Der Facebook-EdgeRank: Es geht um Unterhaltung und nicht um Qualität!

Community Manager sind es inzwischen gewohnt, dass sie sich zu Beginn eines Bürotages nie wirklich sicher sein können, was und vor allem wann Facebook erneut an den Schrauben dreht. Vor ein paar Tagen war es wieder einmal so weit. Das Unternehmen hat den EdgeRank in der Form verändert, dass es die Beiträge von Fanseiten noch schwerer haben, im Newsfeed der Nutzer aufzutauchen. Bei einem Blick in die Statistiken der Fanseiten wird das Ausmaß schnell klar: Die Reichweite ist um rund 50 Prozent niedriger – auch wenn die Interaktionsrate gleich geblieben ist. Jetzt sind wir an der Reihe. Stellt sich nur die Frage, wie wir hierauf reagieren.

Unterschiedliche Reaktionen aus dem NetzDie Reaktionen sind in den vergangenen Tagen sehr unterschiedlich ausgefallen: Ärger mischte sich mit Nachdenklichkeit, einer Menge Fehlinformationen und manchmal auch vollkommenem Unverständnis. Denn es muss jedem Fanseiten-Betreiber klar sein: Nicht jeder Beitrag eines Unternehmens landet auch in dem Newsstream eines jeden Users – schön wär’s …

Videos und Bilder sind beliebt

Facebook ist anscheinend darauf aus, gezielt weniger interessante Inhalte auszusortieren – also die, die wenig Interaktion hervorrufen. Was für die „Coca Colas“ oder „Jack Wolfskins“ „lediglich“ einen Verlust in der Reichweite bedeutet, kann weniger Fan-starke Facebook-Seiten in die Bedeutungslosigkeit befördern.

Egal, wie groß die Anzahl der Fans einer Seite ist, die Veränderung des EdgeRank macht sich bemerkbar, keine Frage. Was allerdings neu daran sein soll, dass Bilder, Videos und eigens für die Fanseite erstellte Inhalte auf große Gegenliebe bei den Fans stoßen, verstehe ich nicht. Viele Blogbeiträge der vergangenen Tage empfehlen genau das: Postet Videos, Fotos, relevante Inhalte und engagiert euch. Wer einmal einen Blick in den von Facebook eigens zusammengestellten Leitfaden mit Tipps und Ratschlägen rund um das Verfassen von Marketing-bezogenen Posts wirft, wird feststellen: All das galt auch schon vor der Änderung des EdgeRank – verrückt aber wahr.

 

Facebook hat lediglich die Schrauben etwas angezogen und macht es damit „non-engaging“-Posts noch schwerer, überhaupt gesehen zu werden. Aus Nutzersicht fällt mir dazu nur ein: Wenn der tägliche Informationsstrom gefiltert wird, okay. Aber ich würde das gerne selbst steuern. Als Community Manager sage ich: Das Problem ist bekannt – ganz offensichtlich aber nicht allen, wie das nächste Beispiel zeigt.

Erst informieren und dann auf die Fanseite posten

Auf einigen Facebook-Seiten tauchte folgender Hinweis auf:

Facebook hat die Einstellungen für Fanseiten geändert. Neuerdings wird willkürlich ausgesucht, welche der “Gefällt mir”-Klicker die Beiträge dieser Seite noch sehen. Vielen werden die Beiträge einfach ausgeblendet. Facebook verspricht sich davon, dass die Seiteninhaber mehr Geld in Werbemaßnahmen investieren.

Für alle, die weiterhin informiert bleiben möchten:

1. Auf den “Gefällt dir”-Button oder das Zahnrad oben rechts unter dem großen Titelbild gehen

2. Dann auf “Zur Interessenliste hinzufügen” klicken

3. “Neue Liste” (falls ihr bisher keine habt)

4. Weitersagen

5. Danke!

Wie Thomas Hutter in seinem Beitrag treffend beschreibt, kann man als Nutzer durch das Einordnen von Unternehmen in Listen gewährleisten, die Beiträge in der jeweiligen Liste angezeigt zu bekommen. Allerdings hat diese Einordnung keinen Einfluss auf den Newsstream. Thomas‘ Empfehlung am Ende des Beitrags möchte ich so unterschreiben:

Also, liebe Seitenbetreiber, fallt nicht darauf hinein und verbreitet nicht jeden Müll, der irgendwo aufgeschnappt wird. Hinterfragt laufend entsprechenden Aufforderungen … Danke!

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wer noch immer unsicher ist, was der EdgeRank so alles anstellt, dem empfehle ich an dieser Stelle einen Blogbeitrag zu diesem Thema, der vor einiger Zeit hier im Blog erschienen ist.

