Digital Relations für Kulturstätten: Opernscouts und Live-Twitterer

Kürzlich berichtete ich ja bereits über die Möglichkeiten von Social Media für Kultur-Events, um gerade junge Zielgruppen für Kulturstätten zu erschließen und zu begeistern. Auch beim KulturInvest-Kongress vor einem Monat in Berlin hielt ich hierzu einen Vortrag. Und die circa 150 Zuhörer, die kamen, waren einheitlich der Meinung, dass auf Social Media basierte Aktionen ein guter Weg seien, junge Menschen anzusprechen und sie auf diese Weise wieder vermehrt in beispielsweise Museen, Theater oder Musikhäuser zu locken. Kleine Events wie beispielsweise ein Tweet-Up erfordern einen geringen Aufwand, bieten dafür aber meist einen großen Nutzwert.

Dass ein »in Beziehung setzen« von Kulturorten mit digital basierten Formaten meist einfach zu realisieren ist, haben erst kürzlich wieder zwei Kulturstätten aus meiner Region bewiesen.

Zum einen die Deutsche Oper am Rhein, die seit Jahren das inzwischen bewährte Konzept der Opernscouts betreibt. Bereits seit 2009 werden Opernbesucher dazu aufgefordert, in Kooperation mit einer Tageszeitung als Kritiker zu fungieren, ihre Eindrücke von den Vorstellungen zu beschreiben und sich dabei deutlich von den Urteilen der einschlägigen Kritiker abzuheben. Und die Besprechungen der sogenannten Opernscouts wurden oftmals viel positiver von den Lesern angenommen, als die der professionellen Kritiker, weil hier die Glaubwürdigkeit deutlich überwiegt.

Seit Kurzem bin nun auch ich für die aktuelle Spielzeit der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg als Opernscout unterwegs – aber nicht im Rahmen einer Berichterstattung für die Tageszeitung, sondern in rein »digitaler Mission«. Konkret bedeutet dies für mich: Live während der Veranstaltung twittern und/oder das Ganze anschließend auf meinem Blog aufbereiten. Da ich ohnehin gerne in die Oper gehe, ist dies für mich eine optimale Kombination aus Spaß und Arbeit.

ankuendigung twittern scoutperspektive reichweite

Auch die Dortmunder Philharmoniker sind im Bereich Social-Media-Events schon einen ganzen Schritt weiter. So veranstalten diese unter anderem ausgesprochene Konzerte für junge Leute, bei denen DJs eingeladen werden, um mit den Philharmonikern zusammenzuspielen. Unter dem Hashtag #groophy wird das Ganze dann live von geladenen Gästen via Twitter kommentiert. Diese können anschließend auch einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Vor einer Woche wurde ich selbst als Gast-Twitterer von den Dortmunder Philharmonikern eingeladen, um ein monatliches Konzert mit verschiedenen Stücken unter dem Hashtag #Heimatklänge via Twitter zu begleiten. Das Konzept ist gut durchdacht: Die Twitterer finden sich an Extraplätzen ein, damit sie die anderen Besucher mit ihren digitalen Geräten nicht stören. Bereits im Programmheft wird das Publikum auf die »Twitter-Reporter« hingewiesen. An diesem Abend als »Kultur-Twitterer« kamen alleine von mir an die 70 Tweets zusammen, in denen ich meine Eindrücke vom Konzert schilderte – viele auch mit einem aussagekräftigen Bild dazu. Ein Erlebnis also ganz aus der Perspektive des Besuchers. Das ist authentisch und kann Lust auf mehr machen, wie ich finde. Tatsächlich haben Personen aus meiner Timeline, die nicht im Konzertsaal waren, auf Twitter ihre Begeisterung für klassische Musik geäußert oder schrieben davon, dass sie durch meine Berichterstattung in 140 Zeichen dazu animiert wurden, in Kürze mal wieder zu einem Konzert gehen zu wollen. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass solche Aktivitäten dafür sorgen können, selbst Künstler wie die Dortmunder Philharmoniker wieder ins Bewusstsein junger Zielgruppen zu rücken. Dass wir an diesem Abend eine theoretische Kontaktzahl von 10 Millionen Personen mit unseren Tweets erreichten ist eigentlich nebensächlich, aber auch nicht ganz unwichtig.

Ich hoffe, es werden noch viele Kulturstätten mit neuen digital animierten Konzepten aufwarten, um gerade die junge Generation abzuholen. Mein Tipp: Events wie ein Tweet-Up können mit wenig Aufwand umgesetzt werden. Ob und wie das wirkt, sollte meiner Ansicht nach zumindest von jeder Kulturstätte mal in Betracht gezogen und ausprobiert werden, oder?

By | 2015-07-15T13:51:09+00:00 21. November 2014|Categories: Allgemein|Tags: |

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