Ändert sich der Begriff der Glaubwürdigkeit für die Generation 2.0?

In unseren Studien zu Web 2.0 machen wir eine interessante Beobachtung: Während „ältere“ User (Generation 1.0) Inhalte im Netz sehr stark nach dem Kriterium der „Glaubwürdigkeit“ auswählen, haben junge Nutzer (Generation 2.0) eine völlig andere Vorgehensweise: Die Authentizität, der Spaßgehalt oder auch die Qualität des Beitrages selbst sind entscheidend dafür, was akzeptiert wird oder nicht.

Ein Beispiel: Ältere User ziehen Informationen gerne aus Online-Auftritten mit einer „glaubwürdigen“ Quelle, so z.B. Spiegel-Online, Tagesschau-Blog etc. Jüngere gehen an die im Internet vorhandenen Quellen zunächst ganz undifferenziert heran und sichten die Inhalte. Sind diese überzeugend oder machen sie Spaß (wie z.B. You-Tube-Videos), dann werden sie z.B in Referaten für die Schule ungeprüft verwendet.

Möglicherweise zeigt sich in diesem Unterschied eine Reaktion der „Nutzer 2.0“ auf die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung der Informationen. Da es immer schwerer wird, nachzuprüfen, ob Berichte auf Tatsachen basieren und die Verfremdung, Verfälschung und Bearbeitung von Medieninhalten immer einfacher möglich ist, verlieren die Aspekte Realitäts- und Tatsachenbezug bei der Bewertung von Medieninhalten in vielen Bereichen an Bedeutung.

Überspitzt formuliert: Wenn die Story Spaß macht oder gut erzählt ist, warum ist sie dann nicht auch wahr? Oder frei nach Wittgenstein: Wahr ist ganz einfach das, was (im Internet) der Fall ist.

By | 2008-07-11T12:30:11+00:00 11. Juli 2008|Categories: result|Tags: , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

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