Onliner: Alles eine Frage der Definition

Einmal jährlich werden neue Zahlen zur Internetpenetration verkündet. Es existieren mehrere Quellen, ausgeprägte Diskrepanzen sind nicht zu erkennen. Wir wissen also, wie viel Prozent „Onliner“ für das Jahr 2011 für die Bundesrepublik gemessen wurden. Dies sei vorab zugestanden. Ich kenne auch niemanden, der die präsentierten Zahlen für falsch hält oder von sich sagt, er oder sie habe gar bessere.

Bildquelle: CC-BY mikecogh | flickr.com

Andererseits besteht die Aufgabe des Markt- und Medienforschers ja darin, ein wenig genauer hinzusehen beziehungsweise etwas tiefer einzusteigen. Gelegentlich misst man ja auch selbst. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie viel Online-Aktivität man denn vorweisen muss, damit man seinen „Offliner-Status“ verliert und in die Gemeinschaft der „Onliner“ hinüberwechseln darf. Jemanden persönlich zu kennen, der online ist, reicht sicher nicht. Vor Jahren mal kurz „drin“ gewesen zu sein, auch nicht. Die Frage was reicht und was nicht, lässt sich nur per Definition vereinbaren. Definitionen haben aber den Charme, nicht wahr oder unwahr sein zu können. Und dass die Definition ein Hebel für das gemessene Ergebnis ist, braucht auch nicht weiter erläutert zu werden. Der Charme der Definition verblasst aber in genau der Sekunde, in der man zum Beispiel feststellt, dass die gewählte Definition des „Onliners“, genauer gesagt die untere Abschneidegrenze, nicht öffentlich zugänglich ist. Dann kann der Rezipient der Internetpenetrations-Botschaft nur noch hoffen und glauben – mehr nicht. Ihm wird die Möglichkeit genommen, die Aussage der Kennziffer präzise zu interpretieren.

Um jetzt bloß keine Verwechslungen aufkommen zu lassen: Die von der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 veröffentlichten 73,3 Prozent meine ich damit nicht. Die Quelle benennt groß und unmissverständlich „gelegentliche“ Onlinenutzung. Ich finde das vorbildlich und denke, das müsste auch immer so sein, wenn Messzahlen auf Definition beruhen und gleichzeitig Publizität für sich in Anspruch nehmen.

Von | 2011-09-19T09:56:51+00:00 19. September 2011|Kategorien: Medienforschung, Neue Medien, Web, Social Web & Mobile|Tags: , , , , , , |

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Jan-Peter Lambeck

2 Kommentare

  1. […] ARD/ZDF-Onlinestudie: Alles eine Frage der Definition » Von Matthias Busse » result blog: Andererseits besteht die Aufgabe des Markt- und Medienforschers ja darin, ein wenig genauer […]

  2. Matthias Busse 20. September 2011 um 14:45 Uhr

    Vielleicht noch zur Ergänzung, da es einige Nachfragen gab: Ja, es gibt neben der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 noch weitere Quellen, die den Onliner-Anteil messen. Mir geht es aber gar nicht darum, anzuklagen, sondern nur um die Bereitschaft entscheidende Definitionen in breit publizierten Untersuchungen auch offenzulegen.

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