Dritte Research plus in Köln – Die Mischung macht’s

Gestern Abend in der wohngemeinschaft: Um 18 Uhr öffneten sich die Türen zur dritten Research plus in Köln. Als um kurz nach 19 Uhr die Impulsvorträge starteten, waren die Reihen wieder gut gefüllt, auch wenn – im Vergleich zu den letzten beiden Veranstaltungen – noch ein paar freie Plätze zu finden waren.

Die Themen der Impulsvorträge waren wieder bunt gemischt. Den Anfang machte Georg Berger von MANUFACTS, der das klassische Laborexperiment in die Online-Forschung einlud und feststellte, dass der Versuch, Online-Panelisten mit dem Zählen von Einsen zu frustrieren, auf bemerkenswerte Weise scheiterte. Statt Frust stellte sich Spaß ein. Ein weiteres wichtiges Learning: Die Höhe und Dynamik des Incentives hatte keinen Einfluss auf die Motivation der Teilnehmer. Allerdings wurde hier bei den Incentives auch insgesamt recht hoch gegriffen.

Ethnographische Forschung in der Online-Welt

Ein weiterer klassischer Forschungsbereich hielt im zweiten Vortrag Einzug in die Online-Welt: die Ethnographische Forschung. Tanja Wulfert von ISM Global Dynamics nahm das Publikum auf unterhaltsame Weise mit in die Badezimmer von Männern. Statt ein klassisches ethnographisches Interview bei den Männern zuhause durchzuführen, wurden die Teilnehmer der Studie eine Woche in eine Community eingeladen und zwischendurch per Webcam befragt. Abgesehen von dem Ergebnis, dass junge Männer mittlerweile den Frauen als Styling Junkies fast den Rang streitig machen, konnte gezeigt werden, welche Fülle an Insights in Form von Bildern, Videos und Diskussionsbeiträgen innerhalb der Community generiert werden können.

Auch wenn die klassische Herangehensweise immer noch einige Vorteile hat, zum Beispiel weil der Forscher selbst vor Ort ist oder bestimmte Zielgruppen online kaum erreicht werden können, so hat dieser Vortrag gezeigt, dass auch der Mut zur Innovation, der Schritt in die digitale Welt, bereichernd, erkenntnisreich und in diesem Fall auch amüsant sein kann.

Spannungsfeld »Social Media – Datenschutz«

Nach unterhaltsamen Videos vom ausgedehnten Frisieren und euphorischen Liebesbekundungen an karierte Hemden kam der dritte Vortrag weniger kurzweilig als informativ daher. Jan Krömer von infospeed nährte sich dem aktuell diskutierten Spannungsfeld »Social Media – Datenschutz«: Was darf ich eigentlich beim Social Media Montoring erheben und was nicht? Die Rechtsgrundlage – das Bundesdatenschutzgesetz – ist an dieser Stelle wie immer eindeutig uneindeutig und offen für Interpretation. Parallel wird momentan ein Richtlinienentwurf für den Umgang mit Daten aus den Sozialen Medien diskutiert, der zu einer brancheninternen Selbstregulierung führen kann und soll.

Die Brisanz des Themas liegt jedoch weniger darin, wie und dass wir uns als Branche selbst regulieren, als dass Social Media Monitoring nicht in der Hauptsache von Marktforschern betrieben wird. Die Frage ist also: Wer reguliert die »anderen«?

Digitaler Wandel und ein verändertes Konversationsmodell

Ein beispielhaftes Studiendesign

Den vierten Beitrag zur gestrigen Research plus leistete unser Institut selbst: Sabine Haas konfrontierte das Publikum mit der These, dass wir es dank des digitalen Wandels mit einem veränderten Konversationsmodell zu tun haben, das keine monologische Kette von Produktentwicklung – Marktforschung – Marketing – Marktforschung – Kunde mehr zulässt. Stattdessen wird Kundendialog immer interaktiver, er wird provoziert und ist allgegenwärtig. Die Folge: 365 Tage im Jahr muss gehandelt und auf die laufende Kommunikation reagiert werden. Mit diesem Phänomen muss sich auch die Marktforschung auseinandersetzen, sich neu positionieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Als möglichen Ansatz postuliert Sabine Haas die Konzeption und Durchführung von hybriden Projekten. Mehr zu diesem Thema in Kürze auf unserem Blog.

In gewohnt und betont lockerer Atmosphäre wurde im Anschluss an die Vorträge wieder nach Lust und Laune Networking betrieben, sich ausgetauscht und diskutiert.

Wie immer schön und immer wieder gerne.

Wir waren auch schon vergangenes Jahr bei der zweiten Research plus.

[Bildrechte (links oben und Startseite): marktforschung.de]

Der Vortrag von Sabine Haas:

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