Die Wertschöpfungskette des Corporate Blogs: ein Fallbeispiel

Viele Dienstleister und insbesondere Versicherungen sind immer noch unsicher, ob sie ein Corporate Blog führen sollen. Das hat sich bei den Diskussionen zum Thema »Content« in den Sessions des Finanz- und Versicherungs-Barcamps 2015 deutlich herauskristallisiert. Sie fragen sich nicht selten, welche Inhalte überhaupt zum Tragen kommen können: Checklisten beispielsweise oder ausführliche Beiträge, wie man sich im Schadens- oder Krankheitsfall verhalten sollte, Darstellungen aus dem Unternehmen oder aber Erfahrungsberichte von vermeintlichen Kunden. Doch das könnte auch negativ aufgefasst werden, zu inszeniert, zu werbend. Was also sonst tun? Ich meine: Umdenken!

Die genannten Ideen sind nicht schlecht und werden auch teilweise schon sehr gut umgesetzt. Allerdings kann man als Versicherer auch in eine ganz andere Richtung steuern, um seine Produkte anzubieten. So hat es beispielsweise die Ammerländer Versicherung gemacht. Diese hat nach einer Möglichkeit gesucht, ihr Produkt der Fahrrad-Vollkaskoversicherung über ein Blog bekannter werden zu lassen. Dass dabei keine plumpen Produktartikel stehen sollten, war von Anfang an klar. Also haben sie sich zusammen mit uns überlegt, was funktionieren könnte. Dabei herausgekommen ist das E-Bike on Tour Portal. Im Folgenden möchte ich nun kurz die Entwicklungsschritte sowie Herausforderungen und Lösungsansätze vorstellen.

Das Thema festlegen
Aktuell existieren noch relativ wenige E-Bike-Portale auf dem Markt. Bei den meisten handelt es sich um klassische Bikermagazine, die ihr Themenspektrum um »E-Bikes« erweitert haben, sowie Shopseiten. Reine Ratgeberportale sind dagegen selten. Genau da knüpft »E-Bike on Tour« an und füllt die Lücke. Zeitgleich profitiert das Portal von dem aufkommenden Aufschwung. Schritt 1 ist also: Nischen finden, statt Themen zu bieten, die den Markt bereits überschwemmen.

Wenn Thema und Zielgruppe ausgewählt worden sind, kann man direkt zu Schritt 2 übergehen und die passenden Vetriebskanäle wählen. Dazu muss man sich die Frage stellen: Wo befindet sich mein Publikum? Es ist nicht sinnvoll einen Twitter-Account zu befüllen, wenn Radler sich ihre »Lieblingsstrecken«-Bilder auf Instagram zeigen. Die Ammerländer Versicherung hat sich für Facebook entschieden, da es ein paar Facebook-Gruppen für E-Bike-Interessierte gibt und diese Plattform bei der anvisierten Zielgruppe zur beliebtesten zu avancieren scheint.

Das Design abstimmen

Passend zum Content muss nun in Schritt 3 über das Design des Blogs beraten werden: klassischer Aufbau mit Startseitentext oder moderner Kachelaufbau mit Teasern? Eine Mischung? Auszüge aus Blogartikeln auf der Startseite? Und klar: responsive muss das Blog sein. Bei der Gestaltung sind weitere Fragen vorab zu klären. Daher ist es sinnvoll, sich mit dem Kunden abzusprechen, dessen eigene Ideen und Vorstellungen einfließen zu lassen und ihm dann verschiedene Vorschläge zu unterbreiten. In einem weiteren Termin wurden die Entwürfe zum E-Bike-Portal dem Kunden persönlich präsentiert, und schnell war man sich einig, in welche Richtung es gehen soll. Die Überlegungen dabei waren, dass das Portal seriös auftreten, aber dennoch modern und schwungvoll wirken soll. Immerhin dreht sich ja alles um die Leidenschaft zum Drahtesel. Nach Festlegen der Vorstellungen muss im Schritt 4 ein passendes »Theme« gewählt werden, welches die zuvor definierten Bedürfnisse ans Blog erfüllt.

Den Content überlegen

Das E-Bike-Portal behandelt das Thema Versicherung nur am Rande. In erster Linie soll es zeigen, dass sich die Ammerländer Versicherung nicht nur mit ihrem Produkt, sondern auch den Belangen der Kunden rund um das Thema E-Bike auskennt und auf deren Bedürfnisse eingehen kann. Das Portal behandelt somit alle Themen rund um Elektroräder: Sicherheitstipps, Vorstellung von Reiseanbietern sowie Klassifizierungen der verschiedenen E-Bike-Typen. Daneben findet die Fahrrad-Vollkaskoversicherung selbstverständlich auch immer wieder Erwähnung. So zum Beispiel in Beiträgen wie »Für wen lohnt sich eine E-Bike Versicherung überhaupt« oder »Das E-Bike vor Diebstahl schützen«. Schritt 5 bestimmt also den exakten Umfang und die Art und Weise des Content.

Es war von Anfang an klar, dass die Ammerländer als Versicherung eher in den Hintergrund treten würde. Daher wurde bei der Gestaltung auch darauf geachtet, dass das Logo zwar präsent ist, aber keine hervorgehobene Stellung einnimmt. In den Fokus rücken soll das Reise-Thema, weswegen auch Kooperationen mit weiteren Bloggern sowie Radlerfans eingegangen werden, sobald das Portal an Zuwachs gewonnen hat.

Die Reichweite stärken
Wenn Layout, Inhalte und Ziel stehen, müssen natürlich noch Strategien festgelegt werden, um das Ganze bekannt werden zu lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig ist, dass sie ausgeschöpft werden. Ein Blog wird nicht alleine an Reichweite gewinnen. Es bringt also gar nichts, einfach das Blog aufzusetzen und mit Content zu bestücken. Gerade in der Anfangsphase, wenn die Indexierung via Google noch nicht erfolgt ist, muss einiges getan werden. Damit kommen wir zu Schritt 6. Es ist praktisch, wenn man auf bestehende Netzwerke zurückgreifen kann. Vielleicht befindet sich ein Blogger im Team, dessen Kanal benutzt werden kann? Oder die Mitarbeiter sind selbst in den sozialen Medien aktiv und können die Inhalte sharen? Es ist jedenfalls wichtig, immer wieder von dem Portal zu sprechen und die Aufmerksam möglicher Interessenten zu gewinnen. Auf Facebook könnte man Interessensgruppen suchen und das Portal auch dort hin und wieder zur Sprache bringen.

Der Sache ein bisschen Zeit geben

Gut umgesetzt kann ein Blog das Image eines Unternehmens immens aufwerten. Im Fall der Ammerländer Versicherung geschieht das indirekt, indem sie Interesse an ihren Versicherungsgegenständen zeigt. Durch die thematisch passende Erwähnung der Versicherung selbst werden gleichzeitig das Interesse daran und letztlich auch der Umsatz gesteigert werden. Allerdings: In der Ruhe liegt die Kraft! Ein Blog ist eine langfristige Investition, die nur dann erfolgreich ist, wenn man Folgendes nicht aus dem Auge verliert:

  • Geduld haben: Erfolge stellen sich in der Regel nicht sofort ein.
  • Vernetzung schaffen: Wer ein Blog führt, muss sich mit anderen Bloggern vernetzen.
  • Spaß vermitteln: Ein Blog überzeugt nur, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist. Die Leser merken schnell, wenn das Blog stiefmütterlich behandelt wird.
Von | 2016-01-26T10:35:44+00:00 26. Januar 2016|Kategorien: Agentur, Beratung, Blogger, Design & Konzeption|Tags: , , |

Über den Autor:

Yasmin Neese
Seit 2015 unterstützt Yasmin Neese die Webagentur der result gmbh - Institut für digitalen Wandel. Privat kennt man Sie unter dem Namen "Die Rabenmutti". Hier schreibt Sie im gleichnamigen Blog zu den Themen Literatur, Rezepte, Produkte & Co.

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