Die Angst der Marken vor dem „Prosumer“

Ich habe neulich an einem Kongress mit dem Thema „User Generated Content und die Strategien der Medienunternehmen“ teilgenommen. Es ging um den produzierenden Consumer (Prosumer) und wie man ihn ökonomisch nutzen kann. Es war erstaunlich, welche Skepsis und Zurückhaltung große Unternehmen diesem Thema entgegenbringen. Und was ist der Grund? Die Häuser mit den großen Marken (Sender, Automobilkonzerne, Mobilfunknetze usw.) haben Angst vor den negativen Overspills aus den nicht professionellen Inhalten (vgl. auch aktuelle Planung & Analyse). Ihre Marken geraten in die Nähe von Bloggern u.ä., die in punkto Meinung und hinsichtlich der Fähigkeit, Meinung zu artikulieren, offenbar zu häufig nicht den Standards entsprechen, denen sich diese Marken verpflichtet fühlen.

Als ich das hörte, war ich verwundert. Danach war ich über meine Verwunderung verwundert. Mittlerweile bin ich ein Stück weiter: Ist es nicht so, dass auch profilierte Premiumbrands sich ihre Käufer nur sehr begrenzt selbst aussuchen können? Klar, man fokussiert sich auf Zielgruppen, adressiert sie und richtet das Marketing auf deren Needs aus. Dennoch: Da trägt jemand Produkt X und eigentlich passt er oder sie im übertragenen oder im Wortsinne in X nicht hinein. Produkt X gerät in ein Umfeld, in das es eigentlich nicht gehört. Und jetzt? Nach meiner Meinung hat X die Aufgabe sich gerade dann zu beweisen. X muss eine Markenpersönlichkeit besitzen, die auch in negativen Kontexten echte Strahlkraft besitzt. Eine Marke, die nur funktioniert, wenn sie stets sauber inszeniert ist, erscheint mir nicht genügend gefestigt. Mein Appell: Wer den Consumer will, sollte den Prosumer nicht von sich weisen. Ein solide konstruiertes Markenfundament kann ein wenig Gegenwind vertragen. Oder nicht?

Von | 2015-07-16T14:09:20+00:00 28. Februar 2008|Kategorien: Internet, Kommunikation, Marke|Tags: , , , |

Über den Autor:

Jan-Peter Lambeck

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