Wohin die Reise gehen wird

Die Entwicklung auf Facebook scheint klar: Das soziale Netzwerk möchte, dass Firmen in Zukunft Geld in die Hand nehmen, um auffindbar und wahrnehmbar zu sein. Das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens – sei es in Form von Facebook Ads oder Sponsored Stories. Allerdings möchte ich stark bezweifeln, ob es den Verantwortlichen tatsächlich darum geht, dem Nutzer nur noch „Qualität“ zukommen zu lassen.

Das Wichtigste zum Schluss

Der EdgeRank gewährt nur noch „engaging“-Posts Zutritt in den Newsstream der Fans und möchte den Usern ausschließlich interessante Inhalte präsentieren. Wenn Beiträge allerdings Interaktionen hervorrufen, sagt das doch noch nichts über deren Qualität aus, oder? Denken wir an die unzähligen Katzenbilder, Stunt-Videos oder ähnlich unterhaltsame Inhalte. Denn darum geht es im Endeffekt: um Unterhaltung und nicht um Qualität! Werden auf einer Fanpage hoch fachliche Themen diskutiert, so fühlt sich nicht jeder Nutzer im Stande, mitzudiskutieren. Geht es aber darum, kurz zu schreiben, wie man das Wochenende verbracht hat, fühlt sich ein Großteil der Fans angesprochen. Das ist ein Ergebnis, zu dem wir in unseren Studien immer wieder kommen.

By | 2015-07-16T13:36:10+00:00 18. Oktober 2012|Categories: Allgemein, Social Media|Tags: , , , , , , , |

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18 Kommentare

  1. Patrick Schneider 18. Oktober 2012 um 10:19 Uhr

    Was vor allem zu der Frage führt, ob es tatsächlich so ist, dass es niemanden gibt, der “heute noch auf Social Media verzichten kann” (Zitat aus irgendeinem beliebigen Artikel) – oder ob es nicht tatsächlich Branchen / Unternehmen gibt, die nicht bereit sind, Unterhaltung für ihr Image zu betreiben, weil es de facto nicht zu ihrem Image (und/oder ihren Produkten) passt…

  2. Christine 18. Oktober 2012 um 10:25 Uhr

    @Patrick: Das ist ja mein Lieblingssatz: Alle Unternehmen MÜSSEN im Social Web aktiv sein. Natürlich hast du Recht. Ich sollte mir als Unternehmen sehr genau überlegen, ob Unterhaltung zu mir passt und ob ich genügend Energie zur Verfügung habe, um diese Kanäle auch so zu betreiben, dass sie es in den Newsfeed der User schaffen.

  3. Annette Schwindt 18. Oktober 2012 um 11:01 Uhr

    Kleine Präzisierung: Das Einordnen von Seiten in Interessenlisten hat keine Auswirkung auf den ALLGEMEINEN Newsstream, also die Haupt- und Neuesten Meldungen unter “Neuigkeiten”.

    Dazu dient das ja auch gar nicht, sondern es dient dem Kreieren eines EIGENEN Feeds, wie in einem Feedreader. Das Hinzufpgen zu einer Interessenliste ist also nur dann sinnvoll, wenn man den Feed dieser Liste nachher auch gesondert aufruft.

    Leider ist den meisten Nutzern das Feedprinzip nicht bekannt, weswegen sie uach nicht verstheen, warum sie ihre Vernetzungen in Listen strukturieren sollen.

  4. Christine 18. Oktober 2012 um 11:05 Uhr

    @Annette: Genau. Die Listen haben keinen Einfluss auf den allgemeinen Newsstream. Und aa, die Funktion der Listen ist leider leider den wenigsten bekannt. Da hast du Recht. Ich befürchte, dass es auch leider einige Community Manager gibt, die nicht Herr der Lage sind und manchmal auch Fehlinformationen weiter verbreiten. Das ist wirklich ein Problem.

  5. Arne Mertens 18. Oktober 2012 um 11:50 Uhr

    Gestern ist mir eine weitere Änderung aufgefallen: Nicht-Mitglieder von Facebook, werden von der Betrachtung öffentlicher Profile ausgesperrt. Die Strategie dahinter ist offensichtlich: mehr Mitglieder generieren. Nachteil: Firmenprofile auf Facebook sind dadurch weniger wert als vorher.

    Eure Meinung dazu würde mich interessieren!

    Tipp: Diese Umfrage kann auch außerhalb von Facebook weiter verteilt werden (ohne Anmeldung). Die Ergebnisse könnt ihr am Ende alle sehen.
    BG,
    Arne

  6. Christine 18. Oktober 2012 um 12:18 Uhr

    @Arne Mertens: Was meinen Sie mit “öffentlichen Profilen”? Ich habe gerade einmal überprüft, ob ich unangemeldet auf die Facebook-Fanseite unserer Unternehmen zugreifen und diese auch einsehen kann. Das funktionierte ohne Probleme.

