BVM-Kongress 2008

Angesichts der Tatsache, dass alles, was man ins Internet schreibt, auf ewig auffindbar sein wird, sollten eine Woche Verzug, während der ich nicht dazu gekommen bin, etwas über den BVM-Kongress zu schreiben, nicht allzusehr ins Gewicht fallen. (Wäre es uns ums zeitnahe Berichten gegangen, hätten wir ja eh nichts so Lahmes wie unser Blog nutzen dürfen, sondern twittern oder qiken müssen.)

Der zeitliche Abstand zum Ereignis hat zudem den Vorteil, dass die Erlebnisse sich verdichten zu zentralen Erinnerungen, die da wären:

… eine große inhaltliche Breite der Beiträge – vom (unvermeidlichen) Neuromarketing bis hin zum Longtail

… ein japanischer Professor, dessen Laboraffen lieber YouTube gucken anstatt Erdnüsse zu essen und der statt der Verheißung, der Hirnscanner würde demnächst alle Probleme der Marktforschung lösen, saubere Schlüsse aus der Grundlagenforschung zieht (z.B., dass wesentliche Teile von Entscheidungsprozessen unbewusst verlaufen)

… einige Vorträge, die mich wieder an die Uni zurückversetzt haben. Und das meine ich positiv. Wann hat man sonst noch einmal Gelegenheit, einen wissenschaftlich sauberen Vortrag über die Psychologie der “Base Rate Fallacy” und ihre Auswirkungen auf das Entstehen von Themen im Web 2.0 zu hören?

… eine in einigen Vorträgen erkennbare frappante Passung zwischen gewählter Methode/Design und den Wunschergebnissen der Auftraggeber

… ein extrem unterhaltsamer Vortrag von Stephan Grünewald mit einigen extrem steilen Thesen (“Die Siebzigjährigen sind ja alle im Internet”, “Für die Jugendlichen sind Handys ja mittlerweile uninteressant”)

… ein Vortrag über Webmonitoring (von Prof. Fank), bei dem man den Eindruck hatte, dass er wirklich weiß, worüber er spricht und glaubhaft auch auf die Probleme und Grenzen dieser Methode eingeht, anstatt Schlagworte zu verbreiten und zum hundertsten mal die Paradebeispiele aus der englischsprachigen Webwelt zu wiederholen (Menthos und Coca Cola! Kryptonite! iPhone! Nike!)

… das Bewusstsein, auf der selben Bühne vorgetragen zu haben, auf der demnächst Alanis Morissette klampfen wird

… der feste Vorsatz, den nächten Vortrag nicht mit klebender Zunge zu beenden. Auch wenn das bedeutet, eine Pause zu machen, um vor Publikum demonstrativ eine Wasserflasche zu entkapseln.

Für die, die nicht dabei waren, aber wissen möchten, was wir zur “Generation Gap 2.0” zu berichten wissen, habe ich das zentrale Ergebnis im Bild zusammengefasst.

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Wenn das Web-2.0-Fieber erst einmal ausgebrochen ist, droht es auch bei Nutzern der älteren Generation alle Lebensbereiche zu erfassen. (Illustration Thilo Trump)

Wer es noch genauer wissen will, kann sich hier und jetzt auch die Charts ansehen:

By | 2008-06-16T13:09:22+00:00 16. Juni 2008|Categories: Internet, result|Tags: , , |

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