Corporate Blogs für Versicherungen: Warum, wieso und wie konkret

Laut einer noch recht aktuellen Studie investiert nur jedes zweite DAX30-Unternehmen in die Pflege eines Corporate Blogs. Das ist eigentlich verwunderlich, denn gerade Blogs bieten einige Vorteile gegenüber der Nutzung anderer Kanäle: 

  • Blogs sind autark, da sie als Plattform dem Unternehmen selbst gehören. Es besteht kein Abhängigkeitsverhältnis zu Fremdbetreibern – die Daten bleiben im Besitz des Unternehmens.
  • Wenn bei Diensten wie zum Beispiel Facebook darüber diskutiert wird, ob das Netzwerk eventuell bald bei bestimmten Zielgruppen nicht mehr angesagt ist und diese sich zunehmend anderen Diensten zuwenden, stellt man fest, dass Blogs hingegen keinen Trends unterworfen sind. Ein wesentlicher Grund hierfür: Der gesamte Charakter eines Blogs ist ein anderer als der eines sozialen Netzwerkes. So sind Blogs keine Plattform, die nur funktioniert, wenn genau diese Plattform auch von anderen genutzt wird (wie bei Facebook, Whatsapp und vielen anderen).
  • Blogs bieten die größte Fläche mit dem meisten Freiraum, da es keine räumliche Begrenzung wie bei Print oder beispielsweise Twitter gibt.
  • Zudem wird über die Inhalte selbst entschieden, ohne sich den Nutzungsbestimmungen eines sozialen Netzwerks anpassen zu müssen.
  • Auf Blogs gibt es die Möglichkeit, Inhalte mit Bildern, Audio und Video anzureichern oder Verknüpfungen davon zu erstellen.

Somit stellen Blogs – richtig betrieben und genutzt – einen wichtigen weiteren Kanal mit Mehrwert im digitalen Kommunikationsmix eines Unternehmens dar.

Best practice: Versicherer-Blogprojekt »Gothaer2Know«

Die Gothaer Versicherung zählt zu den Unternehmen, die sich ein eigenes Blog leistet. Seit dem 1. Mai 2013 ist es unter gothaer2know.de erreichbar. Dem vorausgegangen war eine intensive Planungsphase: Inwieweit macht ein Blog Sinn? Welchen Mehrwert kann es für Kunden und Angestellte der Gothaer liefern? Wir haben den Versicherer bei der strategischen Ausarbeitung und Umsetzung beraten: Gemeinsam wurde ein Plan erarbeitet, wie das Projekt bestmöglich angegangen werden kann. Eines war schnell klar: Das Blog sollte die Kompetenzen der Gothaer widerspiegeln und deren Eigenschaften wie Seriosität, Qualität und Wissenskompetenz unterstreichen. Darüber hinaus galt es, einen bislang unverhüllten Blick hinter die Kulissen der Gothaer und ihrer Mitarbeiter zu ermöglichen.

Ein Screenshot des Gothaer2Know-Blogs

Die Gründe, die schlussendlich für ein eigenes Blog sprachen:

  • Nachhaltige Stärkung der Marke Gothaer im Netz.
  • Ausweitung der bestehenden Social-Media-Aktivitäten. Die Gothaer ist seit Jahren erfolgreich auf Facebook unterwegs – mit dem Blog sollte ein weiteres Infotainment-Angebot geschaffen werden.
  • Zeitgemäße Aufbereitung von Informationen durch die Erstellung von Podcasts.
  • Bereitstellen von relevanten Hintergrundinformationen und Nachrichten aus dem Versicherungskonzern.

Wichtig: das Leitthema

Bei einem Blog können inhaltlich verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden. Wichtig ist, dass es ganz zu Beginn eine Content-Strategie gibt, die allen Beteiligten als Eckpfeiler dient. Bei der Bandbreite der Themen sollte eine gesunde Mitte gefunden werden – eine gewisse Themenvielfalt ist vonnöten, damit die Leserschaft nicht zu speziell ausfällt, es sollten aber auch nicht unbegrenzt viele Themenbereiche abgehandelt werden, damit der Inhalt keine belanglose Note bekommt.

Im Konzept für Gothaer2Know einigten sich die Beteiligten auf »Alltagsnahe Informationen« als Leitthema für das neue Angebot: Content sollte nicht zu trocken vermittelt werden und informativen Charakter besitzen. Das neue Blog sollte also nicht einfach einen weiteren Servicekanal darstellen und darüber hinaus keinen werblichen Charakter besitzen. Es sollte Raum für Debatten eröffnen und sich thematisch mit Zukunftstrends, Personality und Hintergrundinformationen beschäftigen.

