Digitaler Wandel New York Style

Anfang März flog ich für sechs Tage nach New York. Ich gebe zu: eine knappe Woche ist kaum ausreichend, um diese Weltstadt in ihrer ganzen Fülle zu erleben, dennoch war es ein überwältigender Kurztrip, bei dem ich viele neue Eindrücke gewinnen konnte. Was mir dort ganz besonders auffiel: Überall prangen die Logos der großen sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram und sind im Stadtbild und Alltag viel präsenter als es bisher in deutschen Großstädten der Fall ist. 

„Follow us on Twitter“

Eines der vielen Highlights meines Kurztrips war ein Besuch im Madison Square Garden  „The worlds most famous arena“, wie es sich selbst vermarktet. Knapp drei Stunden konnte ich mit Spannung das Eishockey-Match der Lokalmatadoren New York Rangers gegen die Detroit Red Wings verfolgen. Auf einem überdimensionalen HD-Videowürfel wird neben Einspielern von Zuschauern und Spielern regelmäßig dazu aufgefordert, zu „posten“ was das Zeug hält – und das sehr erfolgreich. Emotionen und Eindrücke rund um das Spielgeschehen werden mit Hashtags versehen, via Twitter und Facebook mit der Community geteilt und auf die 360-Grad-Multimedia-Leinwand übertragen. Nicht zuletzt der Super Bowl hat uns ja bereits eindrucksvoll gezeigt, dass die Amerikaner nicht nur Profis im Sport, sondern auch im „Twittern“ sind. Über 25 Millionen Tweets wurden über das Sportgroßereignis abgesetzt.

Die großen Netzwerk-Riesen Facebook, Twitter und Google+ finden allesamt ihren Ursprung in den USA und sind dort demnach natürlich schon länger am Markt etabliert. Auf Speisekarten, Anzeigetafeln oder Schaufenstern prangen wie selbstverständlich die Logos der Netzwerke. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Amerikaner fast schon im Schlaf mit diesen Kanälen umzugehen wissen. Mir fiel auf, dass der amerikanische User schneller geneigt scheinen, eigene Meinungen, Bilder oder Videos in sozialen Netzwerken zu teilen. Für sie ist es irgendwie selbstverständlicher, neue Dinge auszuprobieren und Persönliches preiszugeben. Das mag daran liegen, dass die Themen Privatsphäre und Datenschutz einen anderen Stellenwert haben als es hierzulande der Fall ist – wir betrachten diese Themen mit einem wesentlich kritischeren Auge. In Amerika spricht man auch nicht (überspitzt gesagt) von sozialen Plattformen mit Suchtfaktor, sondern von Chancen der Selbstverwirklichung und des digitalen Dialogs.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Nutzung bzw. der Einsatz sozialer Medien in den USA nicht nur einen unverzichtbaren Bestandteil des Marketingmix in den verschiedensten Bereichen darstellt, sondern schlichtweg Normalität ist. Damit verfolgen die Amerikaner einen ganzheitlichen Ansatz: Sie leben Social Media. Viel haben sich deutsche Unternehmen abgeguckt, sogar ganze Strategien übernommen, doch haben wir lange nicht die digitale Denkweise der Amerikaner. Auch wenn Twitter hierzulande sehr beliebt ist und auch zumindest „gefühlt“ aktiv genutzt wird, belegen die Deutschen in der Statistik bei der Nutzung im internationalen Vergleich einen hinteren Rang.

Auffallend ist weiterhin, dass egal ob auf der Straße, bei Starbucks oder an Subway-Stationen, nahezu überall gibt es Zugang zu freien und kostenlosen WLAN-Hotspots. Mit wenigen Klicks kann man sich in ein Netzwerk einwählen, die Geschäftsbedingungen bestätigen und in Rekordgeschwindigkeit mit dem Surfen beginnen – ein Thema, mit dem die Deutschen ebenfalls etwas behäbiger umgehen. Google tüftelt in Kalifornien derzeit an einer WiFi-App, die das lästige Einloggen in Zukunft unnötig machen soll, indem sie sich automatisch in die frei verfügbaren Hotspots einwählt. Das heißt: nahezu flächendeckendes WLAN ohne auch nur einen Finger zu rühren  (allen Sicherheitsbedenken zum Trotz) irgendwie traumhaft, oder?

Ob nun also der Taxifahrer, der mit dem iPad zum gewünschten Ziel navigiert, oder Werbebanner, die lediglich mit einem Hashtag auskommen: Die New Yorker scheinen uns bei der Akzeptanz des digitalen Wandels in vielen Dingen einen Schritt voraus zu sein und das Potenzial der digitalen Vernetzung und die vielfältigen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke weitaus umfassender zu nutzen.

(Bild zum Beitrag auf Startseite auf www.result.de (cropped): flickr Jason Eppink  (CC BY 2.0))

Von | 2015-07-16T10:25:40+00:00 27. Mai 2014|Kategorien: Allgemein, Digitaler Wandel, Social Media, Social Web|Tags: , , |

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3 Kommentare

  1. Die Woche in Links (22/14) 3. Juni 2014 um 16:34 Uhr

    […] New York City: Wo Social Networks zum Alltag gehören: Aurelie Sacher von der result GmbH schreibt über den alltäglichen Einsatz sozialer Medien in der US-Hauptstadt.  […]

  2. […] meine Kollegin Aurelie reiste auch ich kürzlich nach New York. Ich hatte mir schon einige Gedanken darüber gemacht, wie […]

  3. Die Woche in Links (22/14) | gumpelmaier 20. November 2015 um 22:17 Uhr

    […] New York City: Wo Social Networks zum Alltag gehören: Aurelie Sacher von der result GmbH schreibt über den alltäglichen Einsatz sozialer Medien in der US-Hauptstadt.  […]

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