Absolute Mehrheit verfehlt – Meinungsdusche zu Stefan Raabs neuer Polit-Show

Am vergangenen Sonntagabend ging Stefan Raab erstmals mit einem neuen Format des Polit-Talks on air. Die Ankündigung zur Sendung hatte bereits im Vorfeld die Kritiker heraufbeschworen. Und auch gestern, einen Tag nach der Erstausstrahlung, scheint die Sendung in den Berichterstattungen der klassischen Medien von einer Sympathie-Mehrheit weit entfernt.

“‘Absolute Mehrheit’ lieferte anderthalb substanzlose Stunden”, heißt es beispielsweise in der TV-Nachlese von RP Online. Obgleich das zuvor erwartete Veralberungsgeplänkel der Politiker vor Ort ausgeblieben sei, hätte Raab mittels musikalischem Einstand und kuschligem Interieur klar gemacht, dass es sich um eine Unterhaltungsshow und keinen harten Polit-Talk handle. Und auch wenn manche Scherze “gar völlig neben der Spur” waren, so bliebe, laut RP online, immerhin doch die spannende Frage, inwieweit ein solches Experiment das Format Polit-Talkshow neu erfinden könne.

Bei spiegel online fällt das Urteil noch ein wenig härter aus: Raab kopiere sich nur noch selbst und schaffe eine weitgehend sinnfreie Show. Während die großen Parteien nur ihre Zweitbesetzung schickten, verzichteten Piraten und Grüne offenbar lieber gleich ganz, am Raabschen Polit-Zirkus mitzuwirken. Verwunderlich bliebe da allerdings, dass die verbale Entgleisung Raabs hinsichtlich Philipp Rösler bei den Gästen nicht auf Empörung stieß, sondern wirklich alle trotz allem versuchten, “gute Laune zu demonstrieren” – im Fazit also eine Sendung ohne Scheu und Rücksicht.

Zirkus

(Bildquelle: (CC BY-NC 2.0) I Travelswiss1 on flickr.com)

Das Urteil der Süddeutschen Zeitung ist geradezu vernichtend. “Die Anti-Talkshow”, titelte man beim Review zur Sendung. Denn das Prinzip von “Absolute Mehrheit” sei wie alle Raab-Sendung auf eines ausgerichtet: Wettbewerb. Und damit sei auch schon klar, worum es am Ende eigentlich ginge: “(…) natürlich um die Quote.”

Lediglich gut weg kommt Raab bei n24.de. Dort ist man der Ansicht: “Der Brachialkomiker hat sich in der Jauch-Rolle gar nicht schlecht geschlagen.” Insgesamt sei der “eher popkulturell vorgebildete Raab überraschend gut im Stoff, ohne dabei gleich zur Faktenschleuder zu werden.”

Und wie ist der Widerhall aus der Blogosphäre? Gibt es dort eine absolute Mehrheit für oder gegen Raab? Auch hier begegnen viele dem Format eher kritisch. Im Folgenden drei prägnante Zitate aus dem Meinungspotpourri:

“Jeder Stammtisch hat da bessere und detailliertere Fragestellungen zu bieten.”

“Raabs Sendung war locker, frech und vielleicht etwas albern. Doch eines hat der Entertainer geschafft: Er hat den deutschen Polit-Talk wachgerüttelt!”

“Politische Kommunikation wie im Kindergarten: ‘Absolute Mehrheit’ auf PRO7.”

Und in den sozialen Netzwerken? Welche Reaktionen rief die Sendung zum Beispiel auf Twitter hervor? Die Rhein-Zeitung sowie Fiete Stegers haben es hübsch gestoryfied.

Aus all dem lässt sich meiner Ansicht nach eines herauslesen: “Absolute Mehrheit” ist kein Politik-Talk, wie man ihn gewohnt ist, und auch keiner, der eine ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit politischen Inhalten bewirken kann oder wird oder auch will. Aber es wäre ein Fehler zu glauben, dass Raab bei seinem Zielpublikum mit dieser Form von Politmeinungszirkus scheitern wird. Ich schaue jedenfalls mit Spannung auf die Quoten der nächsten Folge.

Von | 2015-07-16T13:06:09+00:00 13. November 2012|Kategorien: Allgemein, Fernsehen, Fernsehformate|

Über den Autor:

Alexa Brandt
Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung des Bereichs Agentur.

2 Kommentare

  1. Detlev Brechtel 15. November 2012 um 2:21 Uhr

    Erstaunliche Verdrehung hier. Der verlinkte Artikel aus der “SZ” ist keine Besprechung der Sendung, sondern eine Vorab-Geschichte. Also bestenfalls ein Preview statt Review. Im tatsächlichen Besprechungstext der “SZ” kommt nämlich eine wohlwollende Sicht der Dinge zustande – nix mit vernichtendem Urteil. Es macht schon immer ein wenig Sinn, vor dem Verlinken und Urteilen auch die Texte zu lesen…

  2. Alexa Brandt
    Alexa Brandt 20. November 2012 um 17:26 Uhr

    Sehr geehrter Herr Brechtel,
    Sie haben völlig Recht! Da ist mir ein Fehler unterlaufen, war in der Tat ein Preview, kein Review-Artikel. Vielen Dank für den Hinweis.

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