Sinnvoll: Blogger-Relation-Events

Zusätzlichen Input erhoffte man sich durch Blogger-Events in Berlin, Köln und München. Neben bekannten Bloggern kam jeweils ein prominenter Keyspeaker aus der Blogger-Szene, der mit seinem Impulsvortrag die Abende einleitete. Neben der Diskussion über das Blog selbst, wurden Bloggern und Influencern die vorproduzierten Podcasts als Preview vorgestellt. Auch ein Vorstandsmitglied der Gothaer nahm an den Events teil und zeigte damit, was in vielen Unternehmen immer noch nicht alltäglich scheint: Akzeptanz und Unterstützung neuer digitaler Kommunikationswege von höchster Stelle.

Das Blogger-Event in Köln

Das Blogger-Event in Köln

Die Diskussionen und Reaktionen der eingeladenen Blogger zeigten, dass die Rechnung aufging. Das Feedback gestaltete sich in allen drei Städten als sehr hilfreich und nahezu durchweg positiv: „Toll, dass sich eine Versicherung so transparent und anfassbar zeigt“, „So wird eine Versicherung menschlich!“. Die wenigen kritischen Stimmen meinten: „Konzentriert euch eher auf Versicherungsthemen – was hat denn eine Versicherung mit Google Glass zu tun?“ oder „Die Podcasts müssen gar nicht so professionell produziert sein!“ – allesamt hilfreiches Feedback, mit dem man das Blog weiterentwickeln und ein leserorientiertes Feintuning vornehmen konnte.

Zielbewusst: Bilanz ziehen

Nach einem Jahr »Blogbetrieb« fällt die Bilanz durchweg positiv aus. Das Themenfeld »Versicherung« zieht sich als roter Faden durch den Blog, ohne dass dies zu dröge wirkt. Es werden regelmäßig Artikel zu durchaus unterschiedlichen Themen veröffentlicht – größtenteils werden aber versicherungsnahe Themen behandelt. Beiträge mit Ratgeberthemen und hohem Informationsgehalt oder über Mitarbeiter und ihre speziellen Aufgaben wie beispielsweise dem Versicherungsdetektiv Timo Heitmann haben sich als diejenigen erwiesen, die den größten Zulauf besitzen.

Die Besucherzahlen und Seitenaufrufe entwickeln sich mehr als zufriedenstellend, Gothaer2Know ist mit durchschnittlich zwei bis drei Kommentaren pro Artikel einer der meist-kommentierten Versicherungsblogs in ganz Deutschland. Viele der Beiträge stammen von Mitarbeitern der Gothaer, die aus unterschiedlichen Bereichen und Ebenen kommen – der Blog ist also auch intern angekommen.

Fazit

Ein Blog kostet Zeit. Diese Investition muss entweder intern durch eigene Mitarbeiter oder durch externe Hilfe geleistet werden. Und: Die Zeitspanne, die verstreichen kann, bis ein Blog interaktiven Charakter bekommt und sich Leser daran beteiligen, ist gerne mal größer als bei sozialen Netzwerken. Deshalb lautet das A und O, bevor es losgehen kann: Es bedarf einer klaren Idee und Strategie, Ausdauer und Durchhaltevermögen und vor allem auch ausreichend Kapazitäten, damit ein Blog mit einem Mehrwert ausgestattet ein definiertes Ziel erreichen kann.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in ungekürzter Fassung in der Fachzeitschrift »Versicherungs-Betriebswirt«.

By | 2016-07-06T09:51:33+00:00 1. Juli 2014|Categories: Beratung, Contentpflege, Social Media, Versicherungen|Tags: |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

2 Kommentare

  1. Conny 22. Juli 2014 um 20:14 Uhr

    “Alltagsnahe Informationen” das hört sich doch schon mal gut an! Die richtige Zielgruppe finden, Themen aus dem Alltag finden und los gehts…. Einfach schreiben über alles, was ein Versicherungsunternehmen bewegt und vor allem, welchen Fragen könnte meine Zielgruppe haben? Ich freue mich auf interessante Geschichten.

    Herzliche Grüße
    Conny

  2. John Pierre Galrao 21. Oktober 2014 um 8:48 Uhr

    Sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür.

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