  7. […] unterhalten, was denn Qualität überhaupt ist. Schon jetzt ist bekannt, dass die meiste Interaktion durch Klicki-Bunti-Content wie Bilder und lustige kleine Videos hervorgerufen wird. Für Brausehersteller und alles, was sich im Lifestyle-Bereich bewegt, […]

  8. Andreas Werner 18. Oktober 2012 um 13:57 Uhr

    Vor dem Börsengang wollte das ja kaum wer glauben … da war das Argument, dass FB das nicht nötig habe. Die Geschichte mit der Unterhaltung ist eben nur ein zwangsläufiges Ergebnis weil die Verarbeitung von Bildern im Hirn – wie soll ich sagen – besser organisiert ist als die Verarbeitung von Schrift. Dabei kann man ja fast froh sein, dass in FB keine erotischen Bilder gehen …

  9. Jan Firsching 18. Oktober 2012 um 17:42 Uhr

    Zum EdgerRank muss noch eine Sache angemerkt werden: Er ist von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich. Eine Seite hat keinen “definierten” EdgeRank, sondern jede Nutzer-Seite-Verbindung. Inhalte müssen Interaktionen fördern. Es müssen aber nicht zwingend Kommentare, Likes und Shares sein. Auch Klicks auf Fotos und Links verbessern den EdgeRank.

  10. Kerstin 19. Oktober 2012 um 10:43 Uhr

    Die Interessenslisten nütze ich schon lange, bin damit zufrieden, doch tauchen nicht immer alle Beiträge darin auf. Das ist für mich nicht schlimm, denn ich suche gezielt Fanseiten auf, und scrolle von Zeit zu Zeit den gesamten Newsstream durch. Alleine durch das Aufrufen der Fanseiten erscheinen sie kurze Zeit später wieder im gesamten Newsstream.
    Also die gesamte Diskussion um Edgerank und Interessenslisten ist für mich nichts Neues, auch wenn etwas der Facebook-Algorithmus vielleicht verändert wurde, man darf nicht vergesssen, Facebook ist kostenlos und man hat viele Möglichkeiten und Chancen (auch in der kostenlosen Variante).
    Ich empfinde die derzeit herrschende Hysterie um Edgerank und Interessenslisten einfach zuviel des Guten.

  11. uknaus 19. Oktober 2012 um 13:59 Uhr

    Gute Analyse: Der Katzen-Content hat ausgedient. Er sorgt zwar für kurzfristigen Traffic, bringt aber langfristig der Marke/dem Unternehmen nichts. Story-Telling ist angesagt, und zwar interessante Inhalte rund um die Marke und nichts mit Gewinnspielen oder niedliche Tieren. Wer das beherrscht, wird erfolgreich sein. Ansonsten “Big Budget” or “fail harder”

  12. Frederik Proß 20. Oktober 2012 um 12:06 Uhr

    Also Ich denke schon dass die Interessenliste Einfluss auch auf den “allgemeinen” Newsstream hat, da ja die Posts der auf der Liste befindlichen Seiten gebündelt auch im “normalen” Stream angezeigt werden. Dadurch sind sie öfter zu sehen bzw werden Posts angezeigt die sonst wohl verschwunden wären.
    Allerdings finde Ich diese Aufforderung die da kursiert auch schlimm aber aus dem Grund dass die meisten denken es wäre etwas neues. im Endeffekt wurde ja aber nur das bestehende noch ein bisschen “verschlimmert”.

  13. […] auf der Hand, denn schließlich geht es letztlich immer um Wirkung. Aktuelle Debatten, wie etwa, ob Content auf Facebook-Seiten Qualität bieten muss oder doch eher nur Entertainment um Wirkung bei der Zielgruppe zu erzielen, legen dies nahe. Dies zu leisten ist eine als […]

  14. […] Tricks und ausgefeilte Social-Media-Strategien werden daran groß etwas ändern können. Wobei gute Inhalte, die für die Fans Nutzwert haben oder unterhaltend sind, die unbezahlte Sichtbarkeit etwas […]

  15. Christine Heller 25. Oktober 2012 um 9:33 Uhr

    An dieser Stelle einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die hier mitdiskutiert und diesen Beitrag in anderen Posts verlinkt haben. Schön, dass der Beitrag vielen weitergeholfen hat. Das freut mich sehr!

  16. Netz-Fundstücke 01/12 | IHK Onlinemarketing 26. Oktober 2012 um 13:43 Uhr

    […] Website von Google & Co gefunden werden, so höher ist ihr Sichtbarkeitsindex.Auf der Seite http://www.sichtbarkeitsindex.de kann kostenfrei bei Eingabe der Domain ein Sichtbarkeitsindex ermittelt […]

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