3-D-Drucker für zu Hause: Technische Revolution oder bloß Spielerei?

Schenkt man dem generellen Hype innerhalb der IT-Branche Glauben, so steht uns in absehbarer Zeit die größte technische Innovation seit dem Internet ins Haus: der 3-D-Drucker für jedermann.

Anfang Januar präsentierte der US-Hersteller MakerBots auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas mit dem »Replicator 2« einen 3-D-Drucker, der mit einem Preis von umgerechnet knapp 1.650 Euro auch für technik- und bastelaffine Privatpersonen interessant werden dürfte.

Das Grundprinzip lässt sich ganz grob mit dem einer Heißklebepistole vergleichen. Die Modelliermasse, bestehend aus Kunstoffen, Kunstharzen oder Metallen, wird zunächst verflüssigt und im Anschluss Schicht für Schicht zu einem beliebigen, dreidimensionalen Objekt zusammengefügt. Der heimische Schreibtisch wird so zur Minifabrik, mit der sich bereits heute einiges herstellen lässt: Handycover, Schachfiguren oder Modeschmuck – der Kreativität sind hierbei kaum Grenzen gesetzt.

Aber warum sich nur auf optische Spielereien und Gimmicks beschränken? Diese Technologie bietet im Grunde genommen doch so viel mehr an Potenzial. So sind 3-D-Drucke mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Vor einem knappen Jahr wurde bereits das erste Kieferimplantat komplett mit einem 3-D-Drucker hergestellt.

3-D-Drucker der Stadtbibliothek Köln

Bildquelle: Stadtbibliothek Köln

Warum sollte sich der Hobby-Heimwerker nicht künftig die Druckvorlage für Ersatzteile aus dem Internet herunterladen und diese dann bequem zu Hause ausdrucken, anstelle die Komponenten über einen Händler für ein Vielfaches des Preises zu beziehen? Könnten global gesehen auf diesem Wege nicht Milliarden an Transport- und Lagerkosten eingespart werden? Was im Haushalt benötigt wird, kann ohne Rücksicht auf Öffnungs- und Lieferzeiten ganz autark und einfach ausgedruckt werden. Jeder wäre sozusagen seines benötigten Dinges eigener Schmied.

Sicher hat diese Vorstellung ihren Reiz, es dürften sich bei der Realisierbarkeit jedoch gewisse Schwierigkeiten ergeben. Wer wird bei fehlerhaften Drucken haftbar gemacht? Angenommen ein selbst gedrucktes Auto-Ersatzteil weißt Mängel auf und es kommt daraufhin zu einem schwerwiegenden Unfall. Wer trägt da die Schuld, wer kann haftbar gemacht werden? Die Person, die das entsprechende Teil ausgedruckt hat? Der Druckerhersteller? Der Hersteller der Druckvorlage? Diese Frage ist ebenso schwer zu beantworten, wie die Frage nach der künftigen Regulierung des Marktes. Verbreiten sich heute schon Musik und Filme rasend schnell auf illegalen Wegen über das Internet, wird diese Form der Weitergabe von geschütztem Material sicher auch vor Druckvorlagen nicht haltmachen. Da zudem nicht in jedem ein kreatives Design- und Funktionalitätsgenie schlummert, werden bewährte Artikel wahrscheinlich millionenfach kopiert. Sollten Unternehmen, die Vorlagen nicht offiziell zum Erwerb anbieten, wird der Markt infolgedessen von Plagiaten regelrecht überschwemmt. Nicht auszudenken, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Wirtschaft hätte. Komplette Industriezweige würden überflüssig und schlichtweg wegrationalisiert. Die Folgen für den globalen Arbeitsmarkt wären verheerend. Zugegeben, die Auflistung der Folgen ist doch recht hypothetisch, aber nicht anders verhält es sich mit den aufgelisteten und als technologische Revolution angepriesenen Möglichkeiten des 3-D-Drucks. Es ist schwer zu sagen, welche Möglichkeiten sich konkret für Privatpersonen ergeben und welche Einsatzbereiche (aus den oben genannten Gründen) den Unternehmen vorbehalten bleiben werden.

Man sollte diese Technologie auf keinen Fall verteufeln oder gar boykottieren, man sollte dem momentanen Hype allerdings auch nicht blindlings folgen, da 3-D-Drucker womöglich in absehbarer Zeit noch nicht in der Lage sind, die Weltmärkte so zu revolutionieren, wie es uns heute allenthalben glauben gemacht wird. Für den privaten Gebrauch werden 3-D-Drucker in absehbarer Zeit vermutlich eines sein: ein weiteres technisches Spielzeug.

Unser Tipp für alle Kölner: Wer sich mal ansehen möchte, wie so ein 3-D-Drucker arbeitet, dem sei ein Besuch in der Stadtbibliothek Köln angeraten. Dort steht seit Kurzem ein solches Gerät, das von Besuchern genutzt werden kann. An dieser Stelle nochmal ein beherztes Dankeschön an das Team der Zentralbibliothek, uns ein Foto vom 3-D-Drucker zur Verfügung zu stellen!

By | 2015-07-16T12:58:56+00:00 28. Februar 2013|Categories: Allgemein|

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