Wenn ich die Stichworte „Zukunft Blogs“ in einer Blogparade lese, dann kann ich nur schwer daran vorbeigehen. Sowohl Corporate und als auch private Blogs sind mir immer ein besonderes Anliegen gewesen, da sie für mich einen echten Mehrwert gegenüber klassischen Medienangeboten darstellen. Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich daher bei der Blogparade von Katrin Hilger mitgemacht und einem Beitrag mit dem Titel „Warum Blogs wichtig sind“ geschrieben.

Jetzt wurde erneut zu einer Blogparade aufgerufen. Diesmal von Meike Leopold unter dem Titel „Das Blog – ein Medium von gestern?“ Ich könnte dazu nun wieder Ähnliches schreiben wie vor einem Jahr, glaube aber ehrlich gesagt, zum Thema Sinn und Nutzen von Blogs ist inzwischen schon mehr oder weniger alles gesagt. Dennoch möchte ich mich an der aktuellen Blogparade beteiligen. Nicht mit der Frage, ob Blogs eine Zukunft haben, denn das ist für mich genauso wenig ein Thema wie die ständige Diskussion über den Tod des Radios. Vielmehr möchte ich gerne einen Schritt weitergehen und die Frage stellen, wie Blogs künftig besser davor „geschützt“ werden können, in den Tiefen des Netzes einfach zu verschwinden.

Wie bleiben Blogs sichtbar?

Wenn ich die Artikel der vielen Expert*innen lese, die die Erfolgsfaktoren von Blogs aufzeigen und analysieren, dann liegen die Schwerpunkte meist im Bereich Content-Qualität und Positionierung. Das sehe ich auch so: Blogs müssen fokussiert und gut sein, um die Leserschaft zu erreichen und sich im Wettbewerb zu behaupten. Aber leider reicht das allein bei Weitem nicht aus. Es gibt eine ganze Reihe an ausgezeichneten Blogangeboten, die trotz hochwertiger Inhalte so gut wie unsichtbar bleiben. Vor allem, wenn kein kommerzielles Interesse bei den Bloggenden vorliegt, ist die Sichtbarkeit häufig sehr gering – unverdienterweise.

Wenn wir Blogs schätzen und behalten wollen, dann müssen wir alle dafür sorgen, dass sie besser gefunden werden. Aber es ist wie schon bei Brecht in der Dreigroschenoper formuliert: „Die einen stehen im Dunkeln, die anderen stehen im Licht.“ Im Licht, das bedeutet auf Seite 1 von Google. Da finden sich die großen, mächtigen Medienangebote und die immer gleichen Dauerbrenner. Da finden sich aber so gut wie nie die kleinen feinen (und werbefreien) Nischenprodukte.

Das können wir tun

Was können wir also außer regelmäßigen Blogparaden tun, um Blogs aus ihrer Unsichtbarkeit zu holen? Sicher können wir nur wenig am Google-Ranking ändern, aber es gibt durchaus ein paar kleine Hebel, die wir als Blog-Liebhaber bewegen können. Ich habe mir vorgenommen, die folgenden Möglichkeiten künftig stärker zu nutzen:

  1. Andere Blogs auf dem eigenen Blog vorstellen

Die Blogroll ist inzwischen – zu Recht – etwas aus der Mode gekommen. Aber im Rahmen von Artikeln andere Blogangebote vorzustellen und für diese zu werben, ist immer noch eine gute Möglichkeit, Sichtbarkeit herzustellen. Wir haben uns jedenfalls vorgenommen, künftig stärker auf Nischen-Blogangebote, die uns gefallen, hinzuweisen und ihnen auf unseren Seiten Raum zu geben, sich selbst vorzustellen.

  1. Blogs öfter auf Twitter zitieren

Twitter war früher ein wunderbares Medium, um raren Content zu entdecken und auf diese Weise auf wirklich neue Inhalte gestoßen zu werden. Inzwischen kursieren auf dem Kurznachrichtendienst fast immer dieselben bekannten Nachrichten und Aufreger im Dauerloop. Es wird auch schnell deutlich, dass man Likes und Shares eher dann bekommt, wenn man sich im Mainstream bewegt, als mit der Verbreitung von Randthemen. Ich möchte mich dem künftig weniger anpassen und wieder verstärkt Blogartikel twittern, auch wenn sie nicht den Trends entsprechen.

  1. Kooperationen mit Kunden herstellen

Als Digitalagentur sind wir immer wieder für unsere Kunden aufgefordert, Kooperationspartner*innen, Expert*innen oder spannende Netzpersönlichkeiten „aufzutun“.  Auch hier gilt: Es sind nicht immer die bekanntesten Namen, die das meiste zu bieten haben. Wir haben schon häufig gute Erfahrungen damit gemacht, exzellente Bloggerinnen und Blogger, die weder über riesengroße Reichweiten noch über besondere Bekanntheit verfügen, mit unseren Kunden zu vernetzen. Es zahlt sich meist aus.

  1. Geld für Blogbeiträge spenden

Einige Blogs bitten aktiv darum, ihre Angebote mit einer Spende zu unterstützen. Ich finde das legitim. Wenn sie werbefrei sind und bleiben wollen, benötigen sie dennoch Geld für Werbung und SEO. Gerne spende ich für die Beiträge, die ich lese, einen entsprechenden Betrag. Ich weiß nicht, wie gut das Spendensystem auf Blogs funktioniert, für mich ist es eine Möglichkeit, kleinere Blogs aktiv zu unterstützen.

Wie gesagt, es sind nur kleine Hebel. Aber wenn wir alle mitmachen, müsste sich doch was Großes daraus machen lassen. So funktioniert das doch mit dem Netz, oder?