damit verbunden: eine Spendenverdoppelungsaktion, die das Stifterehepaar Roswitha und Erich Bethe aus ihrem privaten Vermögen zur Verfügung stellt: Jeder Cent, der bis zum 28. Februar 2011 mit dem Kennwort „Einmal spenden – Doppelt helfen!“ bei fips eingeht, wird durch die Stiftung verdoppelt. Eine Idee, die wir so toll fanden, dass wir uns kurzerhand entschlossen haben, mitzumachen, so vielen Menschen wie möglich davon zu erzählen und – gerade jetzt, zur Weihnachtszeit – zum Spenden aufzurufen. Und damit Sie auch wissen, was genau mit diesen Spenden passiert, haben wir mit Vereinsgründer Dietmar Töneböhn gesprochen – und ihm drei Fragen zu fips gestellt.

Herr Töneböhn, seit 1994 unterstützen Sie mit Ihrem Verein kranke und behinderte Kinder und ihre Familien. Wie ist dieses Projekt entstanden, was hat Sie dazu motiviert?

Dietmar Töneböhn: Das Projekt ist entstanden durch den Zusammenschluss von Pädagoginnen und Kinderkrankenschwestern mit Unterstützung von betroffenen Eltern von behinderten und kranken Kindern. Wir waren uns einig, dass es möglich sein muss, dass auch kranke und behinderte Kinder zu Hause versorgt werden können und somit nicht immer wieder im Krankenhaus verweilen müssen. Dies ist oft das Schicksal dieser Kinder und ihrer Familien. Gleichzeitig waren wir uns einig, dass Eltern, die ihre kranken und behinderten Kinder zu Hause betreuen wollen, nicht an der sehr großen Belastung scheitern dürfen, das heißt, dass sie Unterstützung, sowohl pflegerisch als auch pädagogisch, bekommen sollen, denn sie müssen für diese besonderen Kinder noch viel mehr da sein als sonst die Eltern für ihre Kinder, sie müssen ihnen zärtliche Fürsorge und medizinisch-pflegerische Betreuung, oft rund um die Uhr, zukommen lassen, viele Förder- und Arzttermine mit ihnen wahrnehmen, sie in ihren oft kleinen Entwicklungsschritten mit viel Aufwand unterstützen und natürlich auch die Trauer um eine bei der Familienplanung anders geglaubte Zukunft verarbeiten. Bei unserer Gründung waren wir uns sicher, dass wir zusammen Lösungsmöglichkeiten entwickeln können, damit die Belastung nicht zu groß wird und auch Freude und alternative Lebensplanungen und -möglichkeiten Platz finden können. Ich denke, wir haben bis heute davon vieles erreicht und es ist eine spannende Aufgabe, jeden Tag aufs Neue.

Sparmaßnahmen im sozialen Bereich sind auch in Köln an der Tagesordnung, und eigentlich übernimmt fips e.V. Aufgaben, die mancher von der Stadt erwartet. Ist das nicht frustrierend?

Dietmar Töneböhn: Dies ist sicherlich frustrierend. Doch haben wir zum Beispiel damals den Affen fips für unser Logo und als unser „Markenzeichen“ gewählt, denn der fips will sich nicht so leicht frustrieren lassen, er ist eigensinnig und neugierig, wenn etwas auf den ersten Blick nicht geht, dann schaut er zwei-, dreimal hin und zwar so lange, bis sich doch Möglichkeiten zeigen. Diese Kreativität und solch ein „Nein“ zur Verzweiflung wollen auch wir leben – wir möchten weiter mit der Stadt Köln zusammenarbeiten, wir werden weiter kritisieren, wir werden weiter Unterstützung für diese Kinder und ihre Familien einfordern und wir werden aber auch weiter Lösungsmöglichkeiten für diese Kinder entwickeln und versuchen, andere Menschen und Unternehmen für die Mit-Hilfe zu gewinnen. Und wir machen die Erfahrung, dass dies gelingt und sehr viele Menschen und Unternehmen uns und damit die Kinder und ihre Familien unterstützen. Dies darf niemals Staats- oder Stadtaufgaben ersetzen, beileibe nicht, aber wir sind überzeugt davon, dass es möglich ist, dass Aufgaben, die die Stadt nicht, nicht mehr oder nur begrenzt wahrnehmen kann, mit Solidarität und Verbundenheit zwischen den verschiedensten Menschen und Unternehmen im Interesse der kranken und behinderten angegangen und umgesetzt werden können. Dies kann sogar Spaß machen und uns Menschen unsere Kreativität zeigen und die große Frustration vermeiden – und sicher ermuntert es auch die Stadt, mit ihren begrenzten Mitteln in solch einem kreativen Zusammenschluss mitzuwirken. Diese positive Erfahrung des gemeinsamen Herangehens an die Probleme ist sehr mächtig, dagegen hat der Frust, auch wenn er es immer wieder probiert, letztendlich keine Chance.

Sie haben mit Ihrem Verein schon einiges erreicht und oft auch prominente Unterstützung bekommen. Dennoch: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dietmar Töneböhn: Als erste wünschen wir uns für die Kinder und ihre Familien, dass sie trotz ihrer wirklich harten Schicksalsschläge Unterstützung in ihrer täglichen Belastung erhalten und es auch ihnen damit gelingen kann, positiv in die Zukunft zu schauen und nicht unter den Krisen und Schwierigkeiten zusammenzubrechen. Wir wünschen uns darüber hinaus, dass Menschen und Unternehmen, die mithelfen und Unterstützung geben, sich freuen und spüren, dass sie auch etwas tun können, das ihre Hilfe ankommt und dass wir alle nicht tatenlos zuschauen und uns den Verhältnissen ergeben müssen. Wir wünschen uns Freunde für den fips und für die Kinder, Freunde, die auch längerfristig da sind und mithelfen, dazu braucht man nicht prominent sein, da kann man auch nur kleine Möglichkeiten haben, da zählt auch das Kleine, das zusammen ein ganz Großes werden kann, wir wünschen uns eine fips-Gemeinschaft, die stolz auf ihr Schaffen ist und die sich selbst und allen anderen sagen kann: „Es lohnt sich“. Wissen Sie, ich komme aus einem kleinen Dorf und da sagte man immer: „Geld hat keine Seele“. Wir alle zusammen können dem Geld eine Seele geben.

By | 2010-12-08T11:48:44+00:00 8. Dezember 2010|Categories: Allgemein|Tags: , , |

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