4. Research plus Köln: Big Data hält Einzug in die Wohngemeinschaft

Nur wenige Tage nach der Research & Results in München traf sich die Mafo-Gemeinde am 29. Oktober in Köln wieder – zur 4. Research plus in gewohnter Location. Statt der gewohnten vier Impulsvorträge à 15 Minuten, standen dieses Mal zwei ausführlichere Beiträge auf dem Programm. 

Was Nutella mit der NPD zu tun hat
Den Anfang machte Dr. Klaus Holthausen, seines Zeichens Astrophysiker, der sich inzwischen der Analyse von Big Data verschrieben hat. In seinem Vortrag widmete er sich dem sozialen Genom im Wahlkampf. Die Grundlage für seine Untersuchung bildeten rund 20.000 Facebook-Accounts und deren Fan-Page-Likes. Mittels der Anwendung von Algorithmen ließen sich Zusammenhänge zwischen Wählern einer bestimmten Partei und Marken, Personen, Unternehmen, Medien etc. auf Facebook hergestellen. So lautete eine Erkenntnis, dass beispielsweise NPD-Wähler deutlich häufiger Nutella gelikt hätten als alle anderen. Auch wenn man diese Information noch mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis nehmen kann, machte der Vortrag deutlich, dass sich differenzierte und durchaus interpretativ schlüssige Genome für die einzelnen Parteien aus den Analysen mit Facebook-Entitäten aufzeigen lassen. In der sich anschließenden Diskussion durften Begriffe wie »Datenschutz« und »Repräsentativität der Stichprobe« natürlich nicht fehlen.

data_base(Bildquelle (CC BY-SA 2.0) | mandyberg | flickr.com)
Personal Big Data: vom einfachen Hype bis zur sinnvollen Nutzung
Den zweiten Vortrag mit dem Titel »Quantified Self – Personal Big Data, von der Badezimmerwaage zur Telemedizin« lieferte Jörg Blumtritt von Datarella. Der Kunstbegriff »Quantified Self« beschreibt ein Phänomen, dass man immer häufiger beobachten kann: Die zunehmende Quantifizierung des eigenen Körpers, des eigenen Verhaltens etc. Ein Beispiel im Freizeit- bzw. privaten Bereich ist der Hype um die Jawbone-Armbänder. Wie schlafe ich, wie viel bewege ich mich, was esse ich und – auch interessant – wie stehe ich im Benchmark zu anderen Usern da? Der Erfolg von zahlreichen Jogging-Apps, Essenstagebüchern etc. zahlt ebenfalls auf dieses Phänomen ein. Das Nutzungsziel ist vor allem die Optimierung durch Beobachtung oder Reflexion, aber auch einfach der Vergleich mit anderen. Eine interessante Randnotiz zum Phänomen »Quantified Self«: 90 Prozent der Nutzer sind männlich. Da kann jetzt jeder einmal drüber nachdenken.
Neben dieser »Freizeit-Variante« wurde im Vortrag aber auch deutlich, dass die Erhebung von »personal Big Data« im medizinischen Bereich von großem Nutzen ist: Als Beispiele führte Jörg Blum sogenannte Mood-Tagebücher zur Medikamentierung bei bipolaren Störungen und Urin-Selbsttests an. Hinzu komme, so Blum, der Nutzen dieser Daten in der medizinischen Forschung: Wo zuvor Studien mit 40 Patienten durchgeführt wurden, kann in Zukunft auf eine deutlich größere Datenbasis zurückgegriffen werden.
Meine persönliche Meinung zu diesem Thema: Zum Glück kann bislang noch jeder selbst entscheiden, wie viele seiner Einzelteile er dank der Technik offen legen möchte, was nützlich ist und was Spielerei, was einem wirklich helfen kann und was nur Zeit raubt und ob man wissen möchte, wie gut jemand anderes heute Nacht geschlafen hat.

Vier statt zwei
Alles in allem wieder einmal ein gelungener Abend, der auch über die Veranstaltung hinaus zum Nachdenken angeregt hat. Für zukünftige Veranstaltungen wünsche ich mir allerdings, dass wieder vier statt zwei Vorträge auf dem Programm stehen!

Von | 2015-07-16T12:16:16+00:00 5. November 2013|Kategorien: Allgemein, Forschung, Marktforschung, Social Media Research, Trends, Veranstaltung|Tags: |

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