Behavioral Targeting oder: Wenn’s perfekt ist, ist’s gar nicht mehr perfekt

Vorweihnachtszeit, Ausfall eines Großgerätes der Kategorie Braune Ware und Schuhe – Schuhe brauchte ich auch noch. Was macht Matthias? Matthias googelt, surft von Anbieter zu Anbieter, liest auf Verbraucherportalen unzählige Tests, klickt Banner an und und und …

Dass Matthias fortan im Internet Werbung ohne „Streuverluste“ sehen darf, ist weder verwunderlich, noch ehrenrührig, schon gar nicht völlig neu. Verbraucher werden mit passgenauer Werbung bedient, die mit ihrem Nutzungsverhalten im Web übereinstimmen. Nicht nur einstellungsadäquat, nein, sondern verhaltensadäquat. Ich ziehe den Hut. Dafür müssen wir Marktforscher mitunter bekanntlich konzeptionell „weite Wege“ gehen, um in anderen Fragestellungen Daten dieser Güte zu generieren. Was hab ich also zu meckern?

Liebe Leser, kennt Ihr das Gefühl? Der Browser ist voll mit passender Werbung. Alles, aber auch alles, was Euch da werblich entgegentritt, entspricht Euren Interessen? Wie fühlt sich das an? Für mich erst mal etwas spooky. Ich fühle mich gläsern, leicht unangenehm. Aber da ist noch mehr. Ich fühle mich wirklich nicht gut. Warum denn bloß? Interessensadäquate Infos tun doch nicht weh, eigentlich doch im Gegenteil.

Nach einer kleineren Selbstexploration komme ich drauf: Die Nachkauf-Dissonanzen sind es. Ich habe das Großgerät gekauft. Nach dem Kauf suche ich ausschließlich bestätigende Nachrichten. Ich will doch nicht sehen, dass es noch andere tolle Geräte gegeben hätte, jetzt, wo ich „investiert“ habe. Anderes Beispiel: Mein Interesse an der bunten Vielfalt möglicher Urlaubsziele geht doch auf ganz weit unter Null, sobald ich gebucht habe. So sicher kann sich doch kein Mensch in seiner Wahl sein …

Also irgendwie perfekt und dennoch nicht völlig befriedigend. Wenn man beim Behavioral Targeting die Informationen über einen realisierten Kaufakt noch einspeisen könnte – jedenfalls dann, wenn es nicht bloß um [kastooltip msg=“FMCG“ tooltip=“Fast Moving Consumer Goods (FMCG), also Schnelldrehende Produkte oder Renner, sind laut Wikipedia Warengüter, die schnell im Verkaufsregal wechseln beziehungsweise rotieren.“]-Käufe geht – werden ich und vielleicht auch ein paar andere im Netz mehr Freude haben. Ob das jetzt auch für Schuhe gilt, ist Geschmacksache. Möglicherweise auch Sache des Geschlechts. Aber das ist nur laut gedacht.

Von | 2011-02-04T13:22:26+00:00 4. Februar 2011|Kategorien: Internet|Tags: , , |

Über den Autor:

Jan-Peter Lambeck

Ein Kommentar

  1. sabinehaas 4. Februar 2011 um 17:14 Uhr

    Dazu fällt mir noch das Stichwort „Reduzierung“ ein. Ich möchte vom Netz nicht auf den „Kühlschrank-Käufer“ in mir reduziert werden. Das erlebe ich auch bei Amazon. Blöde alte Serie auf DVD gekauft, dazu Kinder-Bilderbücher. Wenn ich die Seite das nächste Mal öffne, bin ich mir irgendwie peinlich… So als würde ich den ganzen Tag alte Serien und Bilderbücher sehen wollen..

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