Der Strippenzieher im Hintergrund: der Facebook EdgeRank

Das Unternehmen Facebook lässt sich nur ungern in die Karten schauen, und ich muss zugeben, die Art und Weise wie es seine Informationspolitik betreibt, ist schon bemerkenswert. Manchmal bin ich allerdings erstaunt darüber, wie sehr man an der Nase herumgeführt wird. Ein so durchorganisiertes und strategisch agierendes Unternehmen programmiert einen komplizierten Algorithmus, der die Posts im Newsstream eines Nutzers priorisiert, ist aber nicht in der Lage (oder will es etwa nicht?), Statistiken über offizielle Abmeldungen zu führen.

Wer soll das denn glauben? Keiner. Muss auch keiner. Da müssen wir nun einmal durch, denn das Unternehmen kann es sich erlauben – da hilft nur spekulieren und sich das System zunutze machen.

Im Fall des EdgeRank macht es uns Facebook ein bisschen leichter, das System zu verstehen. Hier lohnt sich ein genaueres Hinsehen, denn für die Kommunikation von Unternehmen auf Facebook lassen sich wertvolle Tipps ableiten, wie man seine Posts höher „ranken“ lassen kann.

Aber einmal ganz von vorne:

Was macht der Facebook EdgeRank genau?

Die Nachrichten im eigenen Newsstream rauschen nur so durch, und häufig fragt man sich ja auch, ob wirklich alle Beiträge angezeigt werden. Die Antwort lautet: werden sie nicht! Der EdgeRank bestimmt, was an welcher Stelle, wie lange und wann in den Hauptmeldungen des eigenen Facebook-Newsstream zu sehen ist. Dieser Algorithmus strukturiert sozusagen den Newsstream der Accounts, indem er eine Auswahl trifft, von der Facebook denkt, dass sie den jeweiligen Nutzer interessiert und für ihn am relevantesten ist.

Kann ich den Edgerank aktiv beeinflussen?

Klare Antwort: Ja!

Und wie?

  1. Interaktion: Gestalten Sie die eigenen Posts nach Möglichkeit so, dass sie viele Likes, Kommentare oder Shares bekommen. Denn diejenigen Nutzer, die sich verstärkt zu Ihren Posts äußern, werden fortan häufiger mit Ihren Beiträgen „beliefert“.
    Stellen Sie Fragen, binden Sie Ihre Fans ein, und reagieren Sie auf deren Fragen und Wünsche! Posten Sie aber nicht zu viel und zu lange, sonst wird’s schnell langweilig. Ein Tipp: „Fill-in-the-blank“ oder „Vervollständigen Sie___“ sind beliebt!

  2. Nutzerbeziehung: Nicht nur die Fans, mit denen Sie häufiger in Interaktion treten, bekommen Ihre Posts bevorzugt angezeigt, sondern interessanterweise auch „neue“ Nutzer Ihrer Seite.
    Machen Sie Ihre Fans zu Botschaftern, und schaffen Sie Anreize. Plaudern Sie nicht immer nur mit den gleichen, sondern mit unterschiedlichen Nutzern!

  3. Regelmäßigkeit: Der Algorithmus bevorzugt aktuelle Posts.
    Lassen Sie wenn möglich nicht mehr als zwei Tage zwischen zwei Posts verstreichen!

  4. Aktualität: Aktuelle Themen, News und selbstverständlich das Thema „Facebook“ ranken höher als andere!
    Greifen Sie Themen aus den Nachrichten auf, und sprechen Sie über Facebook. Das mag der EdgeRank besonders gerne. (Wen überrascht’s …?)

  5. Multimediale Inhalte: Der EdgeRank liebt multimediale Inhalte.
    Binden Sie Bilder, Videos oder zum Beispiel Songs ein. Dann macht auch das Gestalten der Posts mehr Spaß.



Noch gut zu wissen:

  • Netzwerk: Facebook erkennt, wenn Freunde einer Person auf einer Seite aktiv sind, von der der Nutzer ebenfalls Fan ist.

  • Ortsbezug: Posts werden auch dann vom Facebook EdgeRank bevorzugt, wenn sich die Nutzer in der selben Stadt aufhalten, die in den jeweiligen Beiträgen genannt wird.
    Wenn Sie also eine Veranstaltung in einer Stadt promoten wollen, nennen Sie diese möglichst häufig!

  • Hobbythemen: Wenn Ihr Post Themen enthält, die ein Nutzer in seinem Profil als Interesse angegeben hat, wird ihm dieser Beitrag bevorzugt zugespielt.

  • Zufall: Nicht alles ist gesteuert. Auch hier gibt es einen Zufallsgenerator, der wahllos zuordnet. Aber das nur am Rande …


  • Und noch mehr Spekulation:

    Es ist davon auszugehen, dass Facebook diejenigen Beiträge der Nutzer im EdgeRank bevorzugt, die besonders lange auf Facebook verweilen und ausgesprochen aktiv sind. Zu dieser Aktivität zählt selbstverständlich auch, ob man Ads geschaltet hat oder nicht. Bei aller Strategie und allem Wissen um den EdgeRank sollte man eines nicht vergessen: In erster Linie kommt es darauf an, seine Fans zu verstehen und ihnen das Gefühl zu geben, dass auf der Fanpage „echte“ Menschen schreiben, welche die Bedürfnisse der Fans ernst nehmen.

    Meine Empfehlung an dieser Stelle:

    Posten Sie relevante (!) Inhalte, die Ihrem Unternehmen gerecht werden und die gleichzeitig Spaß machen! Dann fällt es Ihnen auch leichter, mit Ihren Fans in Interaktion zu treten und die Interaktion innerhalb der Community zu fördern. Ja, und wenn Sie dann noch ein paar Tricks bei der Gestaltung der Inhalte anwenden (s. o.), dann kommt der Rest von ganz alleine!

    PS: Wer sich über Facebook aufregt, sollte sich einmal durchlesen, was Google so treibt. Aber das ist ein anderes Thema…

    Bildquellen:

    Infografik: futurebiz.de
    Foto: CC-BY karstenkneese | flickr.com

Von | 2012-01-30T08:30:49+00:00 30. Januar 2012|Kategorien: Social Media|Tags: , , , |

Über den Autor:

Ein Kommentar

  1. Cathrin Jacob 30. Januar 2012 um 21:53 Uhr

    Hochinteressant ist dieser Zeitartikel, in dem der Autor der Frage nachgeht: Verhindert der Edgerank, dass wir an neue, weil nicht unserem Interessenspektrum automatisch zugeordnete Information gelangen? Offenbar gibt es da unterschiedliche „Philosophien“. Was auch immer die Wissenschaft sagt: Der Artikel ist #empfehlenswert!!! >> http://www.zeit.de/digital/internet/2012-01/facebook-studie-filter-bubble/seite-1

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