Blogs finden wir gut, weil …

… sie die Vielfalt des individuellen Bedarfs und der Interessen von Menschen fernab der klassischen Medienangebote abbilden und dieser entsprechen. So oder so ähnlich müsste die Zusammenfassung zum folgenden Blogpost anlässlich einer Blogparade der R+V Versicherung lauten.

Während in den vergangenen Wochen immer wieder kritische Stimmen über den Sinn oder auch Unsinn von Blogs im eigentlichen oder aber Corporate Blogs im besonderen zu lesen waren, denke ich: Blogs sind keine Notwendigkeit, sondern schlicht und ergreifend konsequenter Ausdruck eines (technisch bedingten, aber auch gesellschaftlich vollzogenen) Wandels in der Bereitstellung von Informationen, die die klassischen Medien uns aus welcherlei Gründen auch immer so nicht liefern. Blogs unterstützen uns, über den Tellerrand hinauszuschauen, sie helfen dabei, Meinungsvielfalt zu einem Thema aufzuzeigen oder diese überhaupt erst einmal herzustellen – und das über alle Grenzen hinaus. Ja, und manchmal dienen sie auch einfach der reinen Unterhaltung. Während einige meiner Kolleginnen und Kollegen Blogs für rein private Interessen nutzen, schöpfen andere aus ihnen neue Impulse für den beruflichen Alltag – oder auch beides. Das zumindest ergab meine (sicherlich nicht repräsentative!) Umfrage im Team auf die Frage: »Welche Blogs lest Ihr und warum?«

Janine Anyiam-Kamman (Marketing):

Ich lese eigentlich nur Blogs, die meinen Hobbys entsprechen. So zum Beispiel pattydoo, ein Näh-Blog, das als privates Blog gestartet ist, nun aber als Corporate Blog für eine kleine Firma fungiert. Hier finde ich alle Nähanleitungen und Tutorials besonders interessant. Ich hole mir Anregungen und lerne etwas über Stoffe, Schnitte und Fachbegriffe. Natürlich unterstütze ich das Ganze mit dem stetigen Kauf neuer Schnittmuster.

Andreas Bullik (Online-Marketing/Online-Redaktion):

Beruflich lese ich gerne Smashing Magazine und das Blog Content Marketing InstituteEin von mir privat favorisiertes Blog ist spielverlagerungDie Gründe, warum ich gerade dieses Fußballtaktik-Blog so toll finde, sind die gleichen, weswegen ich auch viele andere „Special-Interest-Blogs“ mag: Die Art, wie dort die Themen Fußball, Fußballspiele und Fußballtaktik behandelt werden, fehlte bisher in der Fußball-Medienlandschaft Deutschlands. Das Gleiche trifft auch bei Comics, Filmen/Serien, Medien(-kritik) oder auch Politik zu. In dem Fall war ich einfach dankbar, dass Leute angefangen haben, wirklich fachmännisch und mit riesigem Eifer über Fußball zu schreiben – insbesondere, da ich von herkömmlichen Fußball-Journalismus von Jahr zu Jahr mehr enttäuscht, gelangweilt oder genervt bin. Außerdem gibt es eine qualitativ sehr hochwertige Kommentar-Kultur, fast alles läuft konstruktiv ab, Beleidigungen oder Rechthaberei fehlen eigentlich komplett.

Johannes Mirus (Marktforschung/Beratung)

Meine drei Favoriten:

wirres.net
Felix Schwenzel ist ein Urgestein unter Deutschlands Bloggern und versorgt die Blogosphäre beinahe täglich mit Informationen zu den Themen, die aktuell wichtig sind oder wichtig sein sollten. Manchmal holt er auch ein wenig weiter aus. Dabei bewahrt er stets Haltung, die man nicht immer teilen, aber auf jeden Fall anerkennen muss. Ich habe mal woanders geschrieben: Wer wissen will, was zurzeit wichtig ist, bleibt nur mit dem Lesen von wirres​.net auf dem Laufenden.

Basic thinking
Im Gegensatz zu vielen anderen Blogs im Bereich Social Media gelingt dem Portal der Spagat zwischen Aktualität und eigener Meinung. Es gibt nicht viele Einträge pro Tag, dafür aber fundierte Informationen und Einschätzungen zu den wichtigen Themen.

What if?
Ran­dall Mun­roe beant­wor­tet Leser­fra­gen aus­führ­lich und kom­pe­tent, haupt­säch­lich aus dem physi­ka­li­schen Bereich. Der xkcd-Macher kann das so gut, anschau­lich und humor­voll, dass man am Ende des Tex­tes sogar etwas gelernt hat.

Sabine Haas (Geschäftsleitung)

Wenn ich benennen soll, welche Blogs mir besonders am Herzen liegen, dann muss ich das in jedem Fall themen- und situationsbezogen tun:

Wenn ich lachen möchte, …
… dann ist klar, wo ich nachschaue: beim Postillion. Obwohl ich natürlich nicht immer gleich amüsiert bin von den Postillion-Beiträgen, sind ganz viele dabei, die finde ich wirklich großartig. Somit lohnt sich auch immer wieder der Blick auf dieses Blog.

Wenn ich was über Journalismus lernen oder guten Journalismus erleben möchte, …
… dann bin ich garantiert immer gut aufgehoben bei Gutjahr. Er hat eine wunderbare, für mich sehr gut lesbare »Schreibe«. Er hat alles, was er journalistisch aufbereitet, solide recherchiert. Er hat einen guten Blick für Trends und Entwicklungen in der Medienbranche. Er ist persönlich, glaubwürdig, und ich finde ihn nett. Er sei hiermit sehr empfohlen!

Wenn ich etwas zu Onlinemarketing suche, …
… dann finde ich Infos auf Augenhöhe für mich als Mittelstandsunternehmen in jedem Fall auf dem Onlinemarketing-Blog der IHK Mittlerer Niederrhein. Hier kann man auch wunderbar kommentieren, Themen hinterfragen und in den Dialog treten. Mein persönlicher Tipp vor allem, aber nicht nur für Einsteiger in dieses Thema.

Wenn ich etwas rund um das Thema Netzwerken, Social Media und Arbeitswelt suche, …
… dann lohnt immer mal wieder der Blick auf Systematisch Kaffeetrinken. Zwar habe ich dort keine eindeutige „Themengarantie“, sicherlich aber immer wieder neue Perspektiven und spannende Einblicke. Die Beiträge sind persönlich und anregend, der Autor ist immer nah dran am Menschen – dank systematischem Kaffeetrinken.

Wenn ich mich auseinandersetzen, auch mal widersprechen und mich reiben möchte, …
… dann reise ich ins Lummaland. Viele gute Ideen, viel Impetus, viel viel Meinung, immer Esprit und Offenheit – das sind die Stärken dieses Blogs. Man muss ihm durchaus nicht immer zustimmen, um ihn zu mögen. Sein Umgang mit Kritik ist lobenswert souverän.

Wenn ich Service-Themen rund um Mobilität oder demografischen Wandel suche, …
… dann tummle ich mich gerne auf den Blogs der Versicherer ERGO oder Gothaer. Die Schreibe auf beiden Blogs ist ansprechend, die Themenvielfalt groß und durchaus mit echten Perlen darunter.

Wenn ich eine fundierte Kritik zu einer Opern-Inszenierung suche, …
… dann hoffe ich, Richard Lorber hat diese Oper auf seinem Opernblog behandelt. Das ist leider nicht immer der Fall. Wenn ja, dann fühle ich mich bestens informiert  auf differenzierte, fundierte, sachliche Weise – wenngleich auch manchmal vielleicht ein wenig zu nett. 

Und ich selbst?

Neben den rein beruflich häufig frequentierten Blogs von PR Doktor Kerstin Hoffmann und Annette Schwindt, die in meinen diversen Timeslines sehr präsent sind und regelmäßig (!) interessante Diskussionen anstoßen oder praktische Tipps posten, lese ich unter anderem sehr gerne den thematischen Gemischtwarenladen privater Blogs meiner (Ex-)Kolleginnen und (Ex-)Kollegen. So zum Beispiel das (irgendwie persönliche und doch nie zu viel preisgebende) Tagebuch von Johannes Mirus (Anknüpfungspunkte für Mittagspausengespräche garantiert!), das (in neuer hübscher Blüte befindliche) Blog von Rouven Kasten, das inspirierende Musik-Blog meines IT-Angels Dimitri Sardis, das manchmal leicht verstörend (Ich sage nur: »Mettbowle«!) bis kurzweilig daher kommende Ehefrauen-Mutter-Alltags-Episoden-Blog von Katharina Rohlfing oder das wiederbelebte (Praise!) trotzendorff-Blog von Florian Blaschke (unbedingt die Geschichte mit den drei kleinen Koffern lesen!). Ansonsten bin ich gerne unterwegs auf Blogs, die sich mit den Themen »Design«, »Gesellschaft«, »Zeitgeist« beschäftigen – je nachdem, was mich gerade interessiert, wozu ich neuen Input jenseits von klassischen Medienangeboten suche. Langgediente Favoriten gibt es da weniger. Ich verstehe meine Reisen durch die Blogosphäre eher als einen Ausflug mit offenem Ausgang nach dem Stöckchen-Ästchen-Prinzip. Meine Neuentdeckung dank Virenschleuder-Nominierung ist das Blog von Jo Lendle mit seinen hübschen Gedankensplittern und seinen mir bislang nur über Facebook bekannten Briefen an einen großen Telekommunikationsanbieter, die er darauf zum Besten gibt. Da komme ich in Stöberlaune. Schade, dass Google kürzlich die Blogsuche eingestellt hat und sich damit das Auffinden von Blogs aufwendiger gestaltet. Für mich sind Twingly und IceRocket bislang keine echten Alternativen. Weshalb ich hoffe, es ist etwas dran an der viralen Gerüchteküche, dass die gute alte MetaGer hier bald etwas bietet.

By | 2015-07-16T10:00:55+00:00 17. September 2014|Categories: Allgemein, Digitaler Wandel|Tags: |

Über den Autor:

Alexa Brandt
Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung des Bereichs Agentur.

3 Kommentare

  1. […] erklärt Aljoscha Laschgari, und sie sind unterhaltsamer und informativer als Fernsehschauen. Alexa Brandt schreibt, dass Blogs die Vielfalt des individuellen Bedarfs und der Interessen der Menschen […]

  2. Lars Hahn 17. September 2014 um 22:10 Uhr

    “… dann lohnt immer mal wieder der Blick auf Systematisch Kaffeetrinken. … eine eindeutige „Themengarantie“, sicherlich aber immer wieder neue Perspektiven und spannende Einblicke.”
    Sabine, ich bin echt gerührt. Danke für diese nette Empfehlung. Das trifft ganz meine Absichten.

    Dafür ist dieses Blog eines der wenigen Corporate Blogs, das ich gern lese, sogar per RSS im Abo.

  3. Tanja Neumann 22. September 2014 um 13:58 Uhr

    Danke für die interessante Liste und Beschreibungen zu den Blogs. Wir haben selbst noch “neues Lesefutter” gefunden und freuen uns sehr über die Aufnahme in dem Blogartikel.
    Beste Grüße, Tanja Neumann

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