Heute las ich einen spannenden Beitrag in der „Welt“, in dem Autorin Judith Rakers die These aufstellt, das Fernsehen sei am Ende. Die Nutzung „on demand“ werde das Live-Programm verdrängen, und die immer stärker themenbezogene Selektion werde dazu führen, dass es kaum noch Fernsehgesichter mit nennenswerter Bekanntheit gebe.

Bildquelle: CC-BY aemkei | flickr.com

Ich finde diesen Gedanken interessant, ebenso die Schlussfolgerung, dass damit einhergehend die Identität unserer Gesellschaft, Nation oder Region zerfällt und sich möglicherweise neue Identitäten herausbilden werden.

Aber aus meiner Sicht verhält es sich andersherum: Wir leben in einer Gemeinschaft, die sich in verschiedenen Ebenen gliedern lässt: Familie, Freunde, Nachbarn, Region, Nation, etc.

In all diesen Ebenen ist es uns wichtig, gemeinschaftsbildende und -stärkende Erlebnisse zu haben. Diese Erlebnisse bestehen aus Parties, Festen, virtueller Vernetzung und auch in der Nutzung gemeinsamer Medieninhalte wie beispielsweise gemeinsamer Musik und Information.

Die klassischen Medien haben eine Schlüsselfunktion für ebendiese identitätsstiftende, gemeinsame Nutzung. Und dementsprechend werden diese Massenmedien auch künftig noch gebraucht. Sie müssen sich umformen, wandeln, modernisieren und uns in Zukunft immer noch das bieten, was uns wichtig ist: Sie müssen Repräsentant unseres Gemeinschaftsgefühls sein, unser Selbstbild stärken und bestätigen. Darauf können wir nicht verzichten.

Mein Plädoyer lautet: Wir sollten nicht in Untergangsfantasien schwelgen, sondern lieber etwas tun, um aus den alten Medien neue Medien zu gestalten. Die Selektion der Nutzer legt offenbar, was allen schon vorher latent bewusst war: Eine Menge der gesendeten oder gedruckten Inhalte möchte kaum ein Mensch lesen, hören oder sehen. Also, liebe Medien, bietet uns bitte künftig wieder eine Qualität, die der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls dient, die unsere Werte und unser Selbstbild positiv beeinflusst, und die sich zu nutzen und zu teilen lohnt.