Die Zukunft des Mobilen Fernsehens – DVB-H gegen DVB-T

Der Kampf um die Übertragungsstandards für mobiles Fernsehen in Deutschland ist zur EM 2008 in eine neue Runde gegangen und – wenn man den Pressemeldungen der letzten Wochen glauben darf – schon entschieden.

Im Januar hatte das Joint Venture Mobile 3.0 (u.a. Holtzbrinck u. Burda) die Lizenzen für den DVB-H-Standard (Digital Video Broadcasting-Handhelds) erworben und pünktlich zur EM den Sendebetrieb in vier deutschen Großstädten aufgenommen. Laut einem Bericht der „Horizont“ sind aber gerade einmal 150 DVB-H-Nutzer geworben worden.

Das Hauptproblem für Mobile 3.0 sind dabei die großen Mobilfunkanbieter T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2, die bei der Lizenzvergabe den Kürzeren gezogen haben. Sie versuchen jetzt mit Nachdruck den DVB-T-Standard (Digital Video Broadcasting Terrestrial) für Mobiles Fernsehen auf dem deutschen Markt einzuführen.

Dabei stellt sich die Frage, ob die Marktmacht der vier Mobilfunkanbieter ausreichen wird, den an sich schwächeren Mobil-TV-Standard zu etablieren. DVB-T basiert auf terrestrischem Rundfunk und hat zwar momentan – verglichen mit DVB-H – eine wesentlich bessere Reichweite. Aber anders als DVB-H ist DVB-T nicht rückkanalfähig, d.h. dass auch in der Zukunft keine interaktiven Sendeformate möglich wären. Als weiteres Manko führt in einer aktuellen Studie Deloitte die fehlenden Verschlüsselungsmöglichkeiten an (zusätzliche Erlösquellen durch Bezahlfernsehen). Und auch die TV-Inhalte wären bei DVB-T als Standard völlig identisch mit denen des stationären Fernsehen. Mobile-TV muss aber eigene Formate entwickeln, die die besonderen Nutzungssituationen (kurze, interaktive Formate für zwischendurch) und die Größe der Ausgabegeräte berücksichtigen (ein Fußballspiel auf dem Handy ist eindeutig die 2. Wahl).

Alles das kann DVB-H einlösen – auch wenn die großen Mobilfunkanbieter momentan auf eine andere Vermarktungsstrategie setzen, werden sie langfristig nicht an den Vorzügen von DVB-H vorbeikommen.

Von | 2008-07-07T10:53:01+00:00 7. Juli 2008|Kategorien: Allgemein|Tags: , , , , , |

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