3. Teil der Interviewreihe „Social Media Trends 2012“: Mike Schnoor vom BVDW

Heike Schmidt ist beim UTB-Verlag für die Betreuung der Social-Media-Kanäle zuständig. Aus ihrer Sicht wird Social Media mehr und mehr zur Normalität. Mit dieser Meinung ist sie nicht alleine. Auch Mike Schnoor, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V., ist dieser Auffassung. Auf seinem persönlichen Blog veröffentlicht er regelmäßig eigene Fachartikel zu Public Relations und Social Media. Im Interview verrät Mike, wie er die Entwicklungen rund um das Thema Social Media für das kommende Jahr einschätzt.

Christine: Wohin wird sich Social Media aus deiner Sicht 2012 entwickeln?

Mike Schnoor: Social Media wird immer stärker zur Normalität. Die Besonderheit von Social Media aus den ersten Jahren wird durch das einfache Können und Beherrschen der Thematik eine Oberhand in der Kommunikation gewinnen. Ich kann mich daher nur wiederholen: Wer in Social Media beruflich Fuß fassen möchte, sollte dies unbedingt jetzt tun.

Christine: Blogger Richard Gutjahr glaubt eine Facebook-Müdigkeit festzustellen. Kannst du das bestätigen?

Mike Schnoor: Rein privat habe ich keine ausgeprägten Ambitionen, meinen Facebook-Account kontinuierlich und intensiv zu befüllen. Gelegentlich teile ich Inhalte oder schiebe über die API die Fotos von anderen Diensten meist automatisiert in meine Timeline. Doch ich bevorzuge definitiv Twitter, da ich ungezwungen und leidenschaftlich kommunizieren kann und nur wenig Details über mich preisgeben muss. Auch ist mir das Prinzip lieber, Follower zu haben und nicht jedem Nutzer durch gegenseitige „Freundschaften“ eine Huldigung auszusprechen. Wenn ich alle rund 3.350 Follower bei Twitter auch gleichzeitig als aktive Teilnehmer in meiner eigenen Timeline sehen müsste, wäre dies ein für mich unzumutbarer Information-Overkill. Ich bin jedoch gespannt, ob die neue Chronik, wie die Timeline im deutschen Facebook heißt, noch mehr Usability und Experience bieten wird, um der besagten Facebook-Müdigkeit entgegen zu wirken.

Christine: Auch Jürgen Vielmeier hat eine interessante These aufgestellt. Seiner Meinung nach wird die Nutzung sozialer Netzwerke zurückgehen, dafür werden aber die privaten Netzwerke mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Was hältst du von dieser Einschätzung?

Mike Schnoor: Nichts. Seit Jahren lebe ich mein Leben in der Öffentlichkeit, indem ich jeden meiner Follower einen kleinen Teil davon mitteile. Gewiss beruhigt es die Seele, wenn wie bei Google+ die Informationen stärker privat distribuiert anstatt pauschal veröffentlicht werden. Doch was nützt es allen Marketing- und PR-Leuten, wenn dank drastischer Privatsphäre-Einstellungen keine messbaren Rückschlüsse auf die bereitgestellten Informationen im Sinne des Monitorings erfolgen können? Gewiss ein Vorteil für rein privat agierende Menschen, doch ganz ehrlich führt das jedwede ROI-Diskussion ad absurdum. Man muss sich die Frage stellen, weshalb die jungen Generationen so bereitwillig ihre Informationen öffentlich teilen. Der gesellschaftliche und kulturelle Wandel hat besonders in Deutschland eine drastische Kehrtwende vollzogen. Soziale Interaktion ist ein ständiger Begleiter, genau wie junge Menschen ganz selbstverständlich ihre Musik im Netz teilen wollen. Und für den ganzen Spaß zahle ich bereitwillig mit den Daten, die ich bewusst in Netz hinterlasse. Sie sind nun einfach viel qualitativer als vor zehn Jahren. Wer das nicht mag, fordert bald, man könne das Internet auch gleich abschalten.

Christine: Martin Weigert hat gerade die Leser von netzwertig.com dazu aufgerufen, für ihren Lieblingsonlinedienst aus 2011 abzustimmen. Welche Services haben dich besonders begeistert?

Mike Schnoor: Kein einziger Service hat mich wirklich vom Hocker gehauen. Ich habe daher keine generelle Präferenz, außer mein Kommunikationsverhalten anhand von Twitter, Facebook, Google+ oder speziellen Services wie Instagram, Qype oder Foursquare abzubilden. Zwei der in Martins Liste vorgestellten Services sind damit vertreten, aber ich klebe nicht mit der Nase am Bildschirm, um dort meine Zeit zu vertreiben. Sehr gerne nutze ich eher ganz traditionelle Angebote wie Spiegel Online, FAZ, Tagesspiegel, Handelsblatt, W&V, Horizont oder Internetworld Business als informative Onlinedienste. Doch dies liegt eher an der beruflichen Interessenlage und professionellen Nutzung.

Christine:Privat bloggst Du zu den Themen Social Media, Public Relations, Marketing und Medien. Welche Rolle werden Blogs, speziell Corporate Blogs, Deiner Meinung nach in 2012 spielen – bescheinigt doch der ein oder andere Blogs (mal wieder) den baldigen Tod

Mike Schnoor: Nein, den Tod der Blogs haben wir alle seit 2004 gedeutet, als Blogs noch niemandem bis auf einem eingefleischtem Kreis bekannt waren. Diese lustigen Prognosen, die jedes Jahr wiederkehren oder auch von den Klowänden des Internets mahnten, werden wohl nie eintreten – auch in naher Zukunft nicht, sofern man nicht 50 Euro pro Monat für ein simples Blog per regulativer Zwangsabgabe zahlen muss. Gewiss möchte ich niemandem hier diesen Denkanstoß geben, aber derweil gibt es durchaus qualitative Einbußen beim Bloggen. Auch meine eigenen Zeiten des täglichen intensiven Bloggens sind definitiv vorbei, so dass ich mich persönlich eher auf qualitative und längere Artikel konzentriert habe. So sehr ich Corporate Blogs schätze, wirken sie im Groben und Ganzen für mich mittlerweile absolut langweilig und monoton. Nur wenige professionelle Perlen haben bestand, und meist liegt dies an der Schreibe des einzelnen Autoren – eher weniger am Corporate Blog selbst. Wenn der Corporate Blogger geht, stirbt meist auch das Blog. Und wer jetzt eines neu aufsetzt, dem wünsche ich viel Glück zum Start, doch was soll man nach einem Jahr dann neues lesen, außer irgendwann die abgewandelten Pressetexte? Diese Informationen wiederum kann ich auch über meine Verteiler schicken, als normalen Newseintrag im Pressebereich der Webseite veröffentlichen und erhalte damit wesentlich effektivere und attraktivere Presseberichte in den Massenmedien. Leider ist dies die ungeschminkte Wahrheit, die so mancher Corporate Blogger gar nicht gerne hören möchten.

Christine:Der BVDW ist bereits auf unterschiedlichen Plattformen, zum Beispiel Twitter oder Google+ vertreten. Wird sich an dem Social-Media-Setup im nächsten Jahr etwas ändern? Und wenn ja, was und warum?

Mike Schnoor: Warum sollte sich großartig etwas verändern? Die Präsenzen erfüllen ihren Zweck und damit erreichen wir einen Teil der gewünschten Zielgruppen. Das ist in dieser Konstellation wertvoll und gut.

Christine: Vielen Dank für das Interview!

Von | 2011-12-20T08:30:41+00:00 20. Dezember 2011|Kategorien: Social Media|Tags: , , , , , |

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