4. Teil der Interviewreihe „Social Media Trends 2012“: Lars Wienand von der Rhein-Zeitung

Neben Verlagen, Verbänden und Unternehmen sind es auch die Zeitungen, die ihre Aktivitäten im Social Web ausgebaut haben. Ich hatte die Gelegenheit, mit Lars Wienand, der bei der Rhein-Zeitung die Social-Media-Kanäle betreut, über die Social Media Trends 2012 zu sprechen.


Christine: Wohin wird sich Social Media aus deiner Sicht 2012 entwickeln?

Lars Wienand: Wenn ich das verlässlich sagen könnte, hätte ich wohl einen anderen Arbeitsplatz. Im Brustton der Überzeugung antworte ich also: Es wird sich in die Richtung entwickeln, dass Prognosen, die besagen wohin es sich entwickeln wird, noch schwerer werden. Wenn weiter im Wochenrhythmus neue Features bei den verschiedenen Netzwerken auftauchen, begibt man sich mit Abgesängen oder Jubelstürmen hier oder dort auf dünnes Eis. Ich denke aber, dass Google Pluspunkte sammeln wird, weil Google+ einfach gut ist und seine Einbindung in die Google-Infrastruktur Unternehmen dazu bringen wird, die bisher zurückhaltenden Nutzer stärker dorthin zu locken. Wir könnten 2012 Kampagenen sehen, in denen die Google+-Seite beworben wird. Mich würde es aber vor allem freuen, wenn Twitters Deutschland-Offensive auch zu noch mehr Akzeptanz für die 140 Zeichen führen würde.

Christine: Blogger Richard Gutjahr glaubt eine Facebook-Müdigkeit festzustellen. Kannst du das bestätigen?

Lars Wienand: Ich stelle fest, dass „Heavy-Nutzer“ generell von Social Mühdia sprechen – und zugleich bis auf wenige Ausnahmen weiter schwer in allen Netzwerken wirbeln. Ich selbst war nie ein intensiver Facebook-Nutzer und ziehe deutlich mehr Nutzen aus Twitter und kann mir das auch bei Google+ besser vorstellen. Ich glaube, es ist auch eine Sympathiefrage: Jetzt auch noch Google+ – da wäre es ja schön, wenn es dieses Facebook gar nicht gäbe, wo die Diskussionen in der Regel immer ein bisschen flacher ablaufen und der Nutzer besonders plump als Produkt für die Werbewirtschaft behandelt wird. Ich glaube schon, dass da ein Facebook-Überdruss vorhanden ist – aber wenig in konkretes Handeln mündet. Von der Resonanz her bleibt es für mich als Seitenadmin nämlich unverzichtbar – weil eben der allergrößte Teil noch nicht müde ist. Bei uns in der Region ist das sicher noch ausgeprägter: Wir sind ein ländlicher Raum, der mal völlig von Wer-kennt-wen durchdrungen war. Unterm Strich dürften die Normalnutzer hier im Schnitt später angekommen sein als in städtisch geprägten Räumen mit junger Szene.

Christine: Auch Jürgen Vielmeier hat eine interessante These aufgestellt. Seiner Meinung nach wird die Nutzung sozialer Netzwerke zurückgehen, dafür werden aber die privaten Netzwerke mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Was hältst du von dieser Einschätzung?

Lars Wienand: Eine interessante These. Sorry, mir fällt dazu nicht mehr ein. Mit meiner Lebenswirklichkeit hat das wenig zu tun.

Christine: Martin Weigert hat neulich die Leser von netzwertig.com dazu aufgerufen, für ihren Lieblingsonlinedienst aus 2011 abzustimmen. Welche Services haben dich besonders begeistert?

Lars Wienand: Sorry, dass ich mir mit der Beantwortung der Fragen so viel Zeit gelassen habe, und ich jetzt Dropbox einen würdigen Sieger nennen kann. Mein Lieblingsonlinedienst 2011 ist aber der, der es auch 2010 war – Twitter. Weil Twitter die Bühne ist, auf der die Dienste Spalier laufen, die sich um den Titel Lieblingsonlinedienst bewerben. Ich bin 2011 so auf prezi.com gestoßen und habe als PPT-Nichtskönner damit schon Zuhörer beeindruckt. Als Journalist mag ich Storify und scoop.it als Tool sehr gerne, Material komfortabel und anschaulich zusammenzubringen. Darüber bin ich ebenso via Twitter gestolpert wie ich dort auf farfromhomepage.com aufmerksam geworden bin, was scoop.it für mich klar in den Schatten stellt. Und eigentlich bin ich von ifttt so angetan, dass ich mich gerade frage, warum ich nicht viel mehr „if-Fälle“ angelegt habe und das wohl gleich tun werde.

Christine:Die Rhein-Zeitung ist eine feste Größe im Social Web und betreibt einen eigenen Blog. Welche Rolle werden Blogs, speziell Corporate Blogs, Deiner Meinung nach in 2012 spielen – bescheinigt doch der ein oder andere Blogs (mal wieder) den baldigen Tod

Lars Wienand: …und der ein oder andere bescheinigt den Return. Ich setze mal voraus, dass es bei der Frage nicht um die grundsätzliche Notwendigkeit geht, auf einer Plattform aktiv zu kommunizieren und Kritik und Lob von Nutzern und Kunden abholen zu können. Ich tue mich aber aus zweifacher Sicht schwer, bei der Frage nach Corporate Blogs den Daumen zu heben oder zu senken. Zum einen fällt es schwer, aus der Warte unserer Blogwelt Corporate Blogs zu kommentieren – weil unsere Blogs ja ein Sammelbecken für die Themenfelder von Kollegen sind und Schmonzetten aus England sehr wenig mit unserem Haus zu tun haben. In meinem Leben spielen aber auch Corporate Blogs keine besondere Rolle. Ich lese, was mich interessiert und was mich über Netzwerke erreicht. Und dafür ist mir herzlich egal, ob es über Facebook oder einen Corporate Blog kommuniziert wird – ich bin da aber auch vielleicht sehr auf Inhalt und wenig auf Form fixiert. Die Auffindbarkeit und Google+ könnten aber ein Argument sein, sich wieder mehr auf einen Corporate Blog zu verlagern.

Christine: Ihr seid mit dem Unternehmen auf vielen sozialen Netzwerken unterwegs. Wird sich an dem Social-Media-Set im nächsten Jahr etwas ändern? Und wenn ja, was und warum?

Lars Wienand: Da lande ich wieder ein bisschen bei Frage 1. Weniger werden unsere Arbeit und unser Engagement sicher. Bei Google+ warten wir auf den Multi-Admin-Account, um da nachhaltiger aktiv werden zu können. Wir haben auch noch gar nicht mit Hangouts experimentiert. Bei Facebook sind wir bislang mit sehr einfachen Mitteln unterwegs. Und dann werden wir vielleicht auch mal versuchen, ob wir nicht z. B. mit Instagram-Nutzern aus der Region etwas aufbauen können. NBCpolitzics.com macht demnächst vor, dass auch Foursquare journalistisch sehr interessant sein kann. Wir werden vieles ausprobieren – und manches auch wieder sein lassen. Mir ist auch nicht bekannt, dass mehr Leute für die Aufgaben eingesetzt werden.

Christine: Vielen Dank für das Interview!

Von | 2011-12-21T08:30:38+00:00 21. Dezember 2011|Kategorien: Social Media|Tags: , , , , , , |

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2 Kommentare

  1. Christine Heller 21. Dezember 2011 um 16:51 Uhr

    Ich bin heute auf einen Beitrag von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (@luebue) auf wuv.de gestoßen, in dem er sechs Thesen und Prognosen für das Jahr 2012 formuliert. „2012: Das Jahr, in dem wir nicht mehr über Social Media reden“, meint er. Nachlesen kann man das hier: http://bit.ly/ukKRgB

    Mirko Lange (@talkabout) hat diesen Beitrag zum Anlass genommen, seine Sicht der Dinge auf Google+ zu schildern. Dabei hat er festgestellt: „dass ich das genaue Gegenteil denke und bin. Denn er verkörpert all das, was ich in der Kommunikation ändern will, und was ich glaube, was die Menschen „ins Verderben“ führt“. http://bit.ly/u1Vv32

    Spannende Diskussion die absolut lesenswert ist.

  2. […] Lars Wienand von der Rhein-Zeitung […]

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