Der Besuch beim 22. medienforum.nrw

„Mehr als 3.500 Besucher, 255 Referenten bei etwa fünfzig Einzelveranstaltungen sowie zahlreiche Events und Preisverleihungen“, bilanziert das Medienforum auf seiner Interseite. Das klingt doch schon mal toll! Drei Tage lang diskutierten und debattierten hiesige und dortige Vertreter der Medienbranche im Staatenhaus der kölnmesse und das interessierte Publikum lauschte, staunte und schwankte zwischen Zähneklappern in den klimatisierten Räumen und Dehydrieren bzw. Hyperventilieren außerhalb derselben.

Das 22. medienforum.nrw griff Fragen der Finanzierung und Konvergenz von Medien und ihren Inhalten auf und thematisierte deren Regulierung sowie die sich daraus ergebene gesellschaftliche Verantwortung. Dabei waberte die Veranstaltung zwischen organisiert-spießig und inhaltlich abwechslungsreich, erfüllte aber letzten Endes unserem Empfinden nach nicht den Anspruch, bahnbrechende Erkenntnisse kundzutun oder gar „wichtige Akzente“ zu setzen.

Ja, Twitter & Co. bieten ungeahnte Möglichkeiten in der Vermarktung von Medien und Marken, und ja, mobile Kommunikation revolutioniert unsere Gesellschaft und birgt Gefahren. Und YES, das iPad ist die gottgleiche Materialwerdung unter den mobilen Devices. Man wurde aber das Gefühl nicht los, all diese Digitalised People erzählten einem nichts Neues, nur kleideten sie es in schillerndere Worte als letztes Mal.

Das medienforum bewegte sich inhaltlich irgendwo zwischen ollen Social-Media-Kamellen und futuristischen Augmented-Reality-Games-Erfindungen, privatrechtlichem Gejammer und öffentlich-rechtlicher-Rechtfertigung, Be- und Entschleunigung, Zeitungsromantisierern und Printkritikern, Horrorszenarien und Lobeshymnen auf die Möglichkeiten des Internet. Und irgendwo dazwischen der Otto-Normal-User, -Fernsehzuschauer und -Leser, der das Ganze zu erden schien und am Abend unter Zuhilfenahme des Frei-Kölschs an die biologischen Grenzen der reellen Welt stieß. Die Stimmung war jedenfalls gut und Gespräche wurden genügend geführt. Das ist doch schon mal was! Man mag zu solchen Veranstaltungen stehen wie man will. Für diejenigen, die zum ersten Mal da waren, hat sich sicherlich der Horizont erweitert. Für jene, die die ganze Soße schon kennen, schmeckte irgendwie alles leider recht fad.

Summa summarum gab also wenig Visionäres, Wegweisendes oder Konkretes. Aber „wenig“ ist ja nicht Nichts. Hier ein kleiner Auszug der persönlichen Erleuchtungen:

  • Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und Vorsitzender des Zeitungsverlegerverbandes NRW forderte eine Beteiligung der privaten Medien an der zukünftigen Haushaltsabgabe der GEZ. Außerdem schlug er eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Printmedien vor, wie bereits in Frankreich der Fall.
  • David Lyle, Präsident von Fox LOOK stellte die These auf: Es hätte niemals Social Media gegeben, wenn nicht vorher das Reality TV den Weg geebnet hätte.
  • Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian meinte, um qualitativ gute, journalistische Inhalte für eine Zeitung oder deren Online-Version zu generieren, braucht es nicht zwangsläufig ausgebildete Journalisten.
  • Interessant war auch der Vortrag von Simon Sutton, deren Sender HBO gänzlich ohne Werbung auskommt und dennoch nicht public ist. Das Geheimnis? „We create content for viewers, not for advertisers“. Schön!
  • Gerd Leonhard, Media Futurist, stellte fest, dass sich die 4Ps des Marketing durch die 4Es ablösen werden: Emotions, Engagement, Experiences and Exclusivity und Return on Investment werde zu Return on Involvement.

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Von | 2010-07-05T09:13:03+00:00 5. Juli 2010|Kategorien: Allgemein, Veranstaltung|Tags: |

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