Die Stärken unserer Klassiker (3): Telefonische Befragung

In 2012 fanden 38 Prozent aller quantitativen Interviews, die von ADM-Instituten durchgeführt wurden (insgesamt waren es fast 21 Millionen), per Telefon statt. Somit liegt die telefonische Befragung auf Platz 1, dicht gefolgt von den Online-Interviews, die einen Anteil von 35 Prozent aufweisen. Von einer Verdrängung der telefonischen Befragung durch die Online-Befragung kann somit nicht die Rede sein. Die Forschungslandschaft erfreut sich gegenwärtig also einer ausgesprochenen Pluralität. Und das ist auch gut so. 

Die Herausforderung durch mobile onlys

Die telefonische Befragung geriet in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik, da die telefonische Erreichbarkeit durch Phänomene wie den Anstieg der sogenannten mobile onlys (Personen, die nur noch das Handy und nicht mehr das Festnetz nutzen bzw. haben) deutlich gesunken ist und somit die Repräsentativität der Bevölkerungsstichproben in telefonischen Befragungen infrage gestellt wurde.
Dank eines in 2011/2012 vom ADM initiierten und finanzierten Forschungsprojekts konnte zu einem methodischen Fundament für den „Dual-Frame“-Ansatz beigetragen werden. Das heißt, es liegt nun ein systematischer Ansatz zur Kombination von Festnetz- und Mobilfunknummern vor, der bei bevölkerungsrepräsentativen Befragungen auf Bundesebene sehr gute Ergebnisse erzielt.

Der Zugang zur Bevölkerung

Die telefonische Befragung ist aus vielen Gründen nicht aus der Markt- und Sozialforschung wegzudenken. Ein bedeutender: Ein Sonderstatus der Markt- und Sozialforschung erlaubt es, mittels zufallsgenerierter Stichproben in die Bevölkerung „hinein zu telefonieren“ (gleiches gilt für Face-to-Face-Stichproben). So hat jeder Bewohner die gleiche Chance, befragt zu werden, und die Forscher bekommen eine Gelegenheit, repräsentative Daten zu erhalten. Dies ist in vielen Bereichen der Markt- und Sozialforschung essenziell. Ein gutes Beispiel dafür: die Wahlforschung.

Die Unmittelbarkeit zum Befragten

Im Vergleich zur Online-Befragung kann die telefonische Befragung mit Unmittelbarkeit punkten. Unter Berücksichtigung einer Eindämmung des allseits bekannten Interviewereffekts kann die telefonische Befragung insbesondere in Bezug auf offene Fragestellungen einen größeren Output liefern. Denn: Der Interviewer kann nachhaken, das kann ein Computer nicht.

Kein Exklusivprodukt für bevölkerungsrepräsentative Befragungen

Selbstverständlich ist die telefonische Befragung nicht nur für bevölkerungsrepräsentative Zwecke einsetzbar. Ebenfalls prädestiniert ist diese Methode für zum Beispiel After-Call-Studien nach einem Kontakt mit einem Servicecenter oder -hotline. Der Charme liegt hierbei in der Unmittelbarkeit nach dem Ereignis und in der Beibehaltung des Kanals. Auch Befragungen zur Kundenzufriedenheit oder Kündigerbefragungen gelten als Paradeeinsatzgebiete – vor allem, da immer noch sehr häufig keine E-Mail-Adressen in den Kundenstammdaten zu finden sind.

Ein Forschungszweig, in dem mit Vorliebe die telefonische Befragung einsetzt wird, ist die Medienforschung. Telefonische Interviews werden beispielsweise im Rahmen der Media-Analyse durchgeführt. Und auch Musiktitel-Tests werden hauptsächlich per Telefonbefragung erhoben. Diesem Thema werde ich mich aber noch in einem separaten Blogartikel widmen.

Fazit: Klassiker mit Standfestigkeit und Charakter

Die telefonische Befragung wird sich in der Pluralität der Forschungsmethoden dank ihrer Vorzüge auch in Zukunft behaupten. Eine erprobte, klassische Forschungsmethode, die sich den Anforderungen der Gegenwart stellt und anpasst.

Weitere Beiträge unserer Serie über Klassiker der Markt- und Medienforschung:

Die Stärken unserer Klassiker (1): Gruppendiskussionen
Die Stärken unserer Klassiker (2): Online-Befragung

Von | 2015-07-16T12:14:39+00:00 20. November 2013|Kategorien: Allgemein, Forschung, Kundenzufriedenheit, Marktforschung, Medienforschung, Methode|Tags: , |

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