2035: Mein Leben in der Volldigitalisierung

Anlässlich der Blogparade »So will ich leben, wenn ich 65 bin« habe ich mir Gedanken zu einem Aspekt gemacht, der mich tagtäglich bewegt – nicht nur beruflich, sondern auch privat. Gemeint ist die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Mir schwebt da eine Welt vor, die sich heute bestenfalls schon erahnen, nicht aber wirklich absehen lässt. Denn wenn ich aus den vergangenen 25 Jahren – also seit der »Geburt« des Internets – eines verinnerlicht habe, dann die Erkenntnis, dass das Morgen schneller da ist, als man es sich heute vorstellen kann. 

Der Tag beginnt mit einem Meeresrauschen. Das kommt nicht etwa aus irgendeinem formunschönen Gerät, sondern ist Teil einer wunderschön surrealen Projektion an meiner Wand, gespeist aus einem kleinen unscheinbaren Kubus. Dieser »Zauberwürfel« ist ohnehin zur Zentralstelle meines Lebens geworden. Hierin verbirgt sich die Steuerung, mit der alle Geräte sowie Einrichtungsgegenstände in meinem Besitz miteinander verbunden sind. Durch eine ihnen eigene IP-Adresse sind sie in die Lage versetzt, »intelligente« Rückschlüsse auf meine persönlichen Bedürfnisse sowie notwendige Tätigkeiten und Dienstleistungen in meinem Haushalt zu ziehen. Die strukturierte Bündelung personalisierter Daten macht’s möglich.

Während ich gleich nach dem Aufstehen wie von magischer Hand meine transparente Multitouch-Projektionsfläche (TMP) vor mich schiebe, liest ein kleiner Chip, den ich mir vor Kurzem unter meine Haut am Arm habe implantieren lassen, aus, wie mein körperliches Befinden ist und was ich als erste Mahlzeit am Tag zu mir nehmen sollte. Ich gehe zum Kühlschrank, und dort steht bereits das aus dem 3D-Drucker frisch gefertigte und perfekt auf mich und meinen Körper abgestimmte Frühstück.

Anschließend schaue ich, was die Enkel so treiben und welche Lerneinheiten sie heute über den virtuellen Klassenraum erhalten. Ja, 2035 ist das virtuelle Klassenzimmer Realität. Lerninhalte sind immer noch nach einem Rahmenlehrplan ausgerichtet. Aber wir haben es mithilfe der Digitalisierung geschafft, die Wissensvermittlung an die jeweiligen kognitiven Fähigkeiten und individuellen Talente unserer Kinder anzupassen. Kernaufgabe der Pädagogen ist es, sich voll und ganz auf die Ausbildung der sozialen Fähigkeiten unserer Kinder sowie deren Charakterbildung zu konzentrieren.

Dass sich meine Enkel im Übrigen im entfernten Ausland aufhalten, finde ich unproblematisch. Schließlich kann ich sie in Lebensgröße auf meinem riesigen Plasmaprojektionsschirm jederzeit einblenden – insofern auch sie mich auf »on« stellen. Mich mit ihrem kantonesischen Vater zu unterhalten, ist ebenfalls kein Problem. Unser Dialog wird schließlich automatisch ins Deutsche übersetzt und gesprochen – selbstverständlich in seiner Originalstimme, die mein „mobile translation devise“ (MDT) für mich entschlüsselt. Und wenn ich mich erinnere, dass einst die Kritiker der virtuellen Welt davon sprachen, dass es spätestens beim Thema Körperkontakt und Nähe auch in naher Zukunft keine Alternative geben würde … 2035 fühlt sich der Kontakt mit dem Menschen auf dem Bildschirm Dank einem unmerklich sichtbaren Handschuh fast wie echt an.

Wenn ich schließlich mein Zuhause verlasse, trete ich in eine von Ruhe geprägte Welt. 2035 ist die Anzahl der Lärm verursachenden Gerätschaften und Fahrzeuge auf ein Minimum reduziert. Auch hier zu einem großen Teil der Digitalisierung sei Dank. Und während ich mich kurz erinnere, dass ich vor einigen Jahren noch voller Panik darüber nachdachte, aufgrund von körperlichen Einschränkungen nicht mehr mobil sein zu können, enthuscht mir ein Lächeln. 2035 braucht mein Auto nur noch meine Eingabe: Wohin soll es wann und vielleicht noch mit wem gehen? Selbstfahrende Fortbewegungsmittel sind unlängst Standard.

Überhaupt ist das Leben 2035 recht bequem: Alles, was ich an alltäglichen Dingen brauche, bekomme ich via Eingabe. Meine Termine, meine Erledigungen, meine Freizeit, meine Reisen, meine Medikamente – das alles erledigt mein DPA (Digital Personal Assistent). Automatisierter Transport, automatisierte Nahrungsbeschaffung, automatisiertes Matchmaking für die Freizeit, automatisiertes … you name it! Wir haben es vollbracht, menschenähnliche Roboter zu erschaffen, die »intelligenter« sind als wir, die in der Lage sind, Emotionen nachzuempfinden und uns in jedweden Situationen wie auch »Unsituationen« zu unterstützen. Es ist das Zeitalter des Posthumanismus. Klingt spooky? Nach »zu wenig Mensch«?

Tatsächlich hege ich im Hinblick auf die Technik weniger Bedenken vor dem Leben in der Volldigitalisierung. Schließlich sind es bislang nicht Maschinen und Roboter, die unsere Umwelt zerstören, die Kriege anzetteln und Finanzkrisen heraufbeschwören, oder? Wir müssen also achtsam bleiben gegenüber dem, was wir in den kommenden 20 Jahren aus der künstlichen Intelligenz und den Möglichkeiten der Digitalisierung machen. Wir dürfen trotz Automatisierung die besten menschlichen Eigenschaften einfach nicht vergessen: echte Emotionen, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dann wird auch 2035 Maschine noch Maschine und Mensch noch Mensch sein. Im besten Fall behält Bill Gates sogar recht mit seiner Prognose, dass 2035 in keinem Land dieser Erde mehr Armut herrscht.

Von | 2015-07-14T13:19:10+00:00 8. Juni 2015|Kategorien: Allgemein, Digitaler Wandel, Internet, Internet der Dinge, Trends|

Über den Autor:

Alexa Brandt
Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung des Bereichs Agentur.

3 Kommentare

  1. vera 9. Juni 2015 um 7:55 Uhr
  2. Alexa Brandt
    Alexa Brandt 9. Juni 2015 um 9:05 Uhr

    Hallo Vera,
    danke für den Tipp!
    Lieben Gruß aus Köln

  3. […] Möglichkeiten sich durch den zunehmenden digitalen Wandel auftun, beschreibt der Beitrag von Alexa Brandt und stimmt ein hoffnungsfrohes Lied auf die Zukunft im Alter. Stichwort: Internet der Dinge. […